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01.03.2013

17:23 Uhr

Ex-Bayern-LB-Vorstand

„Reintegrations“-Angebot für inhaftierten Gribkowsky

Gerhard Gribkowsky wurde zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt, das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Dennoch hat der Ex-BayernLB-Vorstand ein Jobangebot vorliegen. Das Unternehmen ist ihm wohl bekannt.

Gerhard Gribkowsky im Juni 2012 vor Gericht. dpa

Gerhard Gribkowsky im Juni 2012 vor Gericht.

MünchenDer inhaftierte ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat nach Informationen des „Münchner Merkur“ und des Wiener „Kurier“ ein Jobangebot aus Österreich erhalten. „Wir haben dem Anwalt von Herrn Dr. Gribkowsky einen Brief geschrieben, in dem wir Herrn Dr. Gribkowsky eine Arbeitsstelle anbieten“, sagte die Sprecherin des österreichischen Baukonzerns Strabag, Diana Neumüller-Klein, dem „Münchner Merkur“ (Wochenendausgabe) zufolge. Gribkowsky hatte vor seiner Verhaftung bis 2010 dem Strabag-Aufsichtsrat angehört.

Der Ex-Manager solle am Standort München eingesetzt werden und eine „beratende Tätigkeit ohne Führungsfunktion und ohne Zeichnungsrecht entsprechend seiner Qualifikation im Finanzwesen“ übernehmen, sagte die Sprecherin. Bislang habe man noch keine Antwort auf das Angebot erhalten. „Wir möchten Herrn Dr. Gribkowsky mit dem Angebot bei der Reintegration in die Gesellschaft unterstützen“, erklärte die Sprecherin.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Es sei für die Entscheidung, ob Gribkowsky in den offenen Vollzug kommen könne, hilfreich, wenn er eine Beschäftigung vorweisen könne. Gribkowsky könne Strabag helfen, da er das Unternehmen als ehemaliger Aufsichtsrat kenne. Dem „Kurier“ (Freitag) zufolge hat Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner dem Aufsichtsrat bereits im Dezember vorgeschlagen, Gribkowsky eine „Arbeitsstelle anzubieten“.

Gribkowskys Münchner Anwalt Daniel Amelung sagte dem „Münchner Merkur“, es sei derzeit „vollkommen verfrüht“, über eine neue Beschäftigung für seinen Mandanten nachzudenken. Derzeit sei das Urteil noch nicht rechtskräftig, sowohl Gribkowsky als auch die Staatsanwaltschaft hätten Revision eingelegt. Auf dpa-Anfrage wollte Amelung den Bericht am Freitag nicht weiter kommentieren. Strabag war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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Gribkowsky war im vergangenen Jahr zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er 44 Millionen Dollar Schmiergeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone beim Verkauf der Rennserie angenommen und das Geld nicht versteuert hatte.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

01.03.2013, 17:45 Uhr

Damit wäre endgültig klar, Rechtsstaat und Demokratie existiert nicht mehr, wenn es überhaupt so etwas gegeben hat.

Horst1974

01.03.2013, 17:48 Uhr

Wieso hat Herr Dr. Gribkowsky eigentlich noch seinen Doktortitel. Ich weiss ja nicht von welcher Uni, aber die Unis, die ich besucht haben, behalten sich einen Titelentzug bei mehr als zwei Jahren Freiheitsstrafe vor. Ist wohl bei diesem Herrn Dr. nicht der Fall? Jedenfalls sind 8 Jahre bei mir mehr als 2 Jahre.

mimikri

01.03.2013, 18:14 Uhr

Naja Verbrecher geht es immer gut und Verbrechen lohnt sich auch, besonders in Deutschland und einigen EU-ländern.

Am besten wir werden alle kriminell, damit wenigstens ein wenig Konkurrenzdruck für den einen oder die andere entsteht.

Ich würde gerne mit Waffenhandel, Drogenhandel und als Bordellkönig mein Geld verdienen, da ist wenigstens noch ein wenig Nostalgie vorhanden.

Solche Möchtegernkriminellen mit Doktortitel würde ich persönlich aus dem Weg schaffen, so wie es sich gehört für einen Unterweltboss mit Rückrat.

Diese Krminalität ist was für Streber und Michbubis!

Es wird Zeit dass die Hells Angels mal den kriminellen Saustall ausmisten, denn der Pseudo-Rechtsstaat, bzw. Justiz, Polizei, Politik stecken entweder mit drin, oder wenn es ein paar ehrliche gibt, werden die Mundtot gemacht.

So läuft der Kapitalismus in Deustchland und Europa.

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