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02.05.2013

14:15 Uhr

Ex-HSH-Chef

Dirk Jens Nonnenmacher kommt vor Gericht

Das Hamburger Landgericht lässt eine Anklage gegen sechs ehemalige HSH-Vorstände zu – auch gegen den Ex-Chef der Bank. Der Vorwurf: Untreue. Die Landesbank prüft bereits ihre Schadensersatzansprüche.

Dirk Nonnenmacher: Das Hamburger Landgericht hat Anklage gegen den Ex-HSH-Chef erlassen. Reuters

Dirk Nonnenmacher: Das Hamburger Landgericht hat Anklage gegen den Ex-HSH-Chef erlassen.

HamburgDer ehemalige HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher muss sich vor Gericht verantworten. Das Hamburger Landgericht ließ die Anklage gegen ihn und fünf weitere ehemalige Vorstände der Krisenbank HSH Nordbank nach mehr als einem Jahr Prüfung zu. „Die Kammer erachtet die sechs Angeklagten einer gemeinschaftlich begangenen Untreue für hinreichend verdächtig“, sagte eine Gerichtssprecherin am Donnerstag.

Zwei Angeklagten – Nonnenmacher und dem früheren Kapitalmarktvorstand Jochen Friedrich – wird zudem Bilanzfälschung vorgeworfen. Sie werden beschuldigt, im Zwischenbericht der Bank für das erste Quartal 2008 fälschlich einen Überschuss von 81 Millionen Euro ausgewiesen zu haben, während die Bank tatsächlich 31 Millionen Euro Verlust gemacht habe.

Klagen ausgewählter deutscher Banken wegen US-Hypothekenpapieren

Klagen der BayernLB

JP Morgan 21.11.2011 – keine Schadenshöhe genannt (o.A.)
Morgan Stanley 25.01.2012 – o.A.
Deutsche Bank 18.04.2012 – o.A.
Merrill Lynch 02.05.2012 – o.A. (Klage am 02.10.2012 zurück genommen)
Bank of America 21.05.2012 – o.A.
Barclays 03.08.2012 – 274 Millionen Dollar gefordert
Goldman Sachs 05.09.2012 – o.A.

Klagen der DZ Bank

Ally Financial 13.12.2011 (Klage am 25.07.2012 zurück genommen) – 49 Millionen Dollar Forderung
JP Morgan 30.01.2012 – 85 Millionen Dollar
HSBC 31.01.2012 – 122 Millionen Dollar
JP Morgan 01.03.2012 – 158 Millionen Dollar
JP Morgan 30.03.2012 – 401 Millionen Dollar
(Zusammenlegung aller drei Klagen gegen JP Morgan am
11.07.2012, danach Zusammenlegung aller drei Klagen gegen
JP Morgan nicht genau bezifferbar)
Barclays 16.05.2012 – 133 Millionen Dollar
UBS 25.07.2012 – 160 Millionen Dollar
Goldman Sachs 07.09.2012 – 189 Millionen Dollar
Morgan Stanley 21.11.2012 – 694 Millionen Dollar

Klagen von EAA/Phoenix

Bislang haben die Gesellschaften, die giftige Wertpapiere aus den Beständen der ehemaligen WestLB-Bestände verwalten, vier Klagen gegen US-Banken eingereicht – unter anderem gegen den US-Sitz der Deutschen Bank, eine Gruppe von US-Banken und die Bank of America inklusive deren Tochter Countrywide.

Klagen der HSH Nordbank

JP Morgan 31.08.2011 – 42 Millionen Dollar Forderung
Barclays 29.09.2011 – 40 Millionen Dollar
Barclays 29.12.2011 – 46 Millionen Dollar
JP Morgan 29.12.2011 – 117 Millionen Dollar
Ally Financial 29.12.2011 (Klage am 14.06.2012 zurück genommen) – 130 Millionen Dollar
Barcalys 23.02.2012 – 122 Millionen Dollar

(Zusammenlegung aller drei Klagen gegen Barclays am 20.03.2012, danach Forderung nicht genau beziffert)
HSBC 27.02.2012 – 41 Millionen Dollar
Goldman Sachs 24.08.2012 – 110 Millionen Dollar
Morgan Stanley 24.08.2012 – 524 Millionen Dollar

