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23.11.2015

21:18 Uhr

Facebook-Gründer Zuckerberg im Vaterurlaub

Wenn der Chef die Windeln wechselt

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will nach der Geburt seines Kindes eine Auszeit vom Managersein nehmen. Das trauen sich nur wenige Führungskräfte – in Deutschland und den USA. Und wenn doch, dann nur für wenige Wochen.

Priscilla Chan und Mark Zuckerberg erwarten ihr erstes Kind. dpa

Facebook

Priscilla Chan und Mark Zuckerberg erwarten ihr erstes Kind.

DüsseldorfMark Zuckerberg will sich dem Dienst an der Wickelkommode nicht verweigern. Der Facebook-Gründer und seine Frau Priscilla Chan bereiten sich derzeit auf die Geburt ihres ersten Kindes vor. Das Paar kaufe Babysachen und krame Lieblingsspielzeug aus der eigenen Kindheit hervor. „Mit jedem Tag werden die Dinge realer, und wir freuen uns, ein neues Kapitel in unserem Leben zu beginnen“, schreibt der werdende Papa auf seiner Profilseite.

Nach der Geburt seiner Tochter will sich der 30-Jährige „dem Leben als Familie“ widmen – und dafür zwei Monate Vaterschaftsurlaub einlegen. Statt den weltgrößten Internetkonzern zu leiten, wechselt er dann Windeln, rührt Brei an und wiegt das Töchterchen mit Liedern in den Schlaf. Seine Auszeit vom Managersein begründet er ganz wissenschaftlich: „Studien haben gezeigt, dass es den Kindern und Familien besser geht, wenn sich Arbeitende für ihre Neugeborenen eine Auszeit nehmen.“

Das scheinen sich sich derzeit nur wenige CEO-Papas zu Herzen zu nehmen. Denn Vollzeit-Vater Zuckerberg ist mit dieser Entscheidung einer von wenigen prominenten Chef der Tech-Branche, der vom Schreibtisch ins Kinderzimmer wechselt.

Zwar machen viele Konzerne im Silicon Valley ihren Mitarbeitern Angebote, Beruf und Karriere miteinander zu vereinbaren. Für werdende Eltern setzen sich unter anderem Facebook, Google, Twitter, Microsoft, Yahoo, Netflix und Virgin ein. Doch in den meisten Fällen nehmen nur Frauen diese Offerten an.

Elterngeld und Elterngeld Plus: Eine Beispielrechnung

Schließung einer Gerechtigkeitslücke?

Mit einer Streckung des Elterngeldes will Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken. Voraussetzung ist, dass die Eltern nebenher Teilzeit arbeiten. Eine Beispielrechnung für das Elterngeld und das neue Elterngeld Plus, mit dem auch eine Gerechtigkeitslücke geschlossen werden soll.

Normales Elterngeld

Ein Elternteil verdient 3000 Euro netto im Monat und unterbricht für zwölf Monate seine Arbeitstätigkeit. Der Elterngeldanspruch beträgt 65 Prozent des Nettoeinkommens, maximal 1800 Euro.
In diesem Fall gäbe es für zwölf Monate 21.600 Euro (12 mal 1800). Bei 2000 Euro Nettoeinkommen im Monat wären es 15.600 Euro (12 mal 1300).

Bisherige Situation für Teilzeitarbeiter

Einkommen netto 2000 Euro, es wird nach Geburt des Kindes Teilzeit gearbeitet: 900 Euro.
Auf den Ausfall von 1100 Euro gibt es 65 Prozent Elterngeld = 715 Euro, macht bei 12 Monaten 8580 Euro (12 mal 715), also insgesamt 7020 Euro weniger als beim Elterngeldbezug ohne Teilzeit-Tätigkeit.
Aber: Monatliches Gesamteinkommen: 1615 Euro (900 + 715 Euro).

Elterngeld Plus

Einkommen netto 2000 Euro, Teilzeitarbeit nach Geburt: Verdienst 900 Euro.
Der Anspruch orientiert sich nun am Elterngeld ohne Teilzeittätigkeit von 1300 Euro bei 2000 Euro Nettoverdienst: 50 Prozent davon, also 650 Euro. Bezug über 24 Monate (plus mögliche vier Zusatzmonate) = 15.600 Euro.
Das monatliche Einkommen beträgt: 1550 Euro. Also etwas weniger als bisher, dafür gibt es eine längere Elterngeldphase zur Betreuung des Kindes.

Überhaupt haben die USA in Sachen Familienförderung großen Nachholbedarf. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind sie der einzige Industriestaat, der landesweit keinen Mutterschutz bietet. Auch die Elternzeit ist für werdende Väter ein Fremdwort.

Anders in Deutschland, wo Mutter und Vater einen gesetzlichen Anspruch von bis zu drei Jahren auf Elternzeit haben – und in dieser Zeit staatliche Leistungen erhalten. Davon können US-Amerikaner nur träumen.

Obwohl allerorts die Zahl der Angebote steigt, bleiben die fürsorglichen Väter mit Auszeit immer noch in der Minderheit: In Deutschland gibt es keinen CEO, der sich in Vollzeit um den Nachwuchs kümmert. Zu groß sind wohl die Sorgen vor einem Karriereknick. Anders als in der Wirtschaft sieht es in der Politik aus. So hatte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) eine Auszeit vom Job für sein Töchterchen genommen. Mittwochs vereinbart der Vizekanzler bis heute keine Termine - und holt den Nachwuchs von der Kita ab.

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