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04.06.2014

16:28 Uhr

Familie lässt Deller auflaufen

Schaeffler will neuen Chef doch nicht haben

Die Personalie wird zur Posse: Klaus Deller wird nun doch nicht neuer Vorstandschef bei Schaeffler. Es übernimmt Klaus Rosenfeld. Der bisherige Interimschef hat die Familie in den vergangenen Monaten überzeugt.

Hohe Abfindung für keinen Tag Arbeit: Klaus Deller. Pressefoto Schaeffler AG

Hohe Abfindung für keinen Tag Arbeit: Klaus Deller.

MünchenDie Schaefflers geben, die Schaefflers nehmen: Der Autozulieferer will seinen designierten neuen Chef nun doch nicht haben. Klaus Deller ist der Posten bereits vor dem geplanten Amtsantritt bei dem Familienunternehmen im Juli entzogen worden, an seiner Stelle übernimmt der bisherige Interimschef Klaus Rosenfeld das Amt dauerhaft. Er erhalte einen Fünfjahresvertrag, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit und bestätigte damit einen Bericht des „Manager Magazins“.

„Der Vorstand der Schaeffler AG hat in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet“, ließen die Alleingesellschafter Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler mitteilen. „Wir sind davon überzeugt, dass Kontinuität im Interesse unseres Unternehmens ist.“

Der 51-jährige Deller war seit 2009 Vorstandsmitglied bei Knorr-Bremse und in dieser Funktion für den weltweiten Nutzfahrzeugbereich verantwortlich. Zuvor hatte er leitende Positionen bei den Autozulieferern Brose und Bosch inne. Der Schaeffler-Aufsichtsratsvorsitzende Georg Schaeffler sagte im Februar, er sehe in Deller „eine herausragende Führungspersönlichkeit mit langjähriger Erfahrung in der Automobilindustrie“. Ein Unternehmenssprecher erklärte nach der Entscheidung am Mittwoch: „Es ist eher eine Entscheidung für Rosenfeld als gegen Deller.“

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Deller bekommt nun von den Franken einen Auflösungsvertrag. Wie umfangreich das Trostpflaster ausfällt, wollte Schaeffler nicht preisgeben. Zu Knorr kann Deller nicht mehr zurück, dort hat sein Nachfolger Hinrich Woebcken bereits das Sagen.

Die Position an der Spitze des Herzogenauracher Wälzlagerspezialisten Schaeffler war von Oktober bis Februar quasi unbesetzt. Dann übernahm Rosenfeld als Interimschef, der auch als einziges familienfremdes Mitglied in die Geschäftsführung der INA-Holding berufen wurde. Über die Gesellschaft hält die Familie ihre Beