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23.08.2013

13:27 Uhr

Ernährung

Veganer Handel: Nische mit Potenzial

Vegane Produkte werden immer beliebter. Kein Wunder, dass es inzwischen auch Supermärkte für derlei Produkte gibt. Deutschland hat im internationalen Vergleich aber noch einigen Nachholbedarf, sagen Fachleute.

Ein aus Sojabohnen gemachtes Schnitzel. Der vegane Handel fristet in Deutschland immer noch ein Nischendasein dpa

Ein aus Sojabohnen gemachtes Schnitzel. Der vegane Handel fristet in Deutschland immer noch ein Nischendasein

BerlinSchnitzel aus Soja, Käseersatz ohne Kuhmilch, veganes Hundefutter: Der Handel mit Produkten ohne tierische Inhaltsstoffe fristet in Deutschland zwar immer noch ein Nischendasein. Doch gerade in Großstädten sind spezielle Supermärkte, Restaurants und Kleidergeschäfte keine Seltenheit mehr. Der Umsatz mit derlei Produkten wächst und Branchenexperten sehen darin großes Potenzial – nicht nur für die Spezialanbieter, sondern auch für den konventionellen Handel.

Nach Angaben der Veganen Gesellschaft Deutschland ernähren sich 800.000 Menschen in Deutschland vegan. 2011 lag der Jahresumsatz mit entsprechenden Produkten hierzulande bei rund 194 Millionen Euro, 2012 legte der Wert um mehr als 19 Prozent auf rund 232 Millionen Euro zu, wie aus Zahlen des Vereins hervorgeht. Zum Vergleich: Der Gesamtlebensmittelumsatz liegt dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels zufolge bei weit mehr als 100 Milliarden Euro.

Der Handel mit veganen Produkten ist damit nach wie vor ein Nischenmarkt, Experten sehen aber großes Potenzial: „Denn in veganen Supermärkten werden zumeist Markenprodukte verkauft. Hier könnten die großen Ketten und Discounter eine wichtige Rolle spielen und mit veganen Eigenmarken punkten“, sagt etwa Denise Klug vom Handelsinformationsdienst Planet Retail.

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen

Obst und Gemüse schützt vor Krebs

Wer sich gesund ernährt und mehr Gemüse als Fleisch isst, der tut seinem Körper etwas Gutes. Doch ein konkreter Schutz vor Krebs ist das nicht. Das ergab eine Studie von Hsin-Chia Hung und Walter Willet, Harvard University Boston/"Journal of the National Cancer Institute". Die Probanden, die mehr Obst und Gemüse aßen, hatten jedoch ein geringeres Herzinfarktrisiko.

Dunkle Schokolade macht weniger dick

Das stimmt leider nicht. Egal, wie dunkel die Schokolade ist, sie besteht in erster Linie aus Kakaobutter, Zucker und Kakaomasse. Im Gegensatz zu Milchschokolade enthält dunkle Schokolade keine Milch, folglich auch keinen Milchzucker. Die Kalorienzahl ist aber vergleichbar mit der der Milchschokolade.

Kaffee trocknet den Körper aus

Nein, Kaffee entzieht dem Körper kein Wasser. Koffein wirkt allerdings harntreibend: Wer viel Kaffee trinkt, muss also öfter die Toilette aufsuchen. Das bedeutet aber nicht, dass er dabei mehr Flüssigkeit verliert, als er mit dem Bürokaffee aufgenommen hat.

Pro Tag zwei Liter Wasser trinken

Es ist richtig, dass der Mensch "ausreichend" Flüssigkeit braucht. Er muss aber nicht zwangsläufig zwei Liter in Form von Wasser trinken. Auch Obst, Gemüse und Milchprodukte enthalten Flüssigkeit. Außerdem hängt der Flüssigkeitsbedarf davon ab, wie heiß es ist, wie viel der Mensch wiegt und ob man sich körperlich stark anstrengt. Pauschal eine Menge von zwei Litern zu empfehlen ist wenig sinnvoll. Zu viel Wasser kann dem Körper auch schaden. Wer ein normales Durstgefühl hat, nimmt automatisch genug Flüssigkeit zu sich.

