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30.03.2012

12:03 Uhr

Extreme Hobbys

Die tollkühnen Bosse in ihren fliegenden Kisten

VonNils Rüdel

Erfolgreiche Unternehmer leisten sich mitunter extreme Hobbys: Amazon-Chef Jeff Bezos will Raketen retten, Regisseur James Cameron taucht 11.000 Meter tief. Und Richard Branson möchte gleich Tiefsee und Weltraum erobern.

Unternehmer Richard Branson (r.) mit Astronautenlegende Buzz Aldrin. Der Milliardär will mit einem eigenen Raumschiff betuchte Kunden ins All bringen. AFP

Unternehmer Richard Branson (r.) mit Astronautenlegende Buzz Aldrin. Der Milliardär will mit einem eigenen Raumschiff betuchte Kunden ins All bringen.

Sie liegen mehr als vier Kilometer tief auf dem Meeresgrund, irgendwo im Atlantischen Ozean. Niemand weiß, in welchem Zustand sie sind, immerhin sind sie seit fast 43 Jahren dort und teilen sich den Platz mit Schlick, Algen und Meerestieren: Die Triebwerke der Rakete, die am 16. Juli 1969 Neil Armstrong und seine Crew mit Apollo 11 in Richtung Mond schoss.

Jeff Bezos war damals ein Knirps von fünf Jahren und von der Mondlandung offenbar schwer angetan. „Sie hat sehr zu meiner Leidenschaft für Wissenschaft, Technik und Entdeckungen beigetragen“, erinnert er sich. Heute ist Jeff Bezos als Gründer des Online-Kaufhauses Amazon einer der reichsten Männer der USA. Und er will sich einen Traum erfüllen: Die geschichtsträchtigen Apollo-Triebwerke zu bergen und auszustellen. Das hat er jetzt in seinem Blog angekündigt (http://www.bezosexpeditions.com/engine-recovery.html).

Nur Tage zuvor hatte ein anderer Abenteurer Schlagzeilen gemacht: „Titanic“-Regisseur James Cameron war mit einem Mini-U-Boot zum tiefsten Punkt der Weltmeere getaucht, dem Marianengraben, rund 11.000 Meter unter der Wasseroberfläche. „Es war noch nie so schön, den Tiefpunkt zu erreichen“, twitterte Cameron. Und nun kündigt auch noch Richard Branson, britischer Milliardär und Gründer der Fluglinie Virgin an, in den Puerto-Rico-Graben abtauchen zu wollen – mehr als 9000 Meter tief. „Das dürfte ein ziemliches Abenteur werden“, so Branson, der auch einen eigenen Weltraumbahnhof besitzt, von dem aus er in naher Zukunft betuchte Kunden an den Rand des Weltraums transportieren möchte..

Die Lebensgeschichte von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Die Biografie

Jeff Bezos ist eine der spektakulärsten Manager-Persönlichkeiten der Welt. Die Lebensgeschichte des Amazon-Gründers bietet eine unglaubliche Vielfalt und zahlreiche interessante Erzählungen. Der Top-Journalist und Bestsellerautor Richard L. Brand hat die Biografie in seinem Buch „Mr. Amazon“ (Ambition Verlag) aufgeschrieben. Darin finden sich auch bemerkenswerte Geschichten über die Person Jeff Bezos.

Die Rinderfarm

Ironischerweise ist eine der wichtigsten Internet-Ikonen auf einem Bauernhof aufgewachsen – um genau zu sein auf einer Rinderfarm in Cotulla, Texas. Dort half der kleine Jeff schon als Vierjähriger tatkräftig mit, auch beim Ställe ausmisten.

Die perfekte Kindheit

Jahre später urteilte Jeff Bezos, dass seine Erfahrungen auf der Ranch zu seiner erfolgreichen Unternehmerkarriere maßgeblich beigetragen hätten. Das Reparieren von Traktoren und das Kastrieren von Rindern entsprach seiner Vorstellung von einer „idyllischen Kindheit“. Seine Mutter stand ihm stets bei. Jeff habe dort gelernt, dass es keine Probleme ohne Lösungen gebe.

Dem leiblichen Vater nie begegnet

Bezos hat seinen Vater nie kennengelernt. Der Teenager verließ die junge Mutter, als Jeff anderthalb war. Er existierte im Leben des Jungen gar nicht.

