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29.11.2012

08:16 Uhr

Fahrgemeinschaften keine Alternative

Pendler sind Morgenmuffel

VonCarina Kontio

Morgens auf dem Weg zur Arbeit schon mit Kollegen schnacken? Das kommt für die meisten Deutschen nicht in Frage – jeder Sechste ist ein Morgenmuffel und will eigentlich nur seine Ruhe haben.

So lange man noch nicht auf der Arbeit ist, will man am liebsten seine Ruhe haben. dpa

So lange man noch nicht auf der Arbeit ist, will man am liebsten seine Ruhe haben.

DüsseldorfJeden Tag Kollegen oder Bekannte im eigenen Auto mit zur Arbeit nehmen? Das ist lediglich für sechs Prozent aller Pkw-Fahrer Alltag. 94 Prozent der Deutschen nutzen keine Fahrgemeinschaften für den täglichen Arbeitsweg. Das ergab eine repräsentative Umfrage der GfK-Gruppe im Auftrag des Kfz-Direktversicherers DA Direkt zum Thema Fahrgemeinschaften.

Morgens auf dem Weg zur Arbeit schon mit anderen reden? Das kommt für die meisten Deutschen offenbar nicht in Frage, denn: Jeder Sechste ist ein Morgenmuffel und braucht auf dem Weg zur Arbeit seine Ruhe. 17 Prozent der Deutschen fahren grundsätzlich lieber alleine Auto und weitere 24 Prozent stört die Abhängigkeit von Anderen.

Was bei der Arbeit stresst

Verantwortung

Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

Stressfrei

Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

Druck von oben

Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

Chefqualitäten

Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

Büroklatsch

Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

Unterbesetzung

Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

Arbeitsbelastung

Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Für die sechs Prozent der Deutschen, die täglich Kollegen mit zur Arbeit nehmen, spielen vor allem die finanziellen Ersparnisse eine Rolle. Der Umwelt zuliebe teilen hingegen nur knapp zwei Prozent der Befragten ihr Auto mit anderen.

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Von neun bis fünf im Büro? So langweilig ein gleichmäßiger Joballtag sein kann - er schützt auch vor krankmachendem Stress. Millionen leiden darunter, dass Pendeln und Beruf immer mehr Zeit aufsaugen.

Selbst hohe Benzinpreise scheinen Autofahrer nicht zu einer Fahrgemeinschaft bewegen zu können: Für weniger als sechs Prozent der Befragten wären steigende Spritkosten ein ausschlaggebender Grund, sich einer Fahrgemeinschaft anzuschließen. "Das hat uns verwundert. Zumal Autofahrer in der Vergangenheit häufig über zu hohe Treibstoffkosten geklagt hatten", kommentiert Norbert Wulff, DA-Direkt-Vorstand.

Grundregeln für die Büro-Beziehung

Tratsch und Klatsch

Flirten Sie nicht ganz so ungehemmt wie sonst. Jede Firma hat ihren Tratsch und Klatsch und Ihrer beruflichen Reputation wird es nichts nützen, wenn Sie die Medaille für den „Flirt des Jahres“ bekommen.

Zurückhaltung, bitte!

Wenn Sie gezielt auf der Suche nach kurzfristigen Affären sind, so suchen Sie sich lieber ein anderes Spielfeld dafür.

Keine Vorteile

Verschaffen Sie sich durch einen Flirt oder eine Beziehung keine Vorteile am Arbeitsplatz.

Bleiben Sie professionell

Bleiben Sie auch in einer Beziehung professionell und behandeln Sie den anderen im beruflichen Kontext als Kollegen, Einkäufer, Dienstleister oder was auch immer und nicht als Partner. Wenn Sie das nicht schaffen, weil Sie dann zum Beispiel nicht so hart verhandeln können, dann lassen Sie sich in diesen Situationen vertreten oder Sie lassen sich ganz versetzen.

Missverständnisse vermeiden

Lassen Sie besondere Vorsicht und Sorgfalt walten, wenn es sich um einen Flirt und vielleicht mehr mit einem Vorgesetzten oder Untergebenen kommt. Hier ist es besonders wichtig, von vornherein dafür zu sorgen, dass es keine Missverständnisse gibt und sich Dienstliches nicht mit Privatem vermischt.

Händchen halten

Achten Sie auch in einer besonders verliebten Phase auf Ihre Kommunikation und Ihr Verhalten vor Kollegen. Händchen haltenden Kollegen sind nicht unbedingt gerne gesehen.

Auf die Arbeit konzentrieren

Denken Sie daran, dass es Ihre bezahlte Arbeitszeit ist, die Sie im Unternehmen verbringen und dass Sie sich selbst große Probleme bereiten können, wenn Sie zu oft im Gespräch mit Ihrer neuen Liebe gesehen werden. Bedenken Sie auch, dass Ihre E-Mails gelesen werden könnten!

