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05.09.2012

15:29 Uhr

Fallender Aktienkurs

Muss Zuckerberg die Macht bei Facebook teilen?

VonAxel Postinett

So ist es eben, wenn der Aktienkurs sinkt: Da kommt jeder Chef irgendwann ins Gerede. Selbst ein Mark Zuckerberg ist vor Rücktrittsforderungen nicht gefeit. Der Facebook-Gründer steht immer mehr in der Kritik.

Er kann so lange am Steuer bleiben, wie er will: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Reuters

Er kann so lange am Steuer bleiben, wie er will: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

San FranciscoOhne Mark Zuckerberg wäre Facebook nicht da, wo es jetzt ist, sagen die Fans des Mitgründers des größten Social Networks der Welt. „Stimmt“, pflichten seine Kritiker mit einem Seufzen bei und schauen auf den Aktienkurs. Langsam, aber unaufhaltsam schraubt sich das Papier auf immer neue Tiefststände.

Am Dienstag markierte die Aktie einen neuen Tiefststand von 17,55 Dollar, nicht mal mehr die Hälfte des Ausgabekurses von Mitte Mai. Zur Beruhigung sagte der Konzernchef heute Nacht, dass er selbst mindestens zwölf Monate lang keine eigenen Anteilsscheine veräußern werde. Nach der Ankündigung stabilisierte sich die Aktie im frühen US-Handel bei rund 18,30 Dollar.

Die größten Sorgen von Facebook

Die Nutzer bleiben aus

Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

Die Werbung bleibt aus

Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

Die Staatsmacht greift durch

Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

Die Nerds untergraben das Geschäft

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Dennoch: Bei anderen Unternehmen wäre intern längst schon mal die Führungsfrage gestellt worden. Ist es Zeit für Mark Zuckerberg zu gehen?

Ist also Zuckerberg, allgewaltiger Mitgründer und CEO, Chef des Verwaltungsrats und größter einzelner Aktionär, Teil des Problems, statt der Lösung? Ja, zumindest die Rolle des CEO sollte er abgeben, murren immer mehr Stimmen an Wall Street und sie haben gute Gründe.

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Mark Zuckerberg überzeugte Anleger davon, dass sein Konzern 100 Mrd. Dollar wert sei.

Facebook braucht jetzt einen CEO, der oder die den Anlegern aktiv signalisiert, dass man sich um sie kümmert, ihre Sorgen und Probleme ernst nimmt. Dieser jemand ist nicht Zuckerberg, und er will es auch nicht sein. Er konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Produkte, nicht auf Investoren.

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Und daraus, das muss man fairerweise sagen, hat er auch nie einen Hehl gemacht. Konsequent wäre es daher, wenn er den Posten des Chief Executive Officer aufgeben und sich auf die Produktentwicklung und seine Rolle als Verwaltungsratschefs konzentrieren würde.

Der Weg wäre frei für einen erfahrenen Unternehmenslenker, am besten mit Börsenerfahrung.

Ein Rücktritt Zuckerbergs als CEO wäre weder ohne Beispiel in der Branche, noch ehrenrührig. Als sich Google vom Studenten-Start-Up zum börsennotierten Giganten transformierte, traten die Gründer Larry Page und Sergey Brin einen Schritt zurück und hievten den Industrie-Veteranen und Anzugträger Eric Schmidt auf den Chefposten. Zusammen machten sie Google zu dem, was es heute ist: Weltmarktführer und hoch profitabel. Seit Anfang 2011 ist ein gereifter Larry Page wieder zurück als CEO.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

05.09.2012, 15:57 Uhr

Zockerberg ist ein Genie. Sowohl bei den Usern wie auch bei den Anlegern rennen ihm die geistigen Eliten die Tueren ein. Recht hat er, wenn er sie weit offen haelt.

black

05.09.2012, 16:54 Uhr

Ich selbst halte nichts von Facebook; ziehe aber vor der Geschäftstüchtigkeit des Zuckerbergs den Hut. Sowas macht man nur einmal.
Aber egal wie der Laden endet; sein Ding hat Zuckerberg gemacht. Fertig.

tesaro

05.09.2012, 17:36 Uhr

ja, das ist er, er wußte wie man schnell reich wird.

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