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13.01.2015

13:38 Uhr

Ex-HSH-Chef Nonnenmacher

„Dr. No“ muss nicht vor Gericht

Der Fall des zu Unrecht entlassenen und angezeigten Frank Roth hat für Ex-HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher kein Nachspiel vor Gericht. Es gibt keine Beweise, dass er wusste, dass die Vorwürfe gegen Roth falsch waren.

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den früheren Vorstandschef und Ex-Finanzchef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, eingestellt. dpa

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den früheren Vorstandschef und Ex-Finanzchef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, eingestellt.

HamburgDer ehemalige Vorstandschef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, muss keinen Prozess wegen falscher Verdächtigungen befürchten. Die Staatsanwaltschaft Kiel teilte am Dienstag mit, sie habe die Ermittlungen gegen den Bankmanager mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

Dem als „Dr. No“ bekannt gewordenen Nonnenmacher war vorgeworfen worden, im Jahr 2009 gemeinsam mit einem leitenden Angestellten und unter Mitwirkung einer Sicherheitsfirma seinen Vorstandskollegen Frank Roth zu Unrecht wegen Geheimnisverrats angezeigt zu haben.

„Nach dem Ergebnis der Ermittlungen habe sich ließ sich nicht belastbar beweisen, dass Professor Nonnenmacher um die Unrichtigkeit der mit der Anzeige erhobenen Vorwürfe wusste“, erläuterte die Ermittlungsbehörde. Soweit sich das Verfahren gegen weitere Beschuldigte richte, sei bald mit einem Abschluss zu rechnen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen, die sich zunächst gegen den ehemaligen Chefjustiziar der HSH Nordbank richteten, vor zwei Jahren auf Nonnenmacher ausgeweitet. In diesem Zusammenhang waren Wohnungen des ehemaligen Bankchefs in Hamburg und Frankfurt durchsucht worden.

Der Fall Roth war einer der spektakulärsten Skandale bei der krisengeschüttelten HSH Nordbank: 2009 hatte die Landesbank dem damaligen IT- und Personalvorstand vorgeworfen, geheime Unterlagen an Journalisten weitergegeben zu haben. Er wurde fristlos entlassen und angezeigt.

Die wichtigsten Antworten zum Prozess der HSH Nordbank

Wer steht vor der Wirtschaftsstrafkammer des Hamburger Landgerichts?

Das ist die Vorstandsriege der HSH Nordbank, die Ende 2007 amtierte. An der Spitze stand damals Vorstandschef Hans Berger, Finanzchef war Dirk Jens Nonnenmacher. Er löste Berger 2008 ab. Mitangeklagt sind Peter Rieck, Jochen Friedrich, Hartmut Strauß und Bernhard Visker.

Wofür müssen sie sich verantworten?

Für Untreue in einem besonders schweren Fall, zwei der Angeklagten (Friedrich, Nonnenmacher) auch wegen Bilanzfälschung.

Um welchen Fall geht es?

Um das umstrittene Kreditgeschäft namens „Omega 55“ der HSH Nordbank. Es wurde Ende 2007 von den Vorständen abgesegnet. Damals waren die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein und die französische BNP Paribas eine zweiteilige Transaktion eingegangen. Die HSH übertrug an die BNP Paribas Immobilienkredite von rund zwei Milliarden Euro und zahlte dafür eine Versicherungsprämie. Im Gegenzug investierte die HSH bei der BNP in neuartige Finanzprodukte.

Was sollte das Geschäft bezwecken?

Es sollte die Bilanz der Bank entlasten. Die HSH wollte über diesen Weg von den Ratingagenturen gute Bewertungen erhalten - für einen angestrebten Börsengang.

Was soll daran strafbar gewesen sein?

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, grob pflichtwidrig gehandelt zu haben. Sie hätten die Risiken des Kreditgeschäfts nicht abschätzen können. Die Kreditvorlage sei als Entscheidungsgrundlage mangelhaft und ungeeignet gewesen. Die Ankläger bezifferten den entstandenen Schaden zuletzt auf 53 Millionen Euro.

Wie setzen sich die Angeklagten zur Wehr?

Sie haben selbst - oder überwiegend durch ihre Anwälte - die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Aus ihrer Sicht wurde das „Omega“-Geschäft marktgerecht abgewickelt. Als Vorstände müssten sie mit Risiko behaftete unternehmerische Entscheidungen treffen. Die Verteidiger fordern Freisprüche.

Und was verlangt die Staatsanwaltschaft?

Beantragt sind Bewährungsstrafen bis zu 22 Monaten und Geldbußen bis zu 150 000 Euro.

Es fanden sich jedoch keine Beweise und die Staatsanwaltschaft drehte den Spieß um. Sie sah Roth als Opfer falscher Bezichtigungen und ermittelte daraufhin gegen den Justiziar. Roth wurde rehabilitiert und erhielt eine Millionenabfindung.

Unabhängig von den Kieler Ermittlungen musste sich die komplette ehemalige HSH-Führung um Nonnenmacher im vergangenen Jahr wegen der verlustreichen „Omega“-Geschäfte vor dem Hamburger Landgericht wegen Untreue verantworten. Das Gericht sprach die Angeklagten frei, weil sie die Pflichtverletzungen als nicht "gewichtig genug" erachtete. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft Revision vor dem Bundesgerichtshof ein.

Von

rtr

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