Zum richtigen Zeitpunkt öffentlich machen

Überlegen Sie gut, wann ein geeigneter Zeitpunkt ist, die Kollegen darüber zu informieren, dass Sie nun ein Paar sind. Warten Sie auf jeden Fall einige Zeit ab, bis Sie diesen Schritt tun. Sie beide sollten sich sicher sein, dass Sie nun in einer festen Beziehung sind. Dann ist es auch wichtig, sich dazu zu bekennen, um eventuelle Gerüchte nicht erst aufkochen zu lassen und auch vorzubeugen, dass man Ihnen Interessenskonflikte vorwerfen könnte.

Gefühle sind Privatsache

Sprechen Sie mit Kollegen nicht ausführlich über Ihre Beziehung und Ihre Gefühle – weder in einer frisch verliebten Phasen, noch wenn Sie sich doch trennen sollten. Bleiben Sie professionell, lächeln Sie und biegen Sie das Gespräch in eine andere Richtung, falls die Fragen zu hartnäckig sind.

Kommen und gehen

Achten Sie darauf, nicht zusammen zu kommen und zu gehen, wenn Sie noch kein offizielles Paar sind.

Arbeitsessen oder Date?

Sorgen Sie auch bei sich selbst dafür, dass Ihnen in einer Phase des Kennenlernens klar ist, ob Sie nun ein Arbeitsessen oder ein „Date“ haben.

Betriebsfeste

Weihnachtsfeiern oder andere Betriebsfeste sind keine gute Möglichkeit, nach einigen Gläsern Wein all seinen Mut zusammen zu nehmen und vor der reizenden Kollegin aus der Buchhaltung auf die Knie zu sinken um ihr endlich zu sagen, wie wunderbar sie ist.

Die Zeit nach der Beziehung

Bedenken Sie bei einer Beziehung im beruflichen Umfeld immer deren mögliche Endlichkeit (auch wenn das nicht sehr romantisch ist), schließlich wird inzwischen rund jede zweite Ehe geschieden. Das Haltbarkeitsdatum für Beziehungen ist also zumindest im Durchschnitt noch kürzer. Bedenken Sie einfach die Konsequenzen, was das für Konsequenzen für Sie, Ihren Beruf und Ihre Karriere hat, wenn Sie Ihre Beziehung nun öffentlich machen und diese in sechs Monaten wieder zu Ende ist. Die Erfahrung lehrt, dass Frauen meist den Kürzeren ziehen und mit negativen Folgen rechnen müssen.

Quelle: Nandine Meyden, „Karrierekiller. Versteckte Fallen auf dem Weg nach oben“, Berlin 2011, ISBN: 978-3-430-20118-6

Wer sich jedoch in Zukunft eine tägliche Fahrgemeinschaft vorstellen kann, der hat klare Vorstellungen: Für 44 Prozent der Autofahrer ist dies nur bei gleichen Arbeitszeiten vorstellbar. Knapp ein Drittel der Befragten gab an, dass die Mitfahrer absolut zuverlässig sein müssten.

Grundsätzlich lässt sich erkennen, dass die Akzeptanz bei jüngeren Autofahrern deutlich höher ist: Immerhin knapp jeder Zehnte unter 40 Jahren ist bereits Teil einer Fahrgemeinschaft. In dieser Altersgruppe ist auch die Sensibilität, dadurch etwas Gutes für die Umwelt zu tun, am höchsten.

Kommentare (3)

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29.11.2012, 08:44 Uhr

Bei festen Arbeitszeiten alles kein Problem. Doch heute wird doch absolute Felxibilität verlangt. Für Fahrgemeinschaften ist da abseits von festen Schichten kein Platz.
Die Autohersteller und Mineralölkonzerne wirds freuen!

Fruehaufsteher

29.11.2012, 08:55 Uhr

ich wohn in einem Pendlerbundesland,wo viele Leute pendeln. Ein Großteil der Gemeinschaftspendler scheint dann ja bei uns zu leben, denn hier gibts viele Fahrgemeinschaften. An jedem öffentl. Parkplatz an Bundesstraßen und Autobahnen stehen Grüppchen von Fahrzeugen, weil man sich da mit Kollegen trifft und dann gemeinsam weiterfährt.

Fahrgemeinschaft hat aber die Schwäche, dass man wirklich flexibel sein muss und nicht ständig mit anderen zusammen anfangen/aufhören kann.

ich fang z.B. am liebsten um 6 Uhr an zu arbeiten -- die meisten fangen aber erst nach 8 h an - da gehen die Probleme schon los. Die Arbeitszeiten variieren sehr stark. Ich hätte auch keine Lust mein Leben nach anderen Leuten und deren Zeiten/Gewohnheiten auszurichten.

was man ausbauen sollte wären so Dinge wie HomeOffice, v.a. für Mütter und Teilzeitarbeitnehmer. Das würde viele Wege sparen.






Account gelöscht!

29.11.2012, 09:37 Uhr

"Das kommt für die meisten Deutschen offenbar nicht in Frage, denn: Jeder Sechste ist ein Morgenmuffel und braucht auf dem Weg zur Arbeit seine Ruhe."

Äh 1/6-tel entspricht 16,7%. 16,7% ist also die Mehrheit? Sollten Sie nicht zu laut sagen, ansonsten kommt die Union bei der nächsten Bundestagswahl auf dumme Gedanken. Auf jeden Fall vielen Dank für dieses mathematische Wunder!

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