Der „richtige“ Vater

Der Nachname Bezos stammt laut Jeffs eigener Aussage vom „richtigem“ Vater. Und den hätte es ohne Fidel Castro wohl nie gegeben. Denn als er 1959 an die Macht kam, schickten viele kubanische Eltern ihre Kinder in die Staaten. So auch Miguel Bezos (vom spanischen besos: „Küsse“). Miguel setzte sich mit großer Ausdauer durch, machte einen Uni-Abschluss und wurde Erdölingenieur.

Die Sturheit

Jeff Bezos war ein unglaublich stures Kind. Mit drei Jahren quängelte er so lange herum, bis er das Gitterbett endlich verlassen durfte - ungeachtet der Sicherheitsbedenken seiner Mutter. Trotz seiner außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit wurde Jeff so auch zum Schrecken seiner Lehrer. Sie mussten ihm mal mitsamt Stuhl und Tisch im Klassenraum umsetzen.

Frühes Interesse an Technik

Seine Mutter und vor allem der Großvater erweckten und förderten Jeffs großes Interesse an Technik und Basteln. Sie schenkten ihm entsprechendes Spielzeug und Baukästen. Dennoch war sein erster Karrierewunsch (mit sechs Jahren), Archäologe zu werden.

Hochbegabt

Als die Familie nach Houston umzog, war Jeff im späten Kindergartenalter. Die Eltern schrieben ihn für Fördermaßnahmen für hochbegabte Kinder ein. Dafür musste er zwar 20 Meilen hin und zurück fahren, aber es lohnte sich.

Der Bücherwurm

Dass Amazon mit dem Verkauf von Büchern groß wurde, ist weit mehr als ein Zufall. Jeff Bezos ist seit der Kindheit ein Büchernarr. Er nahm mit Feuereifer an Literatur-Schülerwettbewerben teil und las mit seinen ebenfalls lesebegeisterten Mitschülern um die Wette.

Einsamer Nerd

Bezos war wie viele Nerds des 20. Jahrhunderts eher ein Einzelgänger, der viel las und viel Zeit vor dem Computer verbrachte. Seine Lehrer notierten damals, dass er „nicht besonders führungsbegabt“ sei. Auch rein körperlich wirkte er wie ein Nerd: Jeff brachte nicht einmal das Mindestgewicht für die Football-Mannschaft auf die Waage.

Erster Job bei McDonalds

Als seine Eltern erneut umzogen – diesmal nach Florida – war Jeff 13 Jahre alt. Hier übernahm er seinen ersten Sommerjob. Und das ausgerechnet bei McDonalds. Doch der Teenager gab sich mit dem Burgerwenden nicht zufrieden und entwickelte Verbesserungsvorschläge, mit denen die Abläufe in dem Laden tatsächlich verbessert wurden.

Uschi - die erste Freundin

In seinem ersten Jahr auf der Junior-Highschool lernte Jeff seine langjährige Freundin Ursula „Uschi“ Werner kennen. Sie träumten von einer gemeinsamen Firma und schufen diese tatsächlich auch in frühen Teenagerjahren. Werbeflyer begeisterten junge Schüler für einen sehr besonderen Nachhilfeunterricht. Die Beziehung endete wie so viele andere Highschool-Liebschaften in der Collegezeit.

Der Weltraum als Lebenstraum

Auf dem College setzte Bezos nebenbei seinen Kindheitstraum – übrigens inspiriert vom Großvater – in die Tat um. Seinen Abschluss machte er in Elektrotechnik und Informatik und auch die ersten Berufsschritte unternahm Bezos in anderen Bereichen – allen voran bei IBM. Aber seinen Traum, der heute in Blue Origin mündet, den hatte er, seitdem er fünf Jahre alt war.

In die Tiefen der Weltmeere oder hoch hinaus ins All – irgendetwas scheint es da zu geben, dass reiche Unternehmer und Manager zu extremen Freizeitbeschäftigungen antreibt. „Die Grundlagen des menschlichen Überlebens sind Schutz und Sicherheit“, sagte kürzlich der Chef des Extremreisen-Anbieters Be Legendary auf CNN. „Manager haben komplett vergessen, wie sich das anfühlt".

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