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17.12.2013

17:54 Uhr

EY und Co.

EU beschneidet Macht der Wirtschaftsprüfer

Die EU will als Lehre aus der Finanzkrise die Macht der „Großen Vier“ - Deloitte, Ernst & Young, KPMG und Pricewaterhouse-Coopers - einschränken. Doch die Regeln fallen viel sanfter aus als ursprünglich geplant.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (jetzt EY) in Berlin: Auf Druck der Branche fallen die EU-Regeln nun doch schwächer aus. dapd

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (jetzt EY) in Berlin: Auf Druck der Branche fallen die EU-Regeln nun doch schwächer aus.

BrüsselDie EU beschneidet die Macht von Wirtschaftsprüfungsunternehmen in Europa. Künftig dürfen sie große Konzerne nur noch zehn Jahre lang prüfen und müssen dann wechseln (Rotationsprinzip). Bestimmte Dienstleistungen - etwa Steuerberatung und Tipps über Investitionen und Strategie - sind Wirtschaftsprüfern nur noch in engen Grenzen erlaubt. Honorare aus Tätigkeiten außerhalb des klassischen Geschäfts dürfen nur noch höchstens 70 Prozent betragen. Auf diese Regeln haben sich Vertreter von EU-Parlament, EU-Kommission und Staaten am Dienstag in Brüssel geeinigt. Der Kompromiss bedarf noch der Zustimmung von EU-Staaten und Parlament.

Die Pläne richten sich vor allem gegen die „Großen Vier“ der Branche: Deloitte, EY, KPMG und Pricewaterhouse-Coopers. In Europa beherrschen diese Konzerne etwa 85 Prozent des Marktes; in Deutschland kontrollieren sie die Bilanzen fast aller wichtigen Aktiengesellschaften.

Auf diese Weise will Brüssel künftig Bilanzskandale verhindern. Wirtschaftsprüfer prüfen Unternehmensbilanzen und testieren mit ihrer Unterschrift, dass ein Konzern seine Bücher ordnungsgemäß geführt hat. In der Finanzkrise hatten Wirtschaftsprüfer - die parallel oft auch als Unternehmensberater tätig sind - aus Interessenkonflikten nicht rechtzeitig vor Problemen von Banken gewarnt. Kritiker weisen ihnen deshalb eine Mitschuld an der Krise zu.

Die größten Beratungsunternehmen in Deutschland

Berater in Deutschland

Unternehmensberatungen sind gefragt wie nie. In Deutschland hat sich der Branchenumsatz seit 2010 jährlich um zwei Milliarden Euro auf zuletzt 22,3 Milliarden Euro erhöht. Der Wunsch der Kunden lautet häufig Betriebsoptimierung, manchmal aber auch Schadensbegrenzung. Die Liste zeigt die acht größten in Deutschland aktiven Beraterfirmen.

Quelle: Bundesverband Deutscher Unternehmensberater

Platz 8

Deloitte mit hiesigem Sitz in Düsseldorf setzte 2012 in Deutschland 275 Millionen Euro um. Die Mitarbeiterzahl beläuft sich auf 1405.

Platz 7

Die US-amerikanische Strategieberatung Oliver Wyman füllte die eigenen Kassen 2012 mit einem Umsatz von 280 Millionen Euro. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen 730 Mitarbeiter. Die Kunden der Firma kommen aus den verschiedensten Branchen etwa Verkehr, Energie und Industrie. Insgesamt lassen sich in Deutschland am meisten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes von Beratern unter die Arme greifen. Finanzdienstleister und Firmen, die aus öffentlicher Hand finanziert werden, sind ebenfalls häufig Kunden.

Platz 6

Die irische Beratungsfirma Accenture setzte im vergangenen Jahr 296 Millionen Euro um (825 Beschäftigte). Generell ist die Umsatzentwicklung innerhalb der Branche bis auf eine minimale Ausnahme in 2009 stetig gestiegen. Erwirtschafteten Managementberater 2003 noch 12,2 Milliarden Euro, stieg der Umsatz im vergangenen Jahr in Deutschland um zehn Milliarden auf 22,3 Milliarden Euro.

Platz 5

Der US-Riese Price-Waterhouse-Coopers erwirtschaftete 2012 in Deutschland 315 Millionen Euro – mit 1470 Beschäftigten. Die Kundenliste der Beratungsgruppe ist alles andere als schlecht besetzt: Bayer, Lufthansa und Lanxess sind einige Namen.

Platz 4

KPMG machte in Deutschland 403 Millionen Euro Umsatz. Der Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater ist weltweit aufgestellt. Großkunden sind keine geringeren als Adidas und BMW. In Deutschland betreuen 2150 Mitarbeiter die Belange der Firmen.

Platz 3

Die deutsche Unternehmensberatung Roland Berger machte 2012 445 Millionen Euro Umsatz. Die Firma benannt nach ihrem Gründer und Unternehmer Roland Berger beschäftigt 1250 Mitarbeiter.

Platz 2

The Boston Consulting Group – mit rund 1880 Beschäftigten – berät Unternehmen seit 1963. Im vergangenen Jahr setzte der Konzern 490 Millionen Euro um.

Platz 1

McKinsey machte mehr als 600 Millionen Euro Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahr. Die Berater sind nicht nur in der Unternehmensberatung aktiv, sondern entwickeln auch Strategien für Parteien. So ließ sich die CDU 2003 bei einem Parteiprogramm von McKinsey unterstützen. Das Unternehmen mit deutschem Sitz in Düsseldorf beschäftigt 2300 Mitarbeiter.

Auf Druck aus der Branche fallen die Regeln aber deutlich schwächer aus als zunächst geplant. So konnte sich die EU-Kommission nicht damit durchsetzen, den Marktführern in Europa die Unternehmensberatung ganz zu verbieten. Dann hätten sich weltweite Konzerne aufspalten müssen in Prüfgesellschaften und Beratungsfirmen. Auch das Ziel der EU-Kommission, der EU-Börsenaufsicht Esma eine starke Aufgabe bei der Kontrolle zu geben, scheiterte.

Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier begrüßte dennoch die Einigung als „wichtigen Schritt, um das Vertrauen von Investoren in Finanzinformationen zu stärken“. Bei der Rotation darf die Frist von zehn Jahren nur einmal verlängert werden. Die EU-Staaten haben die Möglichkeit, national noch strengere Regeln vorzuschreiben. Die Auflagen für Wirtschaftsprüfer sind Teil der breit angelegten Gesetze der EU, um den Finanzsektor stabiler zu machen. Strenge Auflagen für Ratingagenturen sind bereits beschlossen.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Nachwuchs

17.12.2013, 18:51 Uhr

Wer wagt es gegen diese Leute, Banker, Manager vor zu gehen?? Es ist leichter Bürger, Hartz IV-Empfänger usw. aus zu nehmen bzw. zu verachten!!! Die, unsere Politiker lassen sich nur noch schmieren, kann man meinen!

Richard

17.12.2013, 19:48 Uhr

Große Worte. Aber man muss auch irgendwie einmal anfangen. Es wäre verwunderlich, wenn die mächtige Finanzbranche einfach klein bei gibt. Ich freue mich um jeden kleinen Erfolg unserer Politiker.

Richard

17.12.2013, 19:52 Uhr

Natürlich ist es schwer gegen die Finanzbranche anzugehen. Aber jeder kleine Schritt bewirkt etwas. Und das Böse wird den Menschen mit in die Wiege gelegt. Einige Menschen werden davon ein Leben lang dominiert. So gibt es Menschen, die sich ins Halteverbot stellen und andere, die sich schmieren lassen.

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