Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2014

17:15 Uhr

Ex-Arcandor-Chef

Haftbefehl gegen Middelhoff beantragt

Thomas Middelhoff bekommt noch mehr Ärger: Eine Gerichtsvollzieherin hat offenbar einen Haftbefehl gegen den früheren Arcandor-Chef beantragt – im Namen der Insolvenzverwalter seines ehemaligen Unternehmens.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff muss nun auch noch einen möglichen Haftbefehl fürchten. dpa

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff muss nun auch noch einen möglichen Haftbefehl fürchten.

DüsseldorfNeuer Wirbel um Thomas Middelhoff: Eine Gerichtsvollzieherin hat nach Informationen des „Spiegel“ und des WDR einen Haftbefehl gegen Middelhoff beantragt. So soll der frühere Arcandor-Chef im Zusammenhang mit Zahlungsforderungen des Arcandor-Insolvenzverwalters zu einer Vermögensauskunft gezwungen werden. Schon am Donnerstag berichtete das „Handelsblatt“ über einen Besuch des Gerichtsvollziehers bei dem Untreue-Prozess in Essen.

Der Sprecher des Essener Amtsgerichts lehnte am Freitag jede Stellungnahme zu einem möglichen Haftbefehl oder einen Antrag darauf ab. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihm sei von dem Antrag auf einen Haftbefehl nichts bekannt. Ein solcher Schritt wäre aus seiner Sicht auch „eklatant unbegründet“.

Die Insolvenzverwalter von Arcandor haben eine Forderung in Höhe von 3,4 Millionen Euro gegen Middelhoff, die sie nun offenbar gerichtlich einfordern.

Zusätzlich fordert der Unternehmensberater Roland Berger knapp 6,8 Millionen Euro von Middelhoff. Dieses Geld hatte ihm Berger für ein Investment geliehen. Nun will er es zurück. Zu diesem Zweck war bereits am Mittwoch ein Gerichtsvollzieher im Essener Landgericht erschienen und hatte Middelhoff in einer Pause Post überreicht – einen Offenbarungseid.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Nach Informationen des „Spiegel“ hatte der 61-Jährige einen Termin am Mittwochmorgen verpasst, deswegen war der Gerichtsvollzieher überhaupt am Rande des Prozesses erschienen. Der Grund: eine Taschenpfändung: Doch weil Middelhoff weniger als 100 Euro im Portemonnaie gehabt habe, habe der Gerichtsvollzieher nichts pfänden können, heißt es in der Meldung. Auf Handy und Uhr soll Berger verzichtet haben.

Gegen den früheren Arcandor-Chef Middelhoff laufen diverse Prozesse. Am Essener Landgericht wird derzeit darüber verhandelt, ob er private Flüge im Rahmen von 1,1 Millionen Euro auf Firmenkosten abgerechnet hat. Middelhoff bestreitet den Vorwurf.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×