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20.11.2014

11:11 Uhr

Ex-Karstadt-Manager in U-Haft

Middelhoff kommt nicht aus dem Gefängnis heraus

Kein Ende der Untersuchungshaft für Thomas Middelhoff: Der Ex-Karstadt-Chef muss weiter in der JVA Essen bleiben. Nach Auffassung der 15. Strafkammer bestehe unverändert Fluchtgefahr.

Seit Freitag in U-Haft

Middelhoffs Anwalt will in Revision gehen

Seit Freitag in U-Haft: Middelhoffs Anwalt will in Revision gehen

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Düsseldorf/EssenThomas Middelhoff bleibt im Gefängnis: Das Essener Landgericht lehnte am Donnerstag eine Aussetzung des Haftbefehls gegen den früheren Topmanager ab. Ein Gerichtssprecher betonte, nach Auffassung der 15. Strafkammer bestehe unverändert Fluchtgefahr.

Als Gründe für die Einschätzung nannte das Gericht die gegen Middelhoff verhängte Freiheitsstrafe von drei Jahren, aber auch die weiteren laufenden Ermittlungsverfahren gegen den 61-jährigen Manager sowie seine unklare finanzielle Situation. Außerdem liegt Middelhoffs Wohnsitz in Frankreich. Eine Kaution wurde demnach von Seiten Middelhoffs nicht angeboten.

Gegen die Haftentscheidung ist Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm möglich. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller wollte sich nicht äußern.

Die besten Zitate von und über Thomas Middelhoff

Hintergrund

Als sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff 2014 vor dem Essener Landgericht wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten musste, fielen einige denkwürdige Sätze. Eine Auswahl.

Die Katze auf dem heißen Blechdach

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“
(Middelhoff über seine filmreife Flucht vor Fotografen nach einem Termin bei einem Gerichtsvollzieher in Essen Ende Juli, bei dem er seine Vermögensverhältnisse hatte offenlegen müssen)

Apocalypse Now

„Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“
(Middelhoff zu Pfändungsversuchen von Gläubigern am Rande seines Untreue-Prozesses vor dem Essener Landgericht)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“
(Middelhoffs Gattin Cornelie Middelhoff als Zeugin vor Gericht zur Arbeitsbelastung ihres Mannes)

Das fliegende Büro

„Das war ein fliegendes Büro für ihn.“
(Ein früherer Mitarbeiter Middelhoffs als Zeuge vor Gericht zu den umstrittenen Charterflügen seines Ex-Chefs)

Stau

„Stau war das Schlimmste für ihn.“
(Der langjährige Fahrer des Managers als Zeuge vor Gericht)

Der Schaden des Thomas M.

„Mir und meiner unternehmerischen Tätigkeit ist großer Schaden zugefügt worden.“
(Middelhoff zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn, die er als „uferlos“ und „unverhältnismäßig“ empfindet)

Von Gott gegeben

„Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen.“
(Eine ehemalige Sekretärin des Managers, die sagte, sie habe Middelhoffs Entscheidungen als „gottgegeben“ hingenommen.)

Middelhoff, einst einer der einflussreichsten deutschen Manager, war am Freitag überraschend verhaftet worden. Zuvor hatte ihn das Landgericht Essen wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt.

Hoffnungen auf ein rasches Ende der Untersuchungshaft hatten sich für Middelhoff schon am Montag nicht erfüllt. Gleich vier Anwälte hatten ihn bei einem nicht öffentlichen Haftprüfungstermin vor der 15. Strafkammer des Landgerichts vertreten. Unter ihnen war mit Sven Thomas einer der bekanntesten deutschen Strafverteidiger.

Kommentare (6)

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Herr Tom Schmidt

20.11.2014, 11:20 Uhr

Ich weiss nicht viel über Middelhoff und er ist mir auch egal.

Aber die Aussage eines Gerichts, dass jemand einsitzen soll, bis ein rechtskräftiges Urteil gegen ihn vorliegt macht mir Angst und mich wütend. Eigentlich sollte das anders herum sein! Solange es kein rechtskräftiges Urteil gibt, sollte auch niemand in den Knast müssen. Aber Rechtsstaat war wohl einmal...

Herr Paul Kersey

20.11.2014, 11:47 Uhr

@Tom Schmidt:
Das Gericht hält Herrn Middelhoff für schuldig, hat ihn zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt und vermutet Fluchtgefahr bevor das Urteil durch eine Revision bestätigt wird.

Die Untersuchungshaft – häufig kurz U-Haft genannt – ist eine verfahrenssichernde Ermittlungsmaßnahme im Rahmen der Ermittlung einer Straftat.
Gegenüber dem Beschuldigten muss zunächst dringender Tatverdacht vorliegen. Dringender Tatverdacht liegt vor, wenn aufgrund des gegenwärtig ermittelten Sachverhalts eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Beschuldigte als Täter oder Teilnehmer einer Straftat verurteilt wird. Zweite Voraussetzung ist ein Haftgrund, der bei einer Vorführung durch den Richter (Ermittlungsrichter) anhand „bestimmter Tatsachen“ (§ 112 Abs. 2 StPO) geprüft wird. Häufigster angenommener Haftgrund ist dabei die Fluchtgefahr. Es ist nicht notwendig, dass der Beschuldigte sich bereits versteckt hält oder flüchtig ist. Auch wenn die mögliche Strafe bereits einen Anreiz für die Flucht gibt und keine familiären oder persönlichen Bindungen existieren, kann von einer Fluchtgefahr gesprochen werden.
So steht es in wikipedia und sollte Ihnen die Angst nehmen, dass Sie womöglich nicht mehr in einem Rechtsstaat leben.

Herr Werner Christian Wöhrle

20.11.2014, 12:14 Uhr

....ohgottohgottohgott...

...das geht ja nun gar nie nicht!

Laut seinem Schlußwort vor Gericht hat sich der arme Mann doch überhaupt nix vorzuwerfen!

Wie kann man ihn da verknacken?

...und das Besenkammern-Bobbele, der Millionenbetüger, der läuft frei rum,

genauso wie Rolex-Kalle!

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