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19.03.2012

10:24 Uhr

Exklusive Umfrage

Extrem hohe Erwartungen an Unternehmer

VonDorit Marschall , Heß

Für die Deutschen überzeugt der ideale Unternehmer mit Verantwortung und Vertrauen. Dafür stehen Ikonen wie Robert Bosch - und heute sein Nachfolger. Nur zu viel verdienen dürfen die Top-Manager nicht.

Bosch-Chef Franz Fehrenbach hat ein gutes Image bei den Deutschen. dapd

Bosch-Chef Franz Fehrenbach hat ein gutes Image bei den Deutschen.

DüsseldorfFranz Fehrenbach hat alles richtig gemacht: Der Bosch-Chef führt nicht nur überaus erfolgreich sein Unternehmen - er ist aus Sicht der Deutschen auch der "ideale Unternehmer". Und das ist alles andere als einfach: "Die Erwartungen an Unternehmer sind extrem hoch in Deutschland", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. "Sie sollen einerseits das Leistungsprinzip hochhalten, anderseits aber leistungsschwache Mitarbeiter fördern, sie sollen bodenständig sein, aber zugleich auch innovativ."

Güllner weiß deshalb so genau, was die Menschen von einem guten Firmenchef erwarten, weil sein Meinungsforschungsinstitut in diesen Tagen im Auftrag des Handelsblatts mehr als tausend Bürger nach dem Unternehmerbild der Deutschen befragt hat. Die Ergebnisse: Am wichtigsten, das hat die Blitzumfrage ergeben, ist für die deutsche Bevölkerung vor allem, dass der Unternehmer "offen und ehrlich gegenüber der Belegschaft" ist. Das meinen 92 Prozent der Bürger.

Beinahe ebenso wichtig ist es für die Befragten, denen Mehrfachnennungen ermöglicht wurden, dass ein Unternehmer "um das Vertrauen seiner Mitarbeiter bemüht" ist und "verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt" agiert - das meinen jeweils 90 Prozent.

15 Dinge, die Sie noch nicht über Wolfgang Grupp wussten

Der Mann mit dem Affen

Er ist der Mann mit dem Affen. Das klingt nicht sehr nett, aber der Affe hat Wolfgang Grupp zum vermutlich bekanntesten Mittelständler Deutschlands gemacht. Grupp wirkt eitel, gilt aber als einer von Deutschlands Vorzeigeunternehmern. Mehr über sein Leben, seine Ansichten und seine Marotten.

Wie kam Wolfgang Grupp auf die Idee, Affen als Werbefigur einzusetzen?

1990 kaufte Grupp die Rechte an einem Affenspot, der ursprünglich für Toyota gedacht war. Es ließ sich leicht ein neuer Text über die Bilder legen. Danach drehte Trigema eigene Spots mit Schimpansen. Seit 1996 gibt es den heute bekannten Spot.

Wie reist Wolfgang Grupp am liebsten?

Im Hubschrauber: Die nächste Autobahn recht weit entfernt. Die Bundestrasse zu stark frequentiert. Das ist nichts für einen ungeduldigen Macher. Der 1995 gekaufte Bell Jet Ranger trägt natürlich das Trigema-Logo.

Was ist das Besondere an Grupps 1982 bezogenen Villa?

Sie hat ein Reetdach. Grupp entdeckte seinen Faible für Reetdach-Häuser während eines Urlaubs auf Sylt. Er wünschte sich Wohnlichkeit und Wärme, und dazu passte dieses Material am besten. Außerdem kennzeichnet die Villa der Rittersaal unterm Dach.

Woher stammt der Name Trigema?

Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer: Josef Mayer, Grupps Großvater, gründete die Firma 1919/20 und überstand als Unterwäschehersteller auch die schwierigen 20-Jahre sehr gut. Nach dem zweiten Weltkrieg fiel ihm die Umstellung leichter als anderen Unternehmen in der Region, die sich auf Uniformen spezialisiert hatten.

Was ist Wolfgang Grupps großes Hobby?

Wolfgang Grupp besitzt eine 400 Hektar große Eigenjagd im Allgäu. Schon als Jugendlicher liebte er es, hoch zu Ross hinterm Wild herzujagen.

Wie hat Wolfang Grupp seine Frau Elisabeth kennengelernt?

