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29.04.2015

17:36 Uhr

Ex-Arcandor-Chef

Middelhoff ist wieder auf freiem Fuß

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die vom Essener Landgericht geforderte Kaution von 895.000 Euro wurde hinterlegt. Unklar bleibt, von wem das Geld stammt.

Der frühere Spitzenmanager, hier im vergangenen Oktober, wurde am Mittwoch aus der Untersuchungshaft entlassen. dpa

Thomas Middelhoff

Der frühere Spitzenmanager, hier im vergangenen Oktober, wurde am Mittwoch aus der Untersuchungshaft entlassen.

EssenDer frühere Topmanager Thomas Middelhoff ist nach mehr als fünf Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Wie das Essener Landgericht am Mittwoch mitteilte, hatten die Verteidiger des Managers zuvor die Kaution in Höhe von 895 000 Euro auf ein Konto der Gerichtskasse überwiesen. Das Gericht machte keine Angaben dazu, wer die Kaution gestellt hat. Das Geld sei in einer Summe überwiesen worden, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Auch die übrigen Auflagen wie die Abgabe der Reisepässe seien erfüllt worden.

Zum derzeitigen Aufenthaltsort des Managers wollte das Gericht keine Stellung nehmen. Die Verteidiger des 61-Jährigen waren zunächst nicht zu erreichen.

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Middelhoff war im November 2014 unter anderem wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt und wegen Fluchtgefahr noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Richterspruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Middelhoff bestreitet die Vorwürfe.

Nachdem das Essener Gericht den Haftbefehl gegen den Manager bereits vor mehr als einer Woche unter Auflagen außer Vollzug gesetzt hatte, hatte sich die Haftentlassung des Managers verzögert, weil das Gericht zunächst nicht den Eingang der festgesetzten Kaution bestätigen konnte. Zuletzt hatte Middelhoff-Anwalt Hartmut Fromm auf die noch ausstehende Klärung von Formalien hingewiesen.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Die Kaution könne auch durch Verwandte, Freunde oder sonstige Dritte geleistet werden, hatte das Gericht damals mitgeteilt. Middelhoff selbst hatte Ende März einen Antrag auf Privatinsolvenz gestellt.

Der frühere Chef des Handelskonzerns Arcandor leidet an einer Autoimmun-Erkrankung, die nach Darstellung seiner Anwälte in der Haft aufgetreten ist und zunächst nur unzulänglich behandelt worden sei. Das Essener Gericht hatte eine mögliche Haftunfähigkeit wegen seiner Erkrankung nach einer Prüfung jedoch verneint.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr B. Kimbel

29.04.2015, 19:44 Uhr

Im Mafialand Italien wäre so etwas nicht möglich. Schon bei einer Summe von 1000€ besteht Nachweispflicht, woher das Geld stammt.

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