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05.02.2015

11:40 Uhr

Ex-Telekom-Chef

Obermann wechselt in die Private Equity

Maschinenraum sieht anders aus: René Obermann wird für die Beteiligungsgesellschaft Warburg Pincus künftig Investitionen ausloten. Der ehemalige Telekom-Chef bleibt dabei seiner der Technologiebranche treu.

Von London aus wird der ehemalige Telekom-Chef Investments ausloten. dpa

Von London aus wird der ehemalige Telekom-Chef Investments ausloten.

Frankfurt, LondonDer frühere Telekom-Chef René Obermann hat einen neuen Job bei einem Finanzinvestor gefunden. Die Investment-Gesellschaft Warburg Pincus hat den Manager zum Partner und geschäftsführenden Direktor berufen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Obermann werde im Londoner Büro von Warburg Pincus arbeiten und sich dort um die Telekommunikations-, Medien- und Technologiebranche kümmern. Zuletzt war Obermann Vorstandschef des niederländischen Kabelunternehmen Ziggo, das von dem US-Unternehmen Liberty International übernommen wurde. Von 2006 bis 2013 stand er an der Spitze der Deutschen Telekom.

Nach seinem Abschied beim Bonner Telekommunikationskonzern hatte Obermann seinerzeit verkündet, „näher an den Maschinenraum“ rücken zu wollen. In seiner neuen Tätigkeit in London wird er mehr perspektivisch denn operativ arbeiten – zu seinen Aufgaben zählt die Evaluation neuer Investments. Warburg Pincus' Europachef Joseph Schull freut sich über die „seltene Kombination“ aus langer Erfahrung als deutscher Unternehmer und Leiter eines internationalen Konzerns. Obermann wird die Beteiligungsgesellschaft im hiesigen Markt vertreten.

René Obermanns Karriere (Stand: März 2013)

1963

Geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen.

Ausbildung

Nach Abitur und Wehrdienst machte Obermann eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei BMW und studierte anschließend in Münster Volkswirtschaftslehre.

Selbständigkeit und Firmenverkauf

Nach der Gründung der eigenen Firma ABC Telekom, die unter anderem mit Telefonen und Fax-Geräten handelte, verkauft Obermann das Geschäft 1991 an den asiatischen Konzern Hutchison Whampoa. Obermann bliebt bis 1998 Chef der Hutchison Mobilfunk GmbH.

Anfang bei der Telekom

Im Jahr 1998 wechselt Obermann zur Deutschen Telekom, zu der ihn der damalige Vorstandschef Ron Sommer holt. Obermann arbeitet bis zum Frühjahr 2000 als Vertriebschef des Mobilfunkgeschäfts der Telekom.

Aufstieg bei der Telekom

Im Jahr 2000 wird Obermann Chef von T-Mobile Deutschland und steigt weiter im Konzern auf. Ab November 2002 ist er Telekom-Vorstand, im Jahr 2006 wird er zum Vorstandschef befördert.

Amtszeit als Vorstandschef

Kurz nach dem Amtsantritt holt er Timotheus Höttges in den Vorstand, der Anfang 2014 sein Nachfolger an der Konzernspitze werden wird. Obermann führt zudem im Kampf gegen Billiganbieter ab 2007 die Billigmarke Congstar ein und kämpft in den folgenden Jahren mit vielen komplexen Baustellen. Der Konzern hatte einst Journalisten bespitzelt, das US-Geschäft erwies sich als schwere Belastung und in Deutschland schlägt er sich mit Regulierungsbehörden und heftigem Wettbewerb im Festnetzgeschäft und Mobilfunk herum.

Der von ihm angestrebte Verkauf des US-Geschäfts an AT&T scheitert an einem Veto der US-Kartellbehörde. Als Alternative erarbeitet er die Fusion mit dem Konkurrenten MetroPCS, die allerdings auch noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Zeit nach der Telekom

Kurz vor Weihnachten 2012 kündigt Obermann seinen Rückzug als Vorstandsvorsitzender der Telekom an. Er sagt, das Unternehmen Ende 2013 verlassen zu wollen und das Amt an Timotheus Höttges zu übergeben. Im März 2013 wird seine künftige Aufgabe bekannt: Obermann leitet ab 2014 die Geschicke von Ziggo, einem niederländischen Kabelnetzbetreiber.

Ziggo

Seine Amtszeit bei Ziggo ist nur von kurzer Dauer: Nur wenige Wochen nachdem Obermann seinen Posten angetreten hat, wird der Verkauf des Kabelunternehmens an den US-Medienkonzern Liberty Global bekanntgegeben. Obermann kündigt an, seinen Chefposten nach dem Vollzug der Übernahme abgeben zu wollen.

2015: Warburg Pincus

René Obermann findet eine neue Aufgabe. Als geschäftsführender Direktor und Partner wechselt er ins Londoner Büro der Beteiligungsgesellschaft Warburg Pincus. Für das Private-Equity-Unternehmen soll Obermann in der Telekommunikationsbranche künftig Investments evaluieren und die Vertretung auf dem deutschen Markt übernehmen.

Schon seit August wird über diesen Schritt spekuliert, nun ist der Wechsel in trockenen Tüchern. Obermann, dessen nicht ganz freiwilliges Ende bei Ziggo gemäß Börsenmitteilung mit 3,95 Millionen Euro plus Aktien im Wert von 1,8 Millionen Euro in Aktien vergoldet wurde, sitzt zudem in den Aufsichtsräten der Streaming-Plattform Spotify sowie des Softwareunternehmens CompuGroup Medical.

Erwähnenswert auch, dass Ziggo sich vor dem ersten Übernahmeangebot des US-Großaktionärs Liberty International Übernahme in Mehrheitsbesitz der Beteiligungsgesellschaften Warburg Pincus und Cinven befand. 2013 machten die Investoren beim Exit insgesamt 3,4 Milliarden Euro. Anfang 2014 trat Obermann seinen Posten beim niederländischen Kabelkonzern an. Das Übernahmeangebot ging nur vier Wochen später ein. Obermann entschied sich, künftig nicht als Regionalchef im US-Unternehmen bleiben zu wollen.

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