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29.07.2015

12:46 Uhr

EU prüft Disneyland-Preise

Diskriminiert Micky Maus deutsche Besucher?

VonThomas Ludwig

Was der Eintritt in den „Happiest Place on Earth“ kostet, hängt offenbar von der Nationalität der Besucher ab. Franzosen zahlen im Disneyland deutlich weniger als Deutsche. Jetzt prüft die EU-Kommission den Fall.

Besucher zahlen offenbar je nach Nationalität unterschiedliche Preise. AFP

Diskriminierung im Disneyland?

Besucher zahlen offenbar je nach Nationalität unterschiedliche Preise.

BrüsselEs klingt wie ein Versprechen: „Jetzt Wunschtermin sichern und sparen“: Mit diesem Slogan auf seiner Website lockt Disneyland Paris Besucher aus Deutschland ihren Vergnügungspark. Doch offenbar gibt es bei der Preisgestaltung für Bundesbürger jede Menge Sparpotenzial. Denn bislang zahlen Deutsche bisweilen mehr als ihre Nachbarn jenseits des Rheins. Das hat nun die EU-Kommission auf den Plan gerufen. „Wir prüfen eine Reihe von Verbraucherbeschwerden, davon viele gegen Disneyland Paris“, bestätigte eine Sprecherin von Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienkowska. Demnach stehe der Verdacht im Raum, dass Disneyland Paris auf Grundlage der Nationalität oder des Wohnorts unterschiedliche Preise berechne und damit gegen EU-Recht verstoße.

Die „Financial Times“ hatte berichtet, Disneyland Paris verlange von deutschen und britischen Besuchern überzogene Preise. So müssten Franzosen für ein Premium-Paket von Europas größtem Freizeitpark lediglich 1.346 Euro berappen während Briten 1.870 Euro und Deutsche sogar 2.447 Euro auf den Tisch legen müssten. Kunden hatten sich demnach darüber beschwert, dass ihnen der Zugang zu günstigeren Angeboten verweigert wird. Das liege an besonderen Zahlungs- und Liefermodalitäten, die nur von Franzosen und Belgiern genutzt werden können.

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Zudem profitieren Franzosen offenbar auch von anderen Vorteilen wie etwa Jahrestickets oder Familienrabatten. Für ein vergleichbares Tagesticket zahlen Franzosen auf der französischen Website 47 Euro, auf der deutschen Website ist es mit 84 Euro deutlich teurer.

Grundsätzlich ist eine differenzierte Preisgestaltung nicht illegal. Artikel 20 der Binnenmarktrichtlinie schreibt jedoch größtmögliche Transparenz vor; zudem muss gewährleistet sein, das Verbraucher aus verschiedenen Ländern auch Zugang zu günstigeren Angeboten auf den Märkten anderer Ländern haben. Dass dem im Fall Disneyland so ist, daran haben auch Europaabgeordnete Zweifel. „Dies ist ein konkretes Beispiel für Diskriminierung unter Verstoß gegen EU-Vorschriften und strafbar“, sagte der belgische Sozialdemokrat Marc Tarabella und appellierte an die Kommission, das Funktionieren des Binnenmarktes zu garantieren.

Die EU-Kommission hat die Regierung in Paris nun aufgefordert, die Angelegenheit zu prüfen und gegebenenfalls Abhilfe zu schaffen. Werden potenzielle Benachteiligungen von Verbrauchern aus anderen Ländern nicht abgestellt, droht Frankreich ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof.

Disneyland Paris hingegen verteidigte seine Preispolitik als ausgewogen. Über das Jahr verteilt und unter Berücksichtigung der Schulferien sei man darum bemüht, Gäste aus verschiedenen Märkten mit Hilfe spezieller Angebote zu gewinnen - das schließe auch Nachlässe mit ein. Sähen Verbraucher Angebote, die es am lokalen Markt nicht gebe, könnten diese sich jedoch an die zentrale Reservierungsstelle wenden.

Seit der Luxemburger Jean-Claude Juncker im November EU-Kommissionspräsident wurde, führt die Kommission eine Offensive gegen nationale Handelsbarrieren, die zu Lasten der Verbraucher im gemeinsamen Markt gehen. Auch US-amerikanische Konzerne wie Amazon, Google und Apple haben das bereits zu spüren bekommen.

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