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31.05.2017

11:32 Uhr

Ex-Arcandor-Chef

Middelhoff nimmt Antrag auf Haftverkürzung zurück

Seit 2014 verbüßt Thomas Middelhoff seine Gefängnisstrafe. Der Ex-Arcandor-Chef zog nun einen Antrag auf Haftverkürzung zurück. In einem neuen Verfahren muss er sich wegen dubioser Bonuszahlungen erneut verantworten.

Der frühere Arcandor-Vorstandsvorsitzende verzichtet auf eine öffentliche Diskussion über den Haftverkürzungsantrag. dpa

Thomas Middelhoff (M.)

Der frühere Arcandor-Vorstandsvorsitzende verzichtet auf eine öffentliche Diskussion über den Haftverkürzungsantrag.

Bielefeld/EssenEx-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat seinen Antrag auf Haftverkürzung für seine Strafe aus dem Jahr 2014 wie angekündigt zurückgezogen. Das teilte das Landgericht Bielefeld am Mittwoch mit. Middelhoff war damals vom Landgericht Essen unter anderem wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden und verbüßt die Strafe als Freigänger in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Bethel.

Seit Mitte Mai muss er sich mit sechs Aufsichtsratsmitgliedern in einem weiteren Verfahren vor dem Essener Landgericht verantworten. Dabei geht es um Bonuszahlungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro, die der Aufsichtsrat für Middelhoff und einen weiteren Manager bewilligte – obwohl es laut Anklage keinen Anspruch der Manager auf das Geld gab und der Konzern auch keine Vorteile durch die Zahlung zu erwarten hatte, da beide auf dem Absprung waren.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Man wolle die Hauptverhandlung in diesem Verfahren nicht mit einer öffentlichen Diskussion über den Haftverkürzungsantrag belasten, hatte Middelhoff-Anwältin Anne Wehnert vor kurzem in der „Bild am Sonntag“ die Rücknahme des Antrages begründet. Die Staatsanwaltschaft wirft Middelhoff wegen seiner Mitwirkung an der Entscheidungsfindung Anstiftung zur Untreue vor. Er selbst hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Von

dpa

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