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03.05.2013

11:52 Uhr

Eon-Hauptversammlung

„Brasilien und die Türkei machen viel Freude“

VonDana Heide

Eon-Chef Teyssen sucht wegen der schwierigen Bedingungen auf dem Heimatmarkt sein Heil im Ausland. Doch zuletzt machte vor allem das Engagement in Brasilien Sorge. Bei der Hauptversammlung verteidigt er seine Strategie.

Eon-Chef Johannes Teyssen: „Wer wagt, kann mit solchen Zukunftsgeschäften viel gewinnen“. Reuters

Eon-Chef Johannes Teyssen: „Wer wagt, kann mit solchen Zukunftsgeschäften viel gewinnen“.

EssenEon-Chef Johannes Teyssen ist heute mit einer guten Nachricht vor seine Aktionäre bei der Hauptversammlung des Konzerns in der Essener Gruga-Halle getreten. Der Düsseldorfer Energiekonzern habe vor einigen Tagen „zu sehr günstigen Preisen“ den Zuschlag für den Vertrieb in Istanbul und in der Region Adana in der Türkei bekommen. „Auf einen Schlag“ habe das Unternehmen so „sechs Millionen neue Kunden und insgesamt neun Millionen türkische Kunden“ gewonnen, sagte Teyssen. „Mehr als wir nach Jahrzehnten in Deutschland haben.“

Bereits Ende vergangenen Jahres war Eon ein Joint Venture mit der mächtigen türkischen Familien-Holding Sabanci eingegangen und hatte sich mit 50 Prozent an dem türkischen Energieunternehmen Enerjisa beteiligt. Bis 2020 soll Enerjisa durch den Bau neuer Kraftwerke einen Anteil am türkischen Erzeugungsmarkt von mindestens zehn Prozent erhalten, hatte Teyssen damals angekündigt.

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Der Eon-Chef sucht sein Heil derzeit vor allem im außereuropäischen Ausland. In Deutschland hatte der Energiekonzern zuletzt wenig Glück. Durch die Energiewende und den Vorrang der erneuerbaren Energien ist der Betrieb einiger Gaskraftwerke des Konzerns unrentabel geworden.

Zwar steigerte der Konzern sein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen im Jahr 2012 um 16 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro. Das lag jedoch vor allem daran, dass das Ergebnis im Vorjahr stark belastet war durch den Ausstieg aus der Kernenergie. Zudem konnte Eon mit seinen Gaslieferanten bessere Konditionen vereinbaren.

Bei der Hauptversammlung in Essen bekräftigte Eon-Chef Teyssen noch einmal die schlechten Aussichten für dieses Jahr: „Wir werden die 1,10 je Aktie für 2013 nicht halten können“, sagte er. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) werde bei 9,2 bis 9,8 Milliarden Euro liegen, der nachhaltige Konzernüberschuss bei 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro.

Als Konsequenz will Teyssen deshalb das schwierige Geschäft in Deutschland reduzieren. Der Vorstoß in der Türkei ist Teil der Internationalisierungs-Strategie des Konzerns. „Unseren Marktanteil in Deutschland werden wir nicht halten können“, hatte der Eon-Chef Ende April in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. „Wachsen wird dafür das Geschäft im Ausland“.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Einen Hieb gegen den schärfsten Konkurrenten von Eon, den Essener Energiekonzern RWE, konnte sich Teyssen laut Redemanuskript nicht verkneifen: „Wer sich trotz schrumpfender Basis in der Heimat ängstlich nicht bewegt, hat schon verloren“, hieß es. RWE-Chef Peter Terium hält offenbar nichts von einem Engagement in der Türkei und in Brasilien, wie es Eon vormacht. „Träumen kann man immer“, sagte Terium im Interview mit dem Magazin „Capital“. „Aber ich glaube nicht an Märchen. Investieren im Ausland ist eine knochenharte Arbeit, dort hat niemand Geld zu verschenken.“

Eon-Chef Teyssen verteidigte dagegen die Auslandsstrategie des Konzerns. Zuletzt hatte es Probleme mit dem Partner von Eon in Brasilien, Eike Batista, gegeben. „Brasilien und die Türkei werden Ihnen morgen noch viel Freude machen“, betonte Teyssen.

Kommentare (8)

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sailing

03.05.2013, 11:07 Uhr

fallende Stromgroßhandelspreise, damit meint er hoffentlich nicht die Strombörse in Leipzig, denn die dort gehandelten Mengen sind nicht um in der Sprache der Politik zu bleiben "Systemrelevant".
Wer sich nach Brasilien begibt um dort Geschäfte zu machen muss das Land von der "Pike auf" kennengelernt haben.
Unternehmensgröße ist in diesem Markt sekundär (siehe TK)

Cash-for-Trash

03.05.2013, 11:15 Uhr

Zitat aus dem Artikel:
"Teyssen verteidigte die Milliardeninvestitionen in Brasilien und der Türkei. „Wer wagt, kann mit solchen Zukunftsgeschäften viel gewinnen. Wer sich trotz schrumpfender Basis in der Heimat ängstlich nicht bewegt, hat schon verloren“, sagte Teyssen. Eon investiert allein in Brasilien gut 1,1 Milliarden Euro."

Ausgerechnet EON! Der Konzern hat ja schon Schwierigkeiten in Deutschland zurecht zu kommen. In Brasilien gelten ganz andere Bedingungen und Gesetze. Dort sind Schnelligkeit und Flexibilität gefragt. Hinzu kommen hohe Auflagen im sozialen und arbeitsrechtlichen Umfeld. Wenn man davon nichts versteht, dann werden bald 1,1 Mrd. als Fehlinvestition abgeschrieben. Als EON-Shareholder traue ich dem Konzern die Expansion in Brasilien nicht zu. Zudem sind mir die marktwirtschaftlichen Bedingungen in Brasilien nicht ganz unbekannt.

EON bem vindo no Brasil com seu dinheiro - nao precisamos de voce aqui! kkk

Cash-for-Trash

03.05.2013, 11:19 Uhr

Zitat:
"Wer sich nach Brasilien begibt um dort Geschäfte zu machen muss das Land von der "Pike auf" kennengelernt haben."

Oder er hat excellente Expats. Das ist aber bei EON eher unwahrscheinlich. Das Unternehmen mit seinen vielen Töchtern habe ich als sehr unprofessionell erlebt.


Dinheiro para o lixo = Cash for trash!

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