Salat hat viele Vitamine

Das stimmt nicht. Salat hat viel Folsäure, die der Körper braucht, aber Vitamin C etwa findet sich in der doppelten bis achtfachen Menge in Tomaten oder Paprika.

Eier erhöhen den Cholesterinspiegel

Cholesterin ist ein lebensnotwendiger, natürlicher Stoff und kein Schadstoff. Der Körper produziert selbst Cholesterin und stoppt die Produktion, wenn zu viel Cholesterin in Form von Nahrung aufgenommen wird. Nur wer eine Cholesterin-Stoffwechselstörung hat muss auf seine Ernährung achten. Alle anderen können so viele Frühstückseier essen, wie sie wollen.

Salz ist ungesund

Das stimmt nur, wenn Sie zu den so genannten salzsensitiven Menschen zählen. Bei denen kann der häufige Genuss von stark gesalzenen Speisen zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Da die Mehrheit der Menschen aber nicht salzsensitiv isst, müssen sie auch nicht auf Salz verzichten.

Mehrere Mahlzeiten sind besser

Immer wieder hört man, es sei besser fünf kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, als die drei großen Klassiker Frühstück – Mittag – und Abendessen. Im Grunde ist es völlig egal, wann man isst. Wer mit fünf „kleinen“ Mahlzeiten am Tag abnehmen möchte, läuft jedoch schnell Gefahr, zu viele Kalorien aufzunehmen. Wer sich an feste Mahlzeiten hält, behält besser den Überblick über die Gesamtmenge der aufgenommenen Kalorien.

Am Abend essen macht dick

Ob wir zu- oder abnehmen liegt an der Menge der Kalorien, die wir zu uns nehmen und nicht am Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme. Mehrere Studien haben widerlegt, dass Stoffwechselvorgänge am Abend ruhen und daher, wer abends mehr isst, schneller dick wird.

Der Mensch nutzt nur einen Bruchteil des Gehirns

Zwar keine Ernährungsweisheit, aber ein Gesundheitsmythos ist, dass der Mensch gar nicht die volle Leistung des Gehirns ausschöpfe. Einmal heißt es 10 Prozent, ein andermal 25 Prozent. Mehr unserer Hirnkapazitäten nutzen wir nicht? Doch, tatsächlich nutzt der Mensch alle Bereiche seines Gehirns. Untersuchungen haben gezeigt, dass es keine inaktiven Teile gibt. So verführerisch der Gedanke an noch ungenutzte Areale und Möglichkeiten wie Telepathie und Telekinese sein mag, sie bleiben Fantasterei.

Zwar finden Kunden auch derzeit im Supermarkt um die Ecke viele vegane Produkte. Doch dabei handelt es sich meistens um einfache Lebensmittel wie Soja-Milch, Gemüsebuletten oder pflanzliche Aufstriche. Für mehr Auswahl oder spezielleren Bedarf ist in aller Regel der Gang ins Reformhaus, den Bioladen oder – wenn vorhanden – einen veganen Markt notwendig.

In Großstädten haben Kunden, die vegan einkaufen wollen, derzeit die besten Karten. In Berlin startete 2011 etwa der Supermarkt Veganz als nach eigenen Angaben erster veganer Vollsortiment-Supermarkt Europas. In der Hauptstadt gibt es inzwischen 2 Filialen, weitere Standorte haben in Hamburg und Frankfurt eröffnet. In diesem Jahr sollen noch Leipzig, München, Wien und Prag folgen. Bis Ende 2015 sollen es dann europaweit 21 Filialen sein. Neben den Alternativen zu tierischen Lebensmitteln hat das Unternehmen auch Waren des täglichen Bedarfs wie Putzmittel, Hygieneartikel und Tiernahrung ohne tierische Inhaltsstoffe im Angebot.

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