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21.01.2010

06:59 Uhr

Fall Hypo Group Alpe Adria

Drei Dutzend Banker zittern vor der Justiz

VonSonia Shinde

Die Liste derjenigen, die in der Affäre um den überteuerten Kauf der Hypo Group Alpe Adria in den Fokus der Staatsanwaltschft geraten, liest sich allmählich wie ein „Who's Who“ der BayernLB. Finanzkreisen zufolge gehört nun auch Ex-Chef Michael Kemmer zur illustren Runde der Verdächtigen, denen Untreue vorgeworfen wird.

Nun offenbar ebenfalls im Fokus der Ermittler: Ex-BayernLB-Chef Michael Kemmer. ap

Nun offenbar ebenfalls im Fokus der Ermittler: Ex-BayernLB-Chef Michael Kemmer.

FRANKFURT. Michael Kemmer hat es auch erwischt: Nach Informationen aus Finanzkreisen gehört er zum Kreis der Verdächtigen in Sachen HGAA. Der frühere Chef der BayernLB, sein Vorgänger Werner Schmidt und weitere Ex-Vorstände der Landesbank sollen durch einen überteuerten Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) Vermögen veruntreut haben. Die BayernLB soll rund 400 Mio. Euro zu viel für das Institut aus Kärnten bezahlt haben.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Monaten gegen Schmidt, der hatte die Vorwürfe stets bestritten. In der vergangenen Woche hatten die Strafverfolger ihre Ermittlungen ausgeweitet, aber nicht erläutert, gegen wen. Zu Spekulationen über eine mögliche Verwicklung Kemmers und anderer wollte sich die Behörde nicht äußern. Auch Kemmer und sein Anwalt gaben keinen Kommentar ab.

Die BayernLB musste im Zuge der Finanzkrise mit Milliarden Euro vom Steuerzahler gerettet werden, genauso wie der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE), die HSH Nordbank und die Mittelstandsbank IKB. Die SachsenLB entging dem Zusammenbruch nur durch einen Notverkauf an die größte Landesbank LBBW. Dennoch musste auch hier das Land mit Milliarden einspringen.

Jetzt zittern die Banker bundesweit vor dem Staatsanwalt. „Es haben inzwischen schon einen ganze Reihe ihre Haftpflichtversicherer aus Angst vor Straf- und Zivilverfahren kontaktiert“, sagt Versicherungsmakler Michael Hendricks, der als Pionier der Managerhaftpflichtversicherungen in Deutschland gilt. Rund drei Dutzend Manager haben die Staatsanwälte zwischen Nordsee und Alpen im Visier. Das sind fast doppelt so viele, wie noch vor einem Jahr. Meist geht es um hochspekulative Geschäfte und Untreue.

Denn Banker haben laut Kreditwesengesetz eine besondere Vermögensbetreuungspflicht. Das heißt, sie müssen mit dem Geld anderer Leute besonders sorgsam umgehen. Verletzen sie diese, machen sie sich der Untreue schuldig. Dann drohen ihnen bis zu zehn Jahren Haft. Das Problem: Sie müssen es mit Absicht getan haben. Vorsatz heißt das im Juristendeutsch.

Kommentare (1)

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Klaus Rommel

21.01.2010, 20:07 Uhr

Due Diligence: beim Kauf der HGAA hat es doch sicher einen Datenraum gegeben und es ist eine "ordentliche" due diligence durchgeführt worden. Dazu muß es doch einen bericht mit allen Risiken geben und auch - in aller Regel - eine Wertzschätzung. Davon hört man aber überhaupt nichts. Die erste Verantwortung liegt doch bei den Prüfern. Wenn die due diligence NiCHT sorgfältig erfolgte (erfolgen durfte), dann ist es doch einfach, den / die Verantwortlichen zu ermitteln.

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