Klagen der IKB

JP Morgan 01.09.2011 keine genaue Bezifferung (o.A.)
Credit Suisse 12.09.2011 – 3 Millionen Dollar
Citigroup 22.09.2011 (Klage am 29.09.2012 zurück genommen) – 4 Millionen Dollar
Credit Suisse 05.10.2011 – 16 Millionen Dollar
Credit Suisse 20.10.2011 – 5 Millionen Dollar
Credit Suisse 27.10.2011 – 1 Millionen Dollar
Credit Suisse 10.11.2011 – 215 Millionen Dollar
(Zusammenlegung aller fünf Klagen gegen Credit Suisse am 02.07.2012, danach Klagesumme nicht genau beziffert)
JP Morgan 23.02.2012 – 312 Millionen Dollar
Bank of America / Countrywide 14.05.2012 – 200 Millionen Dollar
Bank of America / Merrill Lynch 14.05.2012 – 56 Millionen Dollar
Goldman Sachs 05.09.2012 – 73 Millionen Dollar
Citigroup 05.09.2012 – 137 Millionen Dollar
JP Morgan 28.09.2012 – 11 Millionen Dollar
Morgan Stanley 16.11.2012 – 147 Millionen Dollar

Außerdem: Rücknahme von insgesamt elf Klagen gegen Ally Financial am 07.02.2012

Klagen der LBBW

JP Morgan 29.09.2011 – keine genaue Bezifferung (o.A.)
Royal Bank of Scotland 21.02.2012 – 71 Millionen Dollar
Capital One 08.03.2012 – 169 Millionen Dollar
Bank of America 29.03.2012 – o.A.
Barclays 01.06.2012 – 125 Millionen Dollar
Barclays 11.06.2012 – 55 Millionen Dollar
Capital One 11.06.2012 – 32 Millionen Dollar
Royal Bank of Scotland 19.06.2012 – 173 Millionen Dollar

Quelle

Gutachterliche Stellungnahme der Sachsen Asset Management im Auftrag der nordrhein-westfälischen FDP-Fraktion (datiert auf den 7. November 2012)

Nonnenmachers Anwalt Heinz Wagner wies den Vorwurf der Untreue zurück. Es habe sich um bankübliche Geschäfte gehandelt, sagte er im Gespräch mit Reuters. Im Zentrum des Prozesses werde die Frage stehen, ob die Angeklagten ein unvertretbares wirtschaftliches Risiko eingegangen seien. Davon könne aus seiner Sicht nicht die Rede sein. Alle sechs ehemaligen Vorstände hätten sich dahingehend eingelassen und fühlten sich zu unrecht verfolgt, betonte der Ahrensburger Rechtsanwalt, der früher als Strafrechtsprofessor an der Uni Kiel lehrte. Wagner sagte, das Gericht habe den Prozessbeginn für Mitte Juli in Aussicht gestellt.

Nach Angaben des Gerichts wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten vor, im Dezember 2007 eine komplexe Finanztransaktion unter dem Namen „Omega 55“ genehmigt zu haben, obwohl anhand der Kreditunterlagen eine umfassende Abwägung von Chancen und Risiken des Geschäfts nicht möglich gewesen sei.

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Die Ratingagentur hält ein Überleben der Bank ohne Staatshilfen für unwahrscheinlich.

Die HSH Nordbank erklärte, sie werde den Ausgang des Verfahrens genau beobachten. „Wir verfolgen die Vorgänge mit großer Aufmerksamkeit und werden prüfen, ob sich im Verlauf des Verfahrens für uns Schadensersatzansprüche ergeben“, sagte ein Sprecher.

Im Kern der Vorwürfe stehen die sogenannten Omega-Geschäfte, auf die die HSH Nordbank 2008 ein halbe Milliarde Euro abschreiben musste. Die Belastungen hatten beinahe zur Pleite der Hamburger Bank geführt und kosteten den damaligen HSH-Chef Hans Berger den Job. An seine Stelle rückte im Herbst 2008 Nonnenmacher, der zuvor Finanzvorstand der Bank war und Teile der Transaktion gegengezeichnet hatte. Wenig später wurde die HSH dann von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein mit Milliardenhilfe vor dem Aus gerettet.

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