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03.10.2013

13:28 Uhr

Erfolg in den USA

Deutsches Amerika

VonPeter Ross Range

Ein ehemaliger „Time“-Korrespondent ist auf die Suche gegangen, was deutsche Firmen in den USA erfolgreich macht. Und hat überraschende Einsichten mitgebracht.

Der Chemiekonzern Wacker setzt in Chattanooga, Tennessee, auf deutsche Methoden bei der Lehrlingsausbildung. Polaris / laif für Handelsblatt

Der Chemiekonzern Wacker setzt in Chattanooga, Tennessee, auf deutsche Methoden bei der Lehrlingsausbildung.

ChattanoogaIch stehe auf einer ehemaligen Kuhweide und betrachte eine Erscheinung aus dem Raumfahrtzeitalter in der Wildnis von Tennessee. Wie deplatzierte Raketensilos erheben sich vor mir fünf riesige, über 60 Meter hohe Destillationstürme. Diese überraschenden Sprosse in einer einstigen amerikanischen Farmergemeinde sind aber nicht zur Herstellung von Spirituosen, sondern von reinstem Qualitäts-Polysilikon gedacht, dem Ausgangsmaterial für Solarwafer.

Zwei Milliarden Dollar hat Wacker Polysilicon North America hier investiert, um unter anderem diese Türme zu bauen. So will das Unternehmen seinen Anteil am Boom der Solarenergie in den USA - die Branche wächst derzeit um zehn Prozent jährlich - ausbauen. Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Wacker Chemie.

Größte deutsche Unternehmen in USA (2012)

Platz 10

Allianz

Umsatz in USA 2012: 12 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 10.000

Quelle: GACCNY

Platz 9

Bayer

Umsatz in USA 2012: 12,3 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 15.500

Platz 8

Bosch

Umsatz in USA 2012: 12,8 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 22.500

Platz 7

Thyssen-Krupp

Umsatz in USA 2012: 12,9 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 18.500

Platz 6

BASF

Umsatz in USA 2012: 18,5. Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 16.700

Platz 5

T-Mobile

Umsatz in USA 2012: 19,8 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 30.300

Platz 4

BMW

Umsatz in USA 2012: 20,8 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 10.000

Platz 3

Siemens

Umsatz in USA 2012: 21,3 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 60.000

Platz 2

Volkswagen

Umsatz in USA 2012: 32 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 63.200

Platz 1

Daimler

Umsatz in USA 2012: 40 Mrd. Dollar

Mitarbeiter: 21.700

Ich bin gekommen, um nach der Zukunft deutscher Investitionen in den Vereinigten Staaten zu suchen, und hier habe ich einen Teil davon gefunden. Wacker Polysilicons Präsenz im ländlichen Tennessee sagt viel über die deutsche Expansion in die US-Wirtschaft: eine aggressive Welle, die mit dem Globalisierungstrend in den 1990ern begann und nun langsam die amerikanische Sicht von moderner Fertigung und Ausbildungsprogrammen beeinflusst.

„Die Geschichte fängt gerade erst an“, sagt Konrad Bachhuber, Wackers stellvertretender Geschäftsführer in Nordamerika. "Diese Branche kommt in den Vereinigten Staaten gerade in Schwung. Unser Ziel ist es, eine starke Position zu halten, indem wir unsere Produktion steigern. Tennessee ist für uns ein Meilenstein."

Bachhuber ist ein Chemieingenieur, hat einen Doktortitel der Universität Regensburg und arbeitet nun in einem Plantagenhaus aus dem Jahr 1856. Roter Ziegelstein, Kamin - eine Szene wie aus dem Historienfilm "Vom Winde verweht". Er ist eine neue Art von Südstaaten-Gentleman, der eine andere Form von Arbeit in diese einst wirtschaftlich notleidende, ländliche Ecke des Alten Südens bringt.

Der amerikanische Journalist Peter Ross Range auf deutsch-amerikanischer Entdeckungsreise. Andreas Labes für Handelsblatt

Der amerikanische Journalist Peter Ross Range auf deutsch-amerikanischer Entdeckungsreise.

Diese Entwicklung erstaunt einen aus der Region wie mich. Die Gegend um die Stadt Chattanooga, wo Wacker eine in das örtliche kommunale College integrierte Ausbildungseinrichtung besitzt, ist traditionell für alles bekannt - nur nicht für High Tech. Während meiner Kindheit im nahen Georgia und in North Carolina hatte Chattanooga als Schauplatz von Schlachten im Bürgerkrieg und als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt einen Namen. Es war eine sterbende Stadt der Schwerindustrie, die einst als dreckigste Amerikas galt. Heute wandelt sie sich in den neuesten Siedlungspunkt des deutschen Wirtschaftslebens.

Oben auf dem Lookout Mountain, dem idealen militärischen Aussichtspunkt, der eine enge Biegung des Tennessee River überragt, stehe ich neben den alten Kanonen aus dem Bürgerkrieg und sehe Chattanoogas ganze Geschichte unten ausgebreitet. Aber nur wenige Meilen die Interstate-Autobahn 75 hinauf finde ich die Zukunft.

Kommentare (19)

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Leo24

03.10.2013, 14:45 Uhr

falsch übersetzt?
in Ihrem Artikel wird polysilicon mit Polysilikon übersetzt.Meiner Meinung nach müsste es Polysilizium heißen
mfG Leo

Nein_nicht_vandale_sondern_ich

03.10.2013, 15:07 Uhr

Die Politiker hierzulande sind so dumm, nicht zu erkennen, dass der Solarboom Deutschland eine Vorreiterrolle bzgl. der zukünftigen Entwicklung gebracht hat. Stattdessen wird das Klein-Klein mit Zerlegung des Erreichten einher gehen und dabei übersieht man ganz, dass Ameriak und China munter an Deutschland vorbeiziehen und genau das gleiche Konzept umsetzen, ohne den gleichen Fehler des zuviel an Subvention zu machen.

Nein Ihr Damen und Herren Politiker im Bundestag, es ist nichts falsch an den alternativen Energien und ihrer Förderung. Und es ist auch nicht schade um die großen Energieversorger, die krampfhaft an ihrem alten Konzept festhalten wollen. Es ist auch dann kein Problem, wenn diese gar insolvent gehen sollten, weil sie den Wandel nicht mitmachen wollen oder können. Es wird aber ein Problem, wenn wir den Wandel ganz abbrechen, anstatt nur die Subvention zurückzufahren.

Der initiale Fehler war einzig und allein die Subvention nicht an die Anlagenkosten zu koppeln, sondern an den erzeugten Strom. So hat das Geschäftsmodell um so mehr Erträge für die Installierenden gebracht, je preiswerter die Anlagen wurden. Und nur das ist falsch am EEG (abgesehen von den vielen Ausnahmen für angeblich notleidende Unternehmen, die allesamt lediglich einen Promille Teil ihres Gewinnes dafür hergeben müssen)!

curiosus_

03.10.2013, 15:22 Uhr

Daran sieht man einmal mehr, wie hirnrissig die Forderung aus Brüssel ist, die Arbeitslosenkassen im €-Land zu vergemeinschaften (etwas platt ausgedrückt). Solange unterschiedliche Ausbildungssysteme zu unterschiedlich hohen Wettbewerbsfähigkeiten und damit zu unterschiedlich hohen Arbeitslosenzahlen führen bedeutet das faktisch Transferleistungen von den systembedingt wettbewerbsfähigeren zu den ebenso systembedingt weniger wettbewerbsfähigen.

Womit wir dann ein entartetes Arbeitslosenhilfesystem hätten, ähnlich wie in Amerika ein entartetes (sich in etwas (Negatives) verkehren, ausarten) Ausbildungssystem haben.

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