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28.08.2012

20:10 Uhr

Ex-Porsche-Manager

Wiedekings Wende zum Leisetreter

VonMartin-W. Buchenau

Deutschlands ehemals erfolgreichster Automanager wird 60. Doch nach der gescheiterten Übernahme von VW sind die Zeiten des großen Pomps vorbei. Wiedeking feiert still und im kleineren Kreis.

Wendelin Wiedeking steht dieser Tage abseits der großen Bühne. dpa

Wendelin Wiedeking steht dieser Tage abseits der großen Bühne.

StuttgartDie Zeiten des großen Pomps sind vorbei. Seinen 60. Geburtstag wird Wendelin Wiedeking heute im kleineren Kreis feiern. Vor zehn Jahren, zum 50., da war er einer der erfolgreichsten Autobosse in Deutschland. Er hatte aus dem Pleitekandidaten Porsche den profitabelsten Autobauer der Welt gemacht.

Seine Presseabteilung schenkte ihm damals ein Buch. Darin analysieren und interpretieren neben dem Manager selbst 16 namhafte Autoren das „Davidprinzip“: Gerhard Schröder und Hans-Olaf Henkel, Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser. Wer wollte, konnte in Wiedekings Beitrag die Anleitung sehen, wie ein kleiner Flinker einem Riesen überlegen ist - und wie Porsche drei Jahre später Europas größten Autohersteller VW attackieren sollte.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Nun war Wiedeking von Statur her nie ein David und sein Gegenspieler Ferdinand Piëch nie ein Goliath. Am Ende aber war der alte VW-Patriarch flinker und cleverer; Wiedeking war Piëch nicht gewachsen. Ausgerechnet der Porsche-Enkel selbst lieferte die Erklärung dafür, als ein Student ihn bei einer Gastvorlesung in Wien fragte, was Wiedeking falsch gemacht habe.

„Wir waren nicht so weit auseinander. Aber er wollte die Macht und ich auch“, antwortete der VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer. Piëch war als Porsche-Aufsichtsrat stets über alle Schritte von Wiedeking informiert, hatte auch für den Angriff auf Volkswagen gestimmt, wenn nicht sogar ihn mit inszeniert. Doch Wiedekings Ego war letztlich zu groß, um sich dem wirklich Mächtigen in dem Spiel, Ferdinand Piëch, unterzuordnen.

Man dürfe ihm und dem früheren Porsche-Finanzchef Holger Härter zwar nicht die ganze Schuld an der gescheiterten VW-Übernahme zuweisen, räumte Porsche-Urenkel Peter Daniell Porsche jüngst im „Stern“ ein. „Aber ich will schon sagen: Die Dicke ihrer Zigarren und das Ausmaß der Bankgeschäfte waren auf dem höchsten Niveau der Hochnäsigkeit und des jugendlichen Spieltriebes.“

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