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25.03.2014

20:26 Uhr

Fall Leo Kirch

Deutsche-Bank-Chef Fitschen droht Anklage

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen droht eine Anklage im Zusammenhang mit dem Fall Leo Kirch: Die Staatsanwaltschaft will einem Bericht zufolge Fitschen wegen versuchten Prozessbetrugs vor Gericht bringen.

Jürgen Fitschen: Die Staatsanwaltschaft bereitet eine Anklage unter anderem gegen ihn, seinen Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer vor. Reuters

Jürgen Fitschen: Die Staatsanwaltschaft bereitet eine Anklage unter anderem gegen ihn, seinen Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer vor.

MünchenEinem der beiden Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, droht einem Zeitungsbericht zufolge eine Anklage im Zusammenhang mit dem Fall Leo Kirch. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Mittwochsausgabe berichtet, bereitet die Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie gegen zwei weitere frühere Vorstände vor, die noch im Frühjahr vorliegen soll.

Die Staatsanwaltschaft ermittle inzwischen gegen 14 Beschuldigte, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ weiter. Demnach wird neun aktiven oder ehemaligen Bankern sowie drei Anwälten des Instituts versuchter Prozessbetrug beim Oberlandesgericht München vorgeworfen. Dort hatte der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Kirch auf Schadenersatz geklagt.

Das Interview mit Breuer zu Kirch

Verhängnisvolles Gespräch

Ein Fernsehinterview, das am 4. Februar 2002 bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, war Auslöser eines jahrelangen Rechtsstreits zwischen dem 2011 verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank. Gegeben hatte es der damalige Vorstandssprecher des Geldhauses, Rolf Breuer. Das Interview im Wortlaut.

Frage: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?“

Breuer: „Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn - das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das erzähle - der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag. Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben.“

Frage: „Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiter zu machen.“

Breuer: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine, wie Sie gesagt haben, Stützung interessieren.“

Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass auch gegen Deutsche-Bank-Vorstand Stephan Leithner ermittelt. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde auf Nachfrage. Leithner selbst hat in dem Verfahren nicht als Zeuge ausgesagt. Die Ermittler prüfen aber, inwieweit Leithner und andere Mitarbeiter sowie Anwälte der Bank die Aussagen der anderen Vorstände mit vorbereitet haben. Der Vorwurf lautet wie bei den übrigen Beschuldigten auf versuchten Prozessbetrug.

Am Dienstag hatten Ermittler nicht nur die Zwillingstürme der Bank im Frankfurter Westend, sondern nach Behördenangaben auch die Wohnung eines Beschuldigten in Hessen durchsucht. Die Strafverfolger hatten wegen des Betrugsverdachts bereits im Dezember 2012 bei der Deutschen Bank in Frankfurt umfangreiche Akten sichergestellt. In der vergangenen Woche wurden nun auch zwei Anwaltskanzleien unter die Lupe genommen, die die Bank im Kirch-Prozess vertreten hatten. Die Kanzleien Hengeler Mueller in Frankfurt und Gleiss Lutz in München bestätigten die Durchsuchungen.

Nachdem die Staatsanwaltschaft bei früheren Durchsuchungen auf zahlreiche Dokumente gestoßen war, die das Institut teilweise schwer belasteten, zahlte die Deutsche Bank vor wenigen Wochen im Wege eines Vergleichs 925 Millionen Euro Schadensersatz an Kirchs Familie und an seine Gläubiger.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.03.2014, 08:18 Uhr

Treten Sie sofort zurück, solange sie noch halbwegs der Herr des Geschehens sind !! Wulf dachte anfangs auch, die Sache aussitzen zu können und da ging es wirklich nur um peanuts.

Wer sich mit Breuer, der vorausahnend sein Vermögen noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat, abgibt, der muß verlieren; die Fakten sind ja jetzt schon erdrückend.

Account gelöscht!

26.03.2014, 08:40 Uhr

"Fitschen und Leithner lehnten „Kuhhandel“ ab"

Darum geht's also. Nach dem Verfahren gegen Hoeneß und die Sache mit den Steuer-CDs scheint der Staat auf den Geschmack gekommen zu sein.

Leben wir wirklich noch in einem Rechtsstaat?

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