Romantischer geht es kaum: 1986 ging Grupp auf Auerhahnjagd in der Obersteiermark. Während der Jagd besuchte der damals 44-Jährige einen Freund. Der Baron hatte eine 22-jährige Tochter. Fortan konnte Grupp die Schönheit nicht mehr vergessen.

Womit erregte Wolfgang Grupp 2009 großes Aufsehen?

Er ließ sich eine sehr große Begräbnisstätte errichten: Umfriedet von einer hohen Mauer liegt die Grabstätte für seine Familie angelegte inmitten einer 600 Quadratmeter großen Grünflache. Ein kleines, frei zugängliches Areal am Rande des eigentlichen Friedhofes.

Worauf legt Wolfgang Grupp bei der Kleidung sehr viel wert?

Manchettenknöpfe, Einstucktuch und schmale Krawatte - Grupps akkurate Kleidung hat sich praktisch nicht verändert: Maßanzug, meisten auffällig gestreiftes Hemd, Kragen und Manchetten weiß, schmale Krawatte und Einstucktuch in den Farben des Hemdstoffes.

Was kennzeichnet das Büro von Wolfgang Grupp?

Es ist ein Großraumbüro, dass er sich mit Mitarbeitern teilt: In den 70er-Jahren hat sich Grupp ein Großraumbüro entworfen, das er gemeinsam mit Verwaltungsangestellten belegt. Wenn sich seine ehrliche Empörung, wofür er durchaus bekannt ist, in großer Lautstärke Luft macht, bekommen das also einige Mitmenschen zu hören.

Wer ist Wolfgang Grupps größtes Vorbild?

Josef Mayer war für seinen Enkel als Mensch und Unternehmer das größte Vorbild. Zwischen Wolfgang Grupp und seinem Vater entwickelte sich ein veritabler Generationenkonflikt. Der Sohn nahm es dem Vater übel, dass er mit dem Unternehmen allzu arg expandierte, wodurch Trigema ins Schlingern geriet.

Wofür sparte Wolfgang Grupp im Internat sein Geld?

Das Äußere musste für ihn schon als Jugendlicher stets erstklassig sein. Daher bat er Eltern und Verwandte, ihm Geld zu schenken statt Gegenständen. Wolfgang sparte und kaufte sich 1962, mit 20 Jahren, eine teure, ultraflache Uhr. Er trägt sie bis heute voller Stolz.

Womit „erfreute“ Wolfgang Grupp seine Kinder zu Weihnachten?

Er schlüpfte persönlich in das Nikolaus-Kostüm. Bonita und Wolfgang junior merkten irgendwann, dass ihr Vater selbst in dem Kostüm steckte, ließen es sich aber lange nicht anmerken. Grupp übernahm diese Job, weil ihm im Jahr zuvor der Auftritt des engagierten Gabenbringers nicht gefallen hatte.

Warum beliefert Trigema seit 1987 nicht mehr den Discounter Aldi?

1987 kam es zum Bruch zwischen Grupp und Aldi-Nord: Der Discounter wollte, dass die Ware nicht mehr unter dem Label Trigema, sondern als Eigenmarke in die Regale kam. Dazu gehörte ein Preisnachlass von 40 Prozent. Grupp verzichtete lieber auf den Umsatz von 25 Millionen Mark jährlich.

Wie beginnt Wolfgang Grupp einen gewöhnlichen Tag?

Pünktlich vor sieben Uhr springt er in den Pool und schwimmt acht Bahnen, das entspricht 360 Metern. Das tut er auch im Winter bei Minusgraden, allerdings lässt Grupp das Wasser dann auf 19 Grad temperieren.

Ende 2007 nannte die Bild-Zeitung Wolfgang Grupp „menschlich“. Warum?

Weil er wegen Raserei drei Punkte in Flensburg kassierte. Grupp wollte stets ein Vorbild an Disziplin sein und hielt sich streng an seine Regeln. Umso mehr ärgerte er sich über den Verkehrsdelikt.

Zu den Aufgaben eines idealen Unternehmers zählt dagegen eine vergleichsweise kleine Gruppe eine hohe Frauenquote (46 Prozent) oder "notwendige Maßnahmen mit Härte durchzusetzen" (49 Prozent). Trotz der hohen Anforderungen an die Unternehmen hat sich deren Ansehen in den vergangenen Jahren hierzulande verbessert. Das hat Forsa-Chef Güllner, der sich seit Jahren mit der Thematik beschäftigt, in früheren Umfragen herausgefunden.

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