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09.01.2017

12:49 Uhr

Facebook

Zuckerbergs Neue gegen Falschmeldungen

VonJohannes Steger

Immer wieder sorgen Fake News bei Facebook für Kritik und Ärger. Nun holt sich das Netzwerk journalistische Kompetenz ins Haus. Die TV-Journalistin Campbell Brown soll die Zusammenarbeit mit Medien verbessern.

Die Journalistin soll bei Facebook auch ein Zeichen gegen Fake News setzen. Facebook

Campbell Brown

Die Journalistin soll bei Facebook auch ein Zeichen gegen Fake News setzen.

DüsseldorfWas früher der Blick in die Tageszeitung war, ist für viele heute der morgendliche Klick auf die Facebook-App. Die wesentlichen Nachrichten des Tages erfahren Nutzer oft im Neuigkeiten-Strom im sozialen Netzwerk. Doch nicht immer stecken hinter diesen vermeintlich seriösen Inhalten Fakten: Die sogenannten Fake News verbreiten Hetze, Unwahrheiten und Verschwörungstheorien. Das Problem haben nicht nur Medienunternehmen und Politik erkannt, auch Facebook selbst will gegensteuern – und setzt nun mit einer Personalie ein Zeichen.

Mit Campbell Brown beruft das Unternehmen nun eine Journalistin zur „Head of News Partnerships“. Arbeitsbeginn: sofort. Die 48-Jährige kommentiert ihren neuen Job bei Facebook so: „Ich werde meine Newsroom-Erfahrungen nutzen, um Medienorganisationen und Journalisten dabei helfen, enger und effektiver mit Facebook zusammenarbeiten.“

Dabei will sie direkt mit entsprechenden Partnern zusammenarbeiten und denen aufzeigen, wie die Reichweite ihrer journalistischen Inhalte ausgedehnt werden kann. Inhaltliche Entscheidungen solle sie dabei allerdings nicht treffen, betont das Unternehmen gegenüber der „New York Times“.

Immer wieder geriet Facebook in jüngster Vergangenheit in die Kritik, weil es nicht effektiv genug gegen Fake News vorging. Und die reichen von Halbwahrheiten bis hin zu handfesten Lügen: Hillary Clinton als Mitglied eines Kinderporno-Rings oder Papst Franziskus, der sich für Donald Trumps als US-Präsident ausspricht. Um nur wenige zu nennen. Im Zuge des US-Wahlkampfs wurde dem Unternehmen zudem vorgeworfen, konservative Nachrichteninhalte bevorzugt zu haben.

Nach anfänglichem Dementi kündigte Chef Mark Zuckerberg Maßnahmen zur Überprüfung an. An anderer Stelle funktioniert die „Zensur“ – nur mit teils fragwürdigen Ergebnissen: So löschte Facebook einen Post des Chefredakteurs der norwegischen „Aftenposten“, weil es das berühmte Bild aus dem Vietnamkrieg zeigte, in dem ein unbekleidetes Mädchen vor Napalm-Angriffen flieht. Letzte Woche musste eine Neptun-Statue aus der Renaissance dran glauben: Facebook löschte das Bild ebenjener. Begründung: „sexuell explizit“.

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als „Gefällt mir”

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten – Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

Selbst wenn Facebook sie vermeintlich nicht wegen der Fake-News einsetzt, so unterstreicht ihre Berufung doch den Anspruch nach seriöser Medienverbreitung. Und Browns Lebenslauf passt: Die Politikwissenschaftlerin arbeitete als CNN-Moderatorin, NBC-Reporterin und war Korrespondentin für das Weiße Haus. Nach ihrem Weggang aus dem Fernsehen gründete sie 2015 die Online-Nachrichten-Seite „The 74 Million“, die sich mit den Bildungschancen von minderjährigen US-Amerikanern auseinander setzt.

Ein Thema, dass der Mutter von zwei Kindern am Herzen liegt. Schon vor der Gründung setzte sie sich für eine Reform des Erziehungswesens ein und legte sich öffentlich mit den Lehrergewerkschaften an. Brown ist verheiratet mit Dan Senor, Buchautor und republikanischem Berater für Auslandspolitik. Der wird sich für den neuen Job seiner Frau bedanken: Senor hat Ambitionen und hat laut „New York Times“ Interesse an der israelischen Finanzzeitung „Globes“. Die verbesserte Zusammenarbeit von Facebook und Journalisten beginnt dann im Hause Brown/Senor am Frühstückstisch.

Chaos Computer Club

„Derzeit sind Fake News nicht das brennendste Problem von Hackern“

Chaos Computer Club: „Derzeit sind Fake News nicht das brennendste Problem von Hackern“

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Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.01.2017, 13:16 Uhr

Ich weis gar nicht, warum sich Facebook das überhaupt antut. Die Zensur durch die Politik oder andere Ideologien darf doch nicht zum Geschäftsmodell für Facebook oder andere soziale Medien werden?! Das Internet muss frei von Zensur bleiben. Fake News entlarven sich so oder so, mit der Zeit, von selbst. Zensur hingegen ist von vornherein eine Absage zu erteilen. Wenn also Facebook jetzt anfängt die Zensurbehörde zu akzeptieren, dann wird aus Facebook schon bald der Ruf eines "Wahrheitsministerium" zu Ohren kommen...und wie gut oder schlecht das dann für das zukünfitge Image von Facebook ist....kann sich wohl jeder selbst ausmalen.
Facebook lebt von seiner UNABHÄNGIGKEIT von seiner Offenheit für ALLES und JEDE NACHRICHT/MEINUNG....das Leben, die Realtität pur abzubilden....das ist das Image vom Internet, Facebook und Co.
Nicht die Kontrolle von Regierungen, Parteien, Politik oder NGOs.

Frau Sabrina Dresdnerin

09.01.2017, 15:24 Uhr

Nachdem bereits hochbezahlte Profis gezielt Falschmeldungen im Netz streuen, die vor allem darauf abzielen die Entscheidung von Menschen zu beeinflussen, ist es sehr wohl wichtig gegenzusteuern. Das das denen, die die Meinungsbildung auf Grundlage von Lügen zu ihren Gunsten nutzen nicht gefällt ist klar, aber deshalb noch lange nicht legitim. Das jüngste Beispiel kommt von BREITBART mit dem angeblichen Brand einer Kirche in Dortmund. Tja, BREITBART will in Deutschland Fuß fassen und das garantiert nicht mit ehrlicher Berichterstattung.

Account gelöscht!

09.01.2017, 15:45 Uhr

@Sabrina Dresdnerin
Es hat doch einen Brand an der Kirche gegeben...oder etwa nicht?!

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