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11.09.2012

08:03 Uhr

Evonik-Chef Klaus Engel

Industrie-Bosse wettern immer stärker gegen Banken

VonTobias Döring

Die Liste der offenen Banken-Kritiker unter den Top-Managern wird länger. Evonik-Chef Klaus Engel nimmt sich die Branche zur Brust und fordert eine Aufspaltung von Großbanken - so deutlich wie kaum jemand zuvor.

Evonik-Vorstandschef Klaus Engel. dpa

Evonik-Vorstandschef Klaus Engel.

EssenFranz Fehrenbach, Ex-Chef des Autozulieferers Bosch, wetterte während seiner aktiven Zeit gegen Goldman Sachs, jüngst ließ Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle kaum ein gutes Haar am Bankwesen. Am Montagabend legte der Chef des Chemiekonzerns Evonik bei einer Veranstaltung in Essen nach und zog über die Finanzbranche vom Leder.

Klaus Engel fordert, die Großbanken zu zerschlagen. „Die Politik muss die Großbanken in kleine Teile, in Einzelteilen organisieren, deren mögliches Scheitern gefahrlos für die Volkswirtschaften wäre“, sagte er auf einer Veranstaltung des „Politischen Forums Ruhr“ in Essen. Engel ergänzte, dass ein „zu groß zum Scheitern“ auch für Banken nicht gelten dürfe. „Größe allein darf kein Freifahrtschein für einen unbekümmernden, rücksichtslosen Egoismus sein“, so Engel, der auch Präsident des Verbandes der chemischen Industrie (VCI) ist. Es könne nicht sein, dass ein ganz grundlegender Wirtschaftssektor spekulative Gewinne privatisiere, „aber gigantische Spekulationsverluste auf Kosten der Gesellschaft sozialisiert“, sagte der Chemiemanager.

Die Kritik an den Banken wächst – auch in den Chefetagen. Vor wenigen Wochen hatte auch der Vorstandsvorsitzende des Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, eine Zerschlagung der Finanzinstitute gefordert. „Wir sehen derzeit eine unheilvolle Allianz zwischen Staat und Banken“, sagte von Bomhard. „Ich würde alles so klein machen, dass nichts mehr too big to fail ist.“

Auch der Co-Chef des Softwareherstellers SAP, Jim Hagemann Snabe, sagte: „Eine Trennung der Bankgeschäfte kann sinnvoll sein. Banken müssen einen echten Mehrwert liefern.“ Und Linde-Chef Reitzle hatte festgestellt, dass die Finanzwirtschaft sich weitgehend von der Realwirtschaft abgekoppelt und ihre eigene Parallelwelt geschaffen habe, in der virtuelle Werte entstanden seien. „Mit der Libor-Affäre ist vielleicht der letzte Rest Vertrauen verloren gegangen. Was soll man denn noch glauben, wenn der wahrscheinlich wichtigste Zins der Welt manipuliert wurde?“

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Auch Engel nahm Bezug auf den Manipulationsskandal um den Referenzzinssatz Libor. Der wichtigste Zinssatz sei zum Manipulationsobjekt geworden, sagte der Evonik-Chef. Das zeige, dass die Risiken und Kollateralschäden des Investmentbankings stetig gewachsen seien. In den USA sei bis in die 1990er-Jahre das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden vom Investmentbanking gesetzlich getrennt gewesen. „Mir ist nicht bekannt, dass amerikanische Banken international unter diesem Gesetz gelitten hätten“, sagte Engel.

Der VCI-Präsident betonte in seiner Rede den Wert der sozialen Marktwirtschaft. Nur diese Wirtschaftsordnung weise das grenzenlose Casino zum Wohl des Ganzen in die Schranken, so Engel. Die Existenzkrise der Banken sei selbstverschuldet und einer unverhältnismäßigen Profiterwartung geschuldet. „Die extreme Bereicherung von wenigen, während viele ihre Spargroschen fürs Alter schwinden sehen, legt die Lunte an den sozialen Frieden“, warnte der Evonik-Chef, der auch die Rolle der Ratingagenturen scharf kritisierte.

Kommentare (20)

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Schwaetzer

11.09.2012, 08:26 Uhr

Aber nicht doch!!

Hat nicht Merkel ganz kurz nach der Finanzkrise ganz, ganz
deutlich gesagt, dass die Banken kleiner werden müssen,
damit sie nicht mehr "systemrelevant" sein werden und den
Banken jedes Handeln mit Derivaten, das Zocken verboten werden muß??

Und was ist daraus geworden?
Nichts, wie so ziemlich alles, was Merkel so mit ihrer
weinerlichsten Stimme von sich gibt!

Ist doch nur Spiegelfechterei, damit man am Ende sagen
kann: "Ich hab's ja schon immer so gesagt".

DieWahrheitkommtansLicht

11.09.2012, 08:40 Uhr

[+++Beitrag wurde von der Redaktion gelöscht+++]



donolli

11.09.2012, 08:47 Uhr

Ich finde es schon gelinde gesagt sehr merkwürdig, wie die dt. Industrie argumentiert, besonders die Grosskonzern. In den Zeiten vor der Krise waren Sie nicht bereit den dt. Banken für zur Verfügungstellung von Kreditlinien auch nur etwas zu bezahlen und wanderten zu den angelsächsischen Banken ab, die Ihnen "tolle Investmentbankging Produkte" verkauften und als "add-on" kostenlos Kreditlinien gaben, die mit der Krise direkt wieder gestrichen wurden. Sie zwangen mit dem Habitus dt. Banken ebenfalls Investmentbanking-Produkte anzubieten und trieben sie in risikoreiches Geschäft.
Sie verabschiedeten sich selbst vom Relationship-Banking in das Transaktion-Banking und reklamieren jetzt reine Profit-Orientierung??? Es gilt überall das Prinzip leben und leben lassen. Man sieht ja jetzt was fast ausschliesslich angelsächsische Banken für Manipulationen betrieben haben und die dt. Banken eben teilweise mit gesegelt sind und meist unwissend. Die Schuldigen sind aber auch die Unternehmen ebenso, die mit ihrem Verhalten dieser Entwicklung Vorschub geleistet haben!

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