Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2010

18:19 Uhr

Ex-Alpe-Adria-Chef Tilo Berlin

Der Husarenreiter vom blauen Wörthersee

VonAxel Höpner, Stefan Menzel, Oliver Stock

Der Verkauf der Hypo Alpe Adria an die BayernLB war sein Husarenstück, zu seiner Rolle bei dem Deal schweigt Tilo Berlin allerdings. Das Debakel zieht Kreise – und auch der Ex-Chef der Kärntner Landesbank muss sich gegen Vorwürfe wehren.

Ex-Alpe-Adria-Chef Tilo Berlin bleibt äußerlich gelassen. Quelle: ap

Ex-Alpe-Adria-Chef Tilo Berlin bleibt äußerlich gelassen.

MÜNCHEN/WIEN/FRANKFURT. Die Autobahn von Klagenfurt nach München ist an diesem Spätwintertag des Jahres 2007 an einigen Stellen schneeglatt. Tilo Berlin steuert die Limousine vorsichtig. Als dann ein Anruf von Werner Schmidt kommt, fährt er rechts ran. Der Chef der BayernLB springt fast durchs Telefon. Was sich Berlin, damals Miteigentümer der Hypo Alpe Adria Bank in Kärnten, denn bei dieser unverschämten Kaufpreisvorstellung gedacht habe, will Schmidt wissen. Er ist immer noch übel gelaunt, weil ihm Wochen zuvor sein erster Versuch misslungen ist, in Österreich Fuß zu fassen. Damals wollte er die Gewerkschaftsbank Bawag kaufen, hatte den Champagner schon kalt gestellt, ging dann aber aus dem Bieterwettstreit mit dem US-Finanzinvestor Cerberus nur als zweiter Sieger hervor. Jetzt muss es also klappen.

Wenn der gebürtige Hannoveraner Tilo Berlin heute Details von seinem Husarenstück berichtet, gerät er immer noch schnell ins Anekdotische. Ins Land des Lächelns sozusagen. Das laute Lachen ist ihm allerdings vergangen. Er bleibe „gelassen“, lautet der offizielle Sprachgebrauch, wenn er wie am Montag um eine Stellungnahme zu seiner Rolle beim Verkauf der Hypo Alpe Adria an die BayernLB gefragt wird. „Sämtliche Vorgänge, an denen Herr Dr. Berlin beteiligt war, waren korrekt und im Einklang mit allen Gesetzen“, lautet der bündige Satz aus seinem Büro in Klagenfurt, wo sich der Hobbybiobauer inzwischen auf seine Wurzeln besonnen hat und neben der Rinderzucht eine Vermögensverwaltung für die Reichen vom Wörthersee betreibt. Einige dieser Familien – wie etwa die Piëchs aus Österreich – gehören selbst zu den Anteilseignern an der Vermögensverwaltung Berlin & Co. Und sie mögen es nicht, wenn ihr Bankier zu sehr im Rampenlicht steht. Ein bisschen ungemütlich dürfte eine Stimmungslage sein, die Berlin in diesen Tagen nicht unbekannt ist.

An jenem Spätwintertag 2007 ist der Kaufpreis den Bayern also zu hoch. Berlin fährt damals trotzdem weiter und einigt sich einige Wochen später mit Schmidt auf den Deal. Die österreichische Bank wechselt für 1,5 Mrd. Euro den Besitzer und wird mehrheitlich deutsch. Berlin wird ihr Chef. Die Gruppe von Investoren, die hinter Berlin stehen, ist begeistert. Jetzt zahlt sich ihre Investition aus. Das Husarenstück war vollbracht.

Im Sommer darauf steht der Mann mit der lockigen Haarpracht vor einem Untersuchungsausschuss des Klagenfurter Landtags und muss sich rechtfertigen: Zu billig, so der Vorwurf, sei die Kärntner Landesbank an die Bayern verscherbelt worden. Berlin weist darauf hin, dass mehr nicht drin gewesen sei. Heute, anderthalb Jahre später, kann es sein, dass derselbe Tilo Berlin einem Untersuchungsausschuss in München Rede und Antwort stehen soll. Der Vorwurf diesmal: Zu teuer soll er die Kärntner Bank an seinen alten Bekannten Schmidt verkauft haben. 3,7 Mrd. Euro hat der Steuerzahler letztlich verloren. Dass Berlin trotzdem äußerlich „gelassen“ bleibt, dürfte eine Zustandsbeschreibung sein, die vor diesem Hintergrund verständlich ist.

Ein angeblicher Haftbefehl in Österreich gegen ihn entpuppte sich am Montag übrigens als Falschmeldung. Und auch die Anzeige, die die SPD in München gegen alle an dem Deal Beteiligten gestellt hat, beunruhigt ihn nicht. Im Gegenteil: Sie wird dazu führen, dass Berlin im Untersuchungsausschuss mit Verweis auf dieses schwebende Verfahren sehr einsilbig auftreten wird.

Vita

1958 wird Tilo Berlin in Hannover geboren.

1994 wechselt er nach dem Jura-Studium und ersten Berufsjahren bei der Deutschen Bank unter dem damaligen Vorstandssprecher Alfred Herrhausen nach Stuttgart zur Landesgirokasse. Die Fusion zur Landesbank Baden-Württemberg betreut er als Manager mit.

1999 macht er sich als Vermögensberater selbstständig.

2007 wird er Vorstandschef der Hypo Group Alpe Adria, die kurz danach an die BayernLB verkauft wird.

2010: Bayern prüft Schadensersatzforderungen gegen frühere Manager.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Lieber3103

05.01.2010, 09:01 Uhr

Wie sagt man so schön im Volksmund?

Da stecken einige "unter einer Decke" und hecken etwas aus.

Die Farbe der Decke ist schwarz (für die CSU) und braun (für die rechte Volkspartei in Kärnten) und die Manager der bayernLb Schmidt u. berliner stecken da mächtig mit im Schlamassel.

Jetzt heisst es für die Staatsanwaltschaft beweise für "unsaubere Geschäfte" finden und anklagen. Die Politik in bayern und Kärnten muss endlich aus dem Finanzdesaster für beide bundesländer die Konsequenzen ziehen. Unabhängig von den "wohlklingenden Namen" vorderer Parteigrößen. Ansonsten gibt es eine politische Erosion in bayern - der mündige Wähler lässt sich diese Seifenoper nicht mehr lange gefallen. Er wünscht sich eine andere Theatertruppe!

Michael Risse

05.01.2010, 10:26 Uhr

Hypo Alpe Adria:
Die bevölkerung soll gefälligst die Klappe halten.
Und mehr Respekt vor den Oberen und deren Leistungen,wenn ich bitten darf.

Kontra2010

05.01.2010, 15:03 Uhr

Respekt vor den Oberen und deren Leistung?

Was für eine maßlose Arroganz und Respektlosigkeit.
Wenn man die vergangenen eineinhalb Jahre betrachtet und die verheerenden Folgen die daraus resultierten, dann kann man nur eines sagen:
Das war eine Glanzleistung die nicht zu überbieten ist. Das traurige ist nur, das allen Verantwortlichen nicht wirklich ans Schienbein getreten wird. im Gegenteil, als Abfindung schiebt man den Versagern noch einen Koffer voll Geld hinten rein. Es bleibt wirklich zu hoffen das dieser Zockermentalität endlich ein Riegel vorgeschoben wird und solchen Leuten ein für allemal das Handwerk gelegt wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×