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08.08.2013

18:09 Uhr

Erfahrungen der Luftfahrt

Was Manager im Himmel lernen

VonSebastian Ertinger

Die Luftfahrt hat das Streben nach Sicherheit so perfektioniert wie keine andere Branche. Jeder Unfall wird analysiert, Fehler systematisch ausgemerzt. Was Unternehmer von Piloten lernen – und dabei in die Luft gehen.

Blick ins Cockpit: Eine ausführliche Vorbereitung geht jedem Flug voraus. Sebastian Ertinger

Blick ins Cockpit: Eine ausführliche Vorbereitung geht jedem Flug voraus.

DüsseldorfDie Piper Malibu summt durch die Wolken, irgendwo unter uns liegt Köln. Wir steuern auf den Trainingsluftraum bei Nörvenich zu, einem Fliegerhorst westlich der Rheinmetropole. Wolkenfetzen ziehen an den Fenstern der sechssitzigen Maschine vorbei. Ein Kopfhörer mit dicken Muscheln sitzt auf meinen Ohren und dämpft das Wummern des turbinengetriebenen Propellers. Dann schallt der Aufruf über den Hörer: „Der Passagier in der hinteren Reihe setzt sich nun auf die vordere Reihe“, sagt Pilot Stefan Unzicker. Das gilt mir.

Ich schnalle den Sicherheitsgurt ab, erhebe mich aus dem Sitz. Fast stoße ich mit dem Kopf an die Kabinendecke, dann lasse mich auf dem gegenüberliegenden Sessel, Rücken an Rücken mit dem Co-Piloten, wieder fallen. Unzicker hat das Steuer derweil losgelassen. Ohne korrigierenden Eingriff des Piloten reagiert die kleine Piper sofort auf die Verlagerung des Schwerpunkts. Die Flugzeugnase neigt sich nach unten - und binnen Sekunden verlieren wir mehr als hundert Meter an Höhe.

Wegen der grauen Wolkensuppe um uns herum lässt sich der rapide Höhenverlust fast nur an den Instrumenten ablesen – aber ich spüre auch, wie meine Innereien einen Satz machen. Derweil lässt Unzicker den Co-Piloten wieder das Steuer ergreifen. Der kämpft damit, die Piper wieder auf die vorgesehene Flughöhe einzupendeln.

Destruktive Kommunikation - und was Sie tun können

Vieldeutigkeit

Zwischenmenschliche Kommunikation ist alles, nur nicht eindeutig. Wir verwenden bewusst und unbewusst zahlreiche Ausdrucksmittel. Die Kehrseite dieser Vielfalt: Vieldeutigkeit und Fehleranfälligkeit.

(Quelle: Pater Klaus Brandl, Crash Kommunikation - Warum Piloten versagen und Manager Fehler machen)

Atmosphärische Störungen

Stimmt die Beziehungsebene, funktioniert in der Regel auch der inhaltliche Austausch. Stimmt sie nicht, prägen beispielsweise Streit, Abneigung oder Misstrauen die Atmosphäre, sind Kommunikationspannen programmiert.

Unternehmenskultur

Gute Kommunikation funktioniert nur eingebettet in eine positive Unternehmenskultur.

Killerphrasen

Ächten Sie Killerphrasen! Dahinter verstecken sich Denkverbote, Trägheit und Arroganz.

Schweigen

Schweigen, wo eine Reaktion gefragt wäre, ist ein Alarmsignal. Ob Angst, Verweigerung oder alarmierende Attacke, hängt von der Machtposition des Schweigers ab.

Zustimmung

Werden Sie misstrauisch bei allzu eilfertiger Zustimmung – vielleicht stecken hinter dem schnellen Konsens ganz andere Gründe.

Jammern

Passen Sie auf, dass vor lauter Jammern Ziele und Lösungen nicht aus dem Blick geraten.

Unaufrichtigkeit

Lippenbekenntnisse, Lügen oder gar Drohungen gefährden auf die Dauer den Unternehmenserfolg: Das Engagement sinkt, Korrektive werden ausgeschaltet und Innovationen blockiert.

Erfahrung

Wer die Untiefen der Kommunikation kennt, bleibt in heiklen Situationen gelassener.

Maßnahmen

Führen Sie gezielt Routinen und Spielregeln ein, die verhindern, dass Mitarbeitereinschätzungen und -warnungen voreilig abgebügelt werden oder untergehen.

Das eindrückliche Beispiel zeigt, wie wenig ausreicht, um ein Flugzeug aus den vorhergesehenen Bahnen zu bringen – in diesem Fall sind es meine rund 87 Kilo, die einen halben Meter nach vorne verschoben die gut 1950 Kilogramm der Piper inklusive Treibstoff und Passagieren ins Schwanken versetzen. Und die Demonstration zeigt, wie wichtig eine stete Aufmerksamkeit der Piloten und deren korrekte Reaktion ist.

Der Luftfahrtingenieur Unzicker demonstriert auf einem Rundflug im Cockpit seiner Piper, mit welchen Sicherheitsverfahren die Luftfahrtindustrie die Gefahren des Fliegens minimiert. „Wenn man die theoretischen Schilderungen dann im Flug selbst erlebt, hat ein Seminar eine ganz andere Nachhaltigkeit“, sagt der Verkehrspilot. Er arbeitete als Entwicklungsingenieur beim deutschen Flugzeugbauer Dornier Seastar in Oberpfaffenhofen, war Co-Pilot beim Erstflug des Luftschiffs Zeppelin NT im Jahr 1997 und baute die Firma Moving Terrain auf, die Cockpit-Multifunktionsgeräte entwickelt und herstellt.

Jetzt zeigt er, was Manager von der Luftfahrtindustrie lernen können. Unzicker ist nicht allein. Management-Ratgeber wie etwa das Buch „Crash-Kommunikation – Warum Piloten versagen und Manager Fehler machen“ des Sozialpädagogen, Berufspiloten und Fluglehrers Peter Klaus Brandl zeigen, welche Lehren die Luftfahrt aus Unfällen zieht und was sich Unternehmen abschauen können.

Kommentare (13)

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Ridikuel

08.08.2013, 19:28 Uhr

Das weiss ich schon lang...

Ein selbstfliegender Unternehmer mit CPL, multpl. Class Rating, Medical und ZÜP (letztere sollten zumindet auch alle Politclowns in der Republik durchlaufen müssen)!

Obacht

08.08.2013, 20:22 Uhr

Säure-Attacke gegen britische Teenager auf Sansibar

Auf der muslimisch geprägten Insel haben Unbekannte zwei 18-jährigen Britinnen Säure ins Gesicht geschleudert. Die beiden jungen Frauen hatten sich als Helferinnen in einer örtlichen Schule engagiert.

Quelle: WeltOnline

arbeiter

08.08.2013, 20:36 Uhr

Manager sollten nicht im Himmel lernen sondern auf der Erde, damit sie begreifen was es im Himmel sonst noch zu lernen gibt.

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