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21.07.2014

15:05 Uhr

Ex-Arcandor-Chef

Middelhoff wirft Fondsmanager Esch Betrug vor

VonLisa Hegemann

Ein Bericht legt nahe, dass Thomas Middelhoff finanziell noch schlechter dasteht als angenommen. Nun schlägt der Ex-Arcandor-Chef via Anwalt zurück – und wirft seinem ehemaligen Weggefährten Josef Esch Betrug vor.

Ex-Arcandor-Chef

Der tiefe Fall des Thomas Middelhoff

Ex-Arcandor-Chef: Der tiefe Fall des Thomas Middelhoff

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DüsseldorfFür Thomas Middelhoff wird es offenbar eng. Der frühere Arcandor-Chef soll in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ beantragte ein weiterer Gläubiger die Taschenpfändung beim ehemaligen Top-Manager. Demnach soll der Fondsentwickler Josef Esch rund 2,5 Millionen Euro von Thomas Middelhoff verlangen. Der Ex-Manager kann offenbar zudem einen Kredit von rund drei Millionen Euro nicht mehr bedienen. Das würde bedeuten, dass es um die finanzielle Lage Middelhoffs inzwischen sehr schlecht steht. Sein Anwalt dementierte dies auf Nachfrage von Handelsblatt Online.

In dem Bericht heißt es, Middelhoff schulde Esch Geld für die Nutzung einer Jacht an der Cote d'Azur. Trotz eines Vergleichs habe Esch aber bis heute kein Geld gesehen. Mit einer Taschenpfändung will er nun zumindest Teile des Betrages zurückbekommen. Bei einer solchen Pfändung können dem Schuldner alle Wertgegenstände abgenommen, die er mit sich trägt.

Esch ist nicht der einzige Gläubiger des früheren Top-Managers. Auch die Sparkasse Köln/Bonn soll ausstehende Forderungen in Höhe von rund drei Millionen Euro gegenüber Middelhoff haben. Laut „Spiegel“ könnten nun rund 40 deutsche Millionäre – unter ihnen Größen wie Claudia Oetker und Wilhelm von Fink – für den Betrag gerade stehen müssen. Sie alle sind an einem Fonds von Josef Esch beteiligt, der durch Kredite finanziert wurde.

In einem Brief von Josef Esch an die Mitgesellschafter, aus dem der „Spiegel“ zitiert, heißt es, dass sich „unsere Mitgesellschafter Cornelie und Dr. Thomas Middelhoff in ernsten finanziellen Schwierigkeiten befinden“. Die Sparkasse Köln/Bonn könne angesichts der Höhe der ausstehenden Beträge die Zwangsverwaltung der Immobilien oder die Zwangsversteigerung beantragen. Abzuwenden sei dies nur, wenn die Gesellschaft die Rückstände der Middelhoffs ausgleiche – also die Millionäre für die Schulden des Managers aufkommen.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Der Anwalt von Thomas Middelhoff, Winfried Holtermüller, dementierte die Vorwürfe gegenüber Handelsblatt Online. Er begründete Middelhoffs Zahlungsstopp damit, dass Fonds-Geschäftsführer Esch „keine gesamtschuldnerische Haftung“ herbeiführen dürfe. An diese Vorgaben habe er sich aber nicht gehalten. Da es sich um einen Betrugsfall handele, sei der Fonds als Kapitalanlage unwirksam. Dementsprechend müsse Middelhoff die Kredite nicht mehr bedienen.

Holtermüller geht davon aus, dass Middelhoff einen „Domino-Effekt“ auslösen werde und weitere Kreditgeber seinem Beispiel folgen würden. Am Ende würde die Sparkasse dann auf dem Geld sitzen bleiben.

Auch Middelhoffs Zahlungsschwierigkeiten sind demnach nur vorübergehend. Das Bankhaus Sal. Oppenheim habe das Pfandrecht auf sämtliche Gelder des Ehepaars Middelhoff angewandt – insgesamt etwa 20 Millionen Euro. Dieses Geld klage man nun derzeit frei. Holtermüller geht davon aus, dass Middelhoff sein Geld zurückbekommt.

Esch und die Sparkasse Köln/Bonn müssen sich aber möglicherweise hinten anstellen. Auch der Unternehmensberater Roland Berger, der Arcandor-Insolvenzverwalter und die Privatbank Sal. Oppenheim fordern Millionen-Beträge von dem früheren Karstadt-Chef.

Kommentare (7)

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Frau Helga Trauen

21.07.2014, 12:33 Uhr

Mein Beileid den Millionären, die Middelhoff ihre Kohle gegeben haben. Amen! Vielleicht kann der ESM aushelfen. Bei den Pleitebanken klappt das ja auch hervorragend!

Herr Peter Kock

21.07.2014, 12:48 Uhr

Ein Blender eben ....nicht mehr und nicht weniger !

Herr Peter Spiegel

21.07.2014, 13:50 Uhr

Es trifft im die Ärmsten.

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