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11.02.2005

09:20 Uhr

Ex-Tchibo-Eigner Günter Herz will wieder als Unternehmer Fuß fassen

Moneten, Macht und Marken

VonGregory Lipinski (Handelsblatt)

Wenn Günter Herz morgens in der internationalen Presse seinen Namen liest, ist der milliardenschwere Unternehmer häufig sauer. Immer wieder ärgert sich der ehemalige Großaktionär des Hamburger Kaffeeimperiums Tchibo über die neuesten Spekulationen.

HAMBURG Einmal wird der Hanseat als künftiger Großaktionär des Tourismus-Riesen Tui genannt. Ein anderes Mal ist er als neuer Teilhaber der renommierten Hamburger Privatbank M. M. Warburg im Gespräch. Barsch stoppt er dann nachbohrende Journalisten am Telefon: „Alles Quatsch“.

Nun dürfte der erfolgreiche Firmenlenker erneut Spielball von Spekulationen werden. Er und seine Schwester Daniela haben, wie gestern exklusiv berichtet, die Beteiligungsgesellschaft Maryland gegründet – mit noblen Büroräumen und der feinen Adresse Jungfernstieg 30 nahe der Hamburger Binnenalster. Das Anlagevolumen schätzen Branchenkenner auf bis zu 15 Milliarden Euro. Locker könnte der schlank wirkende Brillenträger mit dieser Kapitalkraft Großbanken vom Kaliber Commerzbank oder Hypo-Vereinsbank schlucken, deren Börsenkapitalisierung sich derzeit gerade mal zwischen zehn und zwölf Milliarden Euro bewegt.

Doch der 64-Jährige ist vorsichtig. Er plant Mehrheitsbeteiligungen mit einer Obergrenze zwischen einer bis zwei Milliarden Euro. Und er investiert nur in Branchen, in denen er sich auskennt. Dazu gehören die Konsumgüterindustrie sowie der Einzelhandel.

Herz legt bei seinen Firmenengagements Wert darauf, dass er unternehmerisch gestalten kann. Dies ist ihm besonders wichtig. Denn in den vergangenen Jahren konnte der älteste Sohn des Hamburger Kaffeeunternehmers Max Herz seine Zukunftsvisionen für das Tchibo-Imperium nicht umsetzen, das in besten Zeiten über milliardenschwere Beteiligungen an dem Zigarettenkonzern Reemtsma und Beiersdorf (Nivea, Tesa, Hansaplast) verfügte. Immer wieder funkten ihm seine Brüder Michael und Wolfgang im operativen Geschäft dazwischen.

Das Gezänk eskalierte im Jahr 2000, als ihn seine Geschwister nach 36 Jahren an der Spitze des Konzerns entmachteten. Nicht einmal einen Sitz im Aufsichtsrat gönnten sie ihrem ältesten Bruder. Seitdem ging es Michael und Wolfgang Herz nur noch darum, Günter und Daniela aus dem Eigentümerkreis des Familienkonzerns hinauszudrängen.

Im August 2003 war es soweit. Die beiden Geschwister gaben entnervt ihr Aktienpaket ab und kassierten dafür insgesamt rund vier Milliarden Euro. Das Geld hatte Tchibo zuvor durch den Verkauf des Zigarettenherstellers Reemtsma eingenommen.

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