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18.09.2013

15:48 Uhr

Ex-Arcandor-Chef

Urteil gegen Middelhoff frühestens 2014

Der Middelhoff-Prozess geht in die nächste Runde: Das Oberlandesgericht Hamm will nun einen Sachverständiger einschalten. Das zieht die Verhandlung weiter in die Länge – mit einem Urteil ist frühestens 2014 zu rechnen.

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff im Verhandlungssaal im Oberlandesgericht in Hamm. dpa

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff im Verhandlungssaal im Oberlandesgericht in Hamm.

DüsseldorfDer Prozessmarathon gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff nimmt kein Ende: Das Oberlandesgericht Hamm entschied am Mittwoch, zur Bewertung des umstrittenen Verkaufs eines Karstadt-Warenhauses durch Middelhoff an den Oppenheim-Esch-Fonds den Rat eines Sachverständigen einzuholen. Mit einer abschließenden Entscheidung in dem Zivilverfahren ist damit einem Gerichtssprecher zufolge in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. (AZ:8 U 73/12)

Vor dem Oberlandesgericht geht es um ein Urteil des Landgerichts Essen aus dem Jahr 2012, das Middelhoff und anderen ehemaligen Arcandor-Managern bescheinigt hatte, beim Verkauf des Warenhauses in Wiesbaden im Jahr 2005 Pflichten verletzt zu haben. Die Manager hätten es unterlassen, die Überschreibung des Warenhauses an einen Immobilienfonds zu verhindern, der das Gebäude an Karstadt vermietete – nach Einschätzung des Arcandor-Insolvenzverwalters Hans-Gerd Jauch für eine überhöhte Miete.

Jauch war deshalb vor Gericht gezogen. Der Insolvenzverwalter hatte Middelhoff und zehn weitere Ex-Vorstände und Ex-Aufsichtsräte ursprünglich auf Zahlung von 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt, er sah gleich fünf Warenhausverkäufe als nachteilig für Karstadt an. Das Essener Landgericht erkannte aber nur im Falle des Verkaufs des Wiesbadener Karstadt-Hauses eine „schuldhafte Pflichtverletzung“. Middelhof ging dagegen vor, der Fall landete beim OLG Hamm. Der Manager weist alle Vorwürfe zurück.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Middelhoff hatte nach einem Jahr an der Spitze des Aufsichtsrats die Führung des später in Arcandor umbenannten Handelskonzerns KarstadtQuelle im Jahr 2005 übernommen. Vier Jahre später musste Middelhoff gehen – nach einem Jahresverlust von einer dreiviertel Milliarde Euro. Wenige Monate später stellte Arcandor Insolvenzantrag. Allein bei der Tochter Karstadt zitterten jahrelang rund 25.000 Mitarbeiter um ihre Jobs. Schließlich übernahm Investor Nicolas Berggruen die Warenhaus-Kette. Für die Beschäftigten geht das Zittern indes weiter: Berggruen verkaufte in dieser Woche die Luxus- und Sporthäuser des Konzerns an einen österreichischen Investor, dem bereits zahlreiche Karstadt-Immobilien gehören.

In Folge der Arcandor-Pleite gibt es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. Middelhoff war etwa am 9. September vom Landgericht Essen zu einer Rückzahlung von 3,4 Millionen Euro an Jauch verurteilt worden – dabei ging es um umstrittene Boni, Flüge und Sponsorenverträge. Auch gegen diesen Richterspruch gehen Middelhoffs Anwälte vor. Der umstrittene Manager hatte zuletzt mit lokalen Geschäftspartnern eine Medienholding in Hongkong gegründet.

Von

rtr

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