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20.06.2017

16:51 Uhr

EU-Produkte in Großbritannien

Kommt nach dem Brexit der Auto-Boykott?

Zölle, Steuern, Feindseligkeit: Für EU-Unternehmen könnte es in Großbritannien ungemütlich werden. Einige Politiker fordern um Zuge des Brexit einen Boykott ihrer Produkte. Noch geben sich deutsche Firmen gelassen.

Rund 2500 deutsche Unternehmen sind auf der Insel tätig: bei manchen ist die Stimmung schlecht, andere, wie BMW, arbeiten auf der Insel erstmal in Ruhe weiter. AP

Brexit

Rund 2500 deutsche Unternehmen sind auf der Insel tätig: bei manchen ist die Stimmung schlecht, andere, wie BMW, arbeiten auf der Insel erstmal in Ruhe weiter.

LondonZum Start der Brexit-Verhandlungen heißt es in Großbritannien immer häufiger: Kauft mehr einheimische Produkte! Dieser Aufruf ist nicht nur in britischen Onlineforen zu lesen, sondern kommt auch von höherer Stelle. Erst kürzlich schrieb der konservative Parlamentsabgeordnete John Redwood: „Ihr braucht keine deutschen oder französischen Autos zu kaufen. Es gibt eine große Auswahl an Modellen, Preisklassen und Ausstattungen von zahlreichen britischen Autoproduzenten.“ Auch bei Lebensmitteln sieht Redwood keinen Grund für Importe: „Es gibt jede Menge großartigen englischen Käse. Ihr braucht also keinen französischen zu kaufen.“

Redwood stößt mit seinem Ansinnen auf gemischte Reaktionen. In Teilen der britischen Gesellschaft verbreiten sich antieuropäische Ressentiments – angetrieben vom Willen, dass die Insel es denen in Brüssel, Berlin und Paris schon zeigen werde. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge wollen 23 Prozent der Verbraucher aufgrund der geplanten Scheidung von der Europäischen Union vermehrt einheimische Produkte kaufen. Bereits jetzt bevorzugen drei Viertel der Briten Waren aus dem eigenen Land, sofern diese zu einem konkurrenzfähigen Preis angeboten werden.

Start der Brexit-Verhandlungen: Der steinige Weg aus der EU

Start der Brexit-Verhandlungen

Der steinige Weg aus der EU

Mehr als ein Jahr nach dem Brexit-Referendum haben die Verhandlungen über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU begonnen. Die erste Runde hat erwartungsgemäß gezeigt, dass die Gespräche extrem schwierig werden.

Am Montag haben die komplizierten Brexit-Verhandlungen zwischen London und Brüssel begonnen. Kate Fillery von YouGov berichtete, es gebe seit dem Referendum vor einem Jahr Diskussionen, die britische Wirtschaft zu stärken. „Die Untersuchungen zeigen, dass diese Botschaft bei vielen Konsumenten ankommt“, sagte Fillery. „Aber mit einem Anstieg der Inflationsrate und zunehmend unsicheren Familieneinkommen könnte es trotz der Bestrebungen, britische Produkte zu kaufen, dazu kommen, dass die Verbraucher sich von einheimisch produzierten Lebensmitteln abwenden, sollten die Preise steigen.“

Im Jahr 2016 machten Exporte nach Großbritannien sieben Prozent des deutschen Gesamtexports aus. Knapp 750.000 Jobs in Deutschland sollen laut Schätzungen vom Export abhängig sein; 2500 deutsche Unternehmen sind auf der Insel tätig, einige der größten sind Autobauer wie Mercedes oder BMW.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

Letzterer macht rund zehn Prozent seines weltweiten Absatzes in Großbritannien. Und in den zehn Monaten seit dem Referendum sind die Verkaufszahlen von BMW- und Mini-Modellen auf der Insel sogar um sieben Prozent gestiegen, wie Sprecherin Emma Begley mitteilte. „Wir führen unsere Geschäfte an all unseren Standorten in Großbritannien unverändert weiter. Es ist zu früh, um abschätzen zu können, was die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU für unser Geschäft bedeuten“, sagte Begley.

Kommentare (2)

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Herr Paul Kersey

20.06.2017, 17:13 Uhr

Zahlreiche britische Automobilproduzenten!
Lustich!!!

Herr Tomas Maidan

20.06.2017, 19:30 Uhr

Immerhin fantasieren die Briten noch von der Neuanschaffung von Autos. Das ist doch schon mal etwas! Bald könnte auch die Monatskarte für den Bus die Alternative für England sein.

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