Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.11.2015

06:49 Uhr

Entlassungswelle

Schonend kündigen – geht das?

VonKerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Weltweit setzen Unternehmen den Rotstift an: Die Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank oder auch Bosch kündigen zigtausend Mitarbeitern. Das ist für beide Seiten nicht einfach. Für Manager gibt es da einige Regeln.

Die italienische Großbank entlässt bis 2018 rund 18.200 Mitarbeiter. Auch andere Konzerne setzen den Rotstift an. Reuters

Unicredit

Die italienische Großbank entlässt bis 2018 rund 18.200 Mitarbeiter. Auch andere Konzerne setzen den Rotstift an.

Die italienische Großbank Unicredit entlässt bis 2018 rund 18.200 Mitarbeiter. Davon betroffen ist auch die deutsche Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB). Bei der Bosch-Tochter Bosch Rexroth sollen in den kommenden drei Jahren in Deutschland bis zu 1150 Mitarbeiter gehen, bei der Deutschen Bank wird konzernweit ein Viertel aller Stellen abgebaut.

Gemeinsam haben die Fälle eines: Die Entscheidung fällt ganz oben – immer aus nachvollziehbaren Gründen – und die Führungskräfte in den unteren Reihen müssen ihren Leute sagen, dass und bis wann sie ihre Schreibtische zu räumen haben.

Die Kündigungsschutzklage

Was ist eine Kündigungsschutzklage?

Mit einer Kündigungsschutzklage wehrt sich ein Arbeitnehmer gegen seine Entlassung. Im Falle von Schlecker ist sie, weil das Unternehmen pleite ist, betriebsbedingt. Das lässt sich nicht anzweifeln. Daher müssen die Ex-Mitarbeiter die sogenannte "Sozialauswahl" in Frage stellen.

Wann wird sie angestrebt?

In der Praxis enden die meisten Kündigungsschutzklagen mit einem Vergleich - auch wenn das Ziel der Klage grundsätzlich die Fortführung des Arbeitsverhältnisses ist. Meist einigen sich die Parteien darauf, das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen zu beenden, der ehemaligen Arbeitnehmer erhält eine Abfindung. Darauf spekulieren wohl die meisten der Schlecker-Mitarbeiter.

Was heißt „Sozialauswahl“?

Der Arbeitgeber muss denjenigen Mitarbeiter ermitteln, den eine Kündigung nach bestimmten sozialen Kriterien am wenigsten hart treffen würde. Das sind: Dauer der Betriebszugehörigkeit, Alter, Unterhaltspflichten, Schwerbehindertenrecht. Das Arbeitsgericht prüft dann, ob bei der Auswahl der gekündigten Person alle Kriterien entsprechend berücksichtigt wurden.

So entschließt sich Unicredit-Vorstandschef Federico Ghizzoni, die Kosten seines Unternehmens um 1,6 Milliarden Euro zu senken. Und in den HVB-Zentralen in München und Hamburg muss nun irgendein vermutlich genauso überraschter Manager 1200 Mitarbeitern die Kündigung überreichen. Keine leichte Aufgabe. „Wer in einer Sandwich-Position ist, muss möglicherweise etwas transportieren, was ihm gar nicht gefällt oder ihn sogar selbst betrifft“, sagt Jörg Wirtgen, Gründer und Geschäftsführer der Berliner Managementberatung WM-Consult.

Der Wirtschaftspsychologe berät Manager der ersten und zweiten Führungsebene. Im schlimmsten Fall kündigt sich der Überbringer der schlechten Nachrichten also gleich selbst. Doch auch wenn der Vorgesetzte selbst verschont bleibt, ist das kein leichter Job, wie Wirtgen weiß. „Entlassungen sind immer eine schwierige Situation für Führungskräfte: Sie müssen zum einen die Position ihres Unternehmens vertreten, sie vertreten außerdem sich selbst und sie haben die Verantwortung für ihre Mitarbeiter.“

Wie sage ich’s meinen Mitarbeitern?

Entsprechend haben viele Verantwortliche regelrecht Angst vor dem Gespräch mit ihrem Team. Wie soll man die Botschaft verpacken, wie reagieren die Mitarbeiter, wie geht man mit deren Reaktionen um? „Die größte Herausforderung, vor der Unternehmen in diesem Prozess stehen, ist die Emotionalität aller Beteiligten. Da sind viele überfordert“, bestätigt Anja Schauenburg. Sie ist Geschäftsführerin der Outplacementberatung „Die Personalumbauer“ und begleitet seit mehr als zwölf Jahren Umbauprojekte bei Mittelständlern und Konzernen wie Kodak oder auch der HSH Nordbank, die schmerzhafte Einschnitte vornehmen mussten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×