Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2015

06:56 Uhr

Erfolgreich im Job

Wann Arroganz gut für die Karriere ist

VonKristin Schmidt
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein ist gut für die Karriere. Aber wann wird daraus gefährliche Überheblichkeit? Wann sich Arroganz im Berufsleben auszahlt und wann sie schadet.

Napoleon war besonders für seinen Narzissmus bekannt. Reuters

Hoch zu Ross

Napoleon war besonders für seinen Narzissmus bekannt.

Die Begeisterung an sich selbst ist vor allem prominenten Zeitgenossen selten fremd. Napoleon etwa erklärte 1811 auf dem Höhepunkt seiner Macht: „Noch drei Jahre, und ich bin Herr über das Universum.“ Vier Jahre später erlebte er im Städtchen Waterloo seine finale Niederlage. Beatles-Sänger John Lennon verkündete 1966 vollmundig: „Wir sind jetzt populärer als Jesus.“ Nun ja. Und Modezar Karl Lagerfeld antwortete 2008 auf die Frage, warum er kein Handy besitzt: „Telefone sind etwas fürs Personal.“

Hand aufs Herz: Rutschen Ihnen solche Sprüche auch manchmal raus? Vermutlich werden Sie diese Frage verneinen – und genau da beginnt das Problem, findet zumindest der Finne Ari Turunen. In seinem neuen Buch mit dem originellen Titel „Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?“, widmet sich der Wissenschaftsjournalist der Geschichte der Arroganz. Denn die kommt nicht nur in prominenteren Breitengraden vor. Ein bisschen Bonaparte steckt doch in jedem von uns.

Überall finden sich Schnösel, die sich für etwas Besseres halten; andere von oben herab behandeln; sich für ein „Hallo“ auf der Straße oder im Büro zu fein sind – nicht aus Versehen, sondern aus Kalkül. Diese charakterliche Deformation betrifft Nachbarn ebenso wie Kollegen. Doch vor allem bei Menschen mit Macht und Verantwortung gibt es diese vor Selbstbewusstsein strotzenden Egomanen überdurchschnittlich oft. Bloß: Warum?

Stimmt der Spruch, demzufolge Niveau „nur von unten wie Arroganz aussieht“, etwa doch? Macht Erfolg die Menschen überheblich? Oder hilft Arroganz gar beim beruflichen Aufstieg? Und wo liegt eigentlich die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und gefährlicher Überheblichkeit?

Psychologen forschen seit Jahrzehnten zu Themen wie Narzissmus und Selbstüberschätzung. „Eine Definition für Arroganz ist aber schwierig“, sagt Claas-Hinrich Lammers, ärztlicher Direktor der Psychiatrie an der Asklepios Klinik Nord in Hamburg. „Denn sie ist keine psychische Krankheit, die genauen Maßstäben unterliegt.“

Zehn Motivationsmärchen, die Sie besser nicht glauben

Alles ist möglich – Inklusive Bankrott, Burn-out und Betrug

Der faule Zauber: „Du kannst alles erreichen, wenn du nur wirklich willst“. Das ist Bullshit. Jeder von uns hat Grenzen, körperliche, mentale, intellektuelle, finanzielle... Es kann definitiv nicht jeder Astronaut, Millionär oder auch nur Frauenschwarm werden.

Der wahre Kern: In den meisten von uns steckt mehr, als wir denken und uns zutrauen. Vielen Menschen täten eine optimistischere Grundhaltung und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gut. Wer die Messlatte etwas höher legt und mutig handelt, erreicht mehr als jemand, der zu früh aufgibt. Insofern ist „Alles ist möglich!“ eine positive Provokation, die (typisch deutsches?) Miesmachertum und „Das haben wir noch nie so gemacht“-Lethargie infrage stellt.

Tsjakkaa! Urschrei-Therapie für Versager

Der faule Zauber: Wer Tsjakkaa schreit, wird unbesiegbar. Er spornt Sie zu großen Leistungen an, so das „Du schaffst es!“-Versprechen. Das stimmt so nicht, denn Schreien gibt allenfalls einen kurzen Kraftimpuls. Möglicherweise ist der Tsjakkaa-Schrei deswegen so beliebt, weil er als euphorisches Erlebnis, als Überlegenheitsgeste, als Aufbegehren gegen eigene Ängste empfunden werden kann. Ein solcher Schrei gibt einen kurzen Schub, man fühlt sich eine Sekunde lang unbesiegbar. Doch der Effekt verpufft, er hat keine Nachhaltigkeit.

Der wahre Kern: Ein Ritual vor großen Herausforderungen kann die Angst dämpfen und die Konzentration fördern.

Positiv Denken! Selbstbetrug statt Aufbruchstimmung

Der faule Zauber: „Erfolg entsteht im Kopf“, so die These. Doch bei den meisten Menschen bleibt er auch dort. Wer positiv denkt, programmiert sein „Unterbewusstsein“ angeblich auf Erfolg und lebt allein durch die Kraft seiner Gedanken glücklicher, erfolgreicher und gesünder.

Der wahre Kern: Eine optimistische Grundhaltung hilft, Herausforderungen zu meistern. Und man kann trainieren, sich nicht von Grübeleien und negativen Gedanken überwältigen zu lassen.

Ziele setzen! Es könnte alles so einfach sein...

Der faule Zauber: „Schreiben Sie Ihre Ziele auf und profitieren Sie von der magischen Wirkung schriftlich fixierter Zielvorstellungen!“, so das kühne Versprechen.

Der wahre Kern: Ziele wirken tatsächlich wie ein Kompass und steuern Handlungsrichtung, - dauer und -intensität. Auch eine schriftliche Fixierung ist von Vorteil. Darüber hinaus kommt es aber vor allem darauf an, ins Handeln zu kommen. Aufschreiben allein genügt nicht!

Visualisieren! Fata Morgana der Träumer

Der faule Zauber: ...besteht in der Behauptung, eine Zielcollage entfalte eine geradezu magische Wirkung und lasse die ausgewählten Bilder quasi automatisch Wirklichkeit werden.

Der wahre Kern: Im Brainstorming und bei der Ideenfindung kann man gut mit Bildern arbeiten. Und: Was wir vor Augen haben oder was uns beschäftigt, lenkt unsere Aufmerksamkeit. Sich mit seinen Zielen auseinanderzusetzen schärft daher die Wahrnehmung für thematisch Passendes.

Glaub an dich! Sprüche statt Strategien

Der faule Zauber: ...entsteht, wenn banale Trostsprüche sich als echte Hilfestellung tarnen.

Der wahre Kern: Kurzfristig tut Trost gut, und wir alle brauchen gelegentlich Trost. Der sollte uns allerdings nicht einlullen und nicht davon abhalten, ins Handeln zu kommen.

Sei ein Teamspieler! Wer's glaubt, wird selig aber nicht erfolgreich

Der faule Zauber: ...besteht im Lobgesang auf eine nicht näher definierte „Teamfähigkeit“. Wer sich im Team versteckt und Konflikte scheut, wird es nicht weit bringen.

Der wahre Kern: Wer andere für sich und seine Ziele gewinnen kann, kommt leichter vorwärts. Dafür muss man aber Teams nutzen können, statt sie als bequeme Hängematte misszuverstehen.

Lauf Marathon! Unsinn des sportlichen Aktionismus

Der faule Zauber: Es wird suggeriert, (extreme) körperliche Fitness sei der Schlüssel zum Erfolg auch auf anderen Gebieten.

Der wahre Kern: Menschen, die gesund leben, sind im Allgemeinen leistungsfähiger.

Sei ganz du selbst! Die Lüge des Authentischseins

Der faule Zauber: ...besagt, dass man „einfach“ nur man selbst sein müsse, und alles werde sich zum Besseren wenden. Das ist im besten Fall nichtssagend, im schlimmsten Fall irreführend. „Wähle dir Rollen, die zu deinen Werten und Eigenschaften passen, und reflektiere regelmäßig, wie du diese Rollen am besten ausfüllen kannst“, wäre ein ehrlicher und angemessener Rat. Nur ist der für das simple Weltbild, das die Tsjakkaa-Propheten verkaufen, vielleicht ein wenig zu komplex.

Der wahre Kern: ...besteht darin, dass Menschen, die im Einklang mit ihren Werten und Bedürfnissen leben, glücklicher und potentiell auch erfolgreicher sind als Menschen, die das Gefühl haben, sich täglich verbiegen zu müssen.

Hab Spaß! Das Lächeln der Loser

Der faule Zauber: „Hab Spaß“ wird zur Erfolgsphilosophie überhöht, nach dem Motto: „Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.“ Das lädt zur Realitätsflucht ein und verhindert einen angemessenen Umgang mit Krisen. Wer die Erwartung schürt, der Job, das Leben (die Beziehung, der Sport etc.) solle immer Spaß machen, braucht vor allem eines - unbeschränkten Zugang zu Glückspillen.

Der wahre Kern: ... ist, dass man Erfolge feiern sollte, um Kraft für die Zukunft zu schöpfen, und dass in einem erfüllten Leben auch Platz für Freude und Genuss ist.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

Grob gesagt lässt sich Arroganz an zwei Merkmalen ablesen: Erstens hält sich der Überhebliche für besser als andere – ob zu Recht oder nicht, spielt keine Rolle. Im beruflichen Kontext geht es um Leistung, er kann aber auch seine Religion für überlegen halten oder seinen Reichtum für unübertroffen.

Daraus resultiert das zweite Merkmal: Von seiner Vortrefflichkeit überzeugt, lässt er andere spüren, wie er die Rangverteilung sieht. Er stellt sich über seine Mitmenschen und grenzt sich bewusst von ihnen ab. Wie Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, der Mitarbeiter duzt, während sie ihn mit „Herr Doktor Winterkorn“ ansprechen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Spiegel

28.08.2015, 09:24 Uhr

Ich mit Pferd, woher hat das Handelsblatt das Bild ?

Frau ke Schludewig

28.08.2015, 11:36 Uhr

Herr Peter Spiegel, wie war die Dienstreise ;) ?

Herr Peter Spiegel

28.08.2015, 16:04 Uhr

Frau ke Schludewig@
Danke der Nachfrage, bei meiner Rückkehr hat Joséphine aus Eifersucht gezickt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×