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29.11.2011

13:43 Uhr

Ex-USA-Chef

Mercedes-Manager weist Vorwürfe zurück

Der ehemalige USA-Chef von Mercedes-Benz, Ernst Lieb, hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Er soll sich bei Umbauarbeiten an seiner Dienstvilla rechtswidrig bereichert haben.

Ernst Lieb sieht sich zu Unrecht von Daimler entlassen. dpa

Ernst Lieb sieht sich zu Unrecht von Daimler entlassen.

StuttgartDer von Daimler geschasste Chef von Mercedes-Benz USA, Ernst Lieb, hat den Vorwurf der Bereicherung zurückgewiesen. Liebs Anwalt Stefan Nägele sagte am Dienstag bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Stuttgart (Az: 23 CA 8783/11), die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Lieb habe sich im Zuge von Umbauarbeiten und luxuriösen Einkäufen für die Dienstvilla im US-Bundesstaat New Jersey keine rechtswidrigen Vermögensvorteile verschafft und sei daher zu Unrecht von Daimler fristlos entlassen worden.

Der Stuttgarter Autobauer hatte den seit 2006 an der Spitze der US-Vertriebsgesellschaft von Mercedes-Benz stehenden Manager Lieb Mitte Oktober überraschend gefeuert, über die Gründe aber geschwiegen. Eine Daimler-Sprecherin wollte sich am Dienstag nicht zu den Details äußern. „Wir sind überzeugt, dass erhebliche Verstöße gegen interne Verhaltensrichtlinien vorliegen“, sagte sie lediglich. Eine gütliche Einigung lehnten die Daimler-Anwälte in der Gerichtsverhandlung ab.

Laut Liebs Anwalt wirft Daimler dem Manager vor, sich durch den Einbau eines Fitness-Studios und einer Entertainment-Anlage in die Dienst-Villa sowie den Erwerb diverser Einrichtungsgegenstände wie Waschmaschine, Wäschetrockner und Barbecue-Grill im Wert von zusammen mehr als 100.000 Dollar bereichert zu haben. Veranlasst habe diese Einkäufe und Umbauarbeiten aber nicht sein Mandant, sondern die Gebäudemanagement-Abteilung von Daimler, sagte Nägele. Zum Teil habe es sich auch um Ersatzbeschaffungen von defekten Haushaltsgeräten in der Dienst-Villa gehandelt, die ebenfalls durch Daimler erworben worden seien.

Da diese Sachverhalte zudem bis ins Jahr 2006 zurückreichten und dem Unternehmen lange bekannt seien, könnten sie nicht als Gründe für die fristlose Kündigung Mitte Oktober dieses Jahres herangezogen werden. Im Sommer dieses Jahres sei Liebs Vertrag befristet um wenige Monate bis November verlängert worden, zuvor sei sein Mandant wie die übrigen im Ausland lebenden Führungskräfte des Unternehmens von der Abteilung
Konzernsicherheit zu möglichen Verstößen gegen Unternehmensrichtlinien befragt worden. Lieb sei sich aber „keiner Sünde“ bewusst gewesen, sagte Anwalt Nägele.

Nach Deutschland sind die USA der weltweit zweitgrößte Absatzmarkt für Mercedes-Benz, dort liefert Daimler beinahe jeden fünften Mercedes-Pkw weltweit aus. Der Stuttgarter Autobauer war in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Korruption und Unregelmäßigkeiten seiner Beschäftigten in die Schlagzeilen geraten und steht deswegen unter Beobachtung der Justizbehörden in den USA. Nach Strafzahlungen und
Gewinnabschöpfungen von zusammen 185 Millionen Dollar wegen Schmiergeldzahlungen im Ausland überwacht der frühere Chef der US-Bundespolizei FBI, Louis Freeh, Daimlers Geschäftspraktiken im In- und Ausland. Für die Abteilung Recht und Integrität wurde ein Vorstandsressort geschaffen.

Von

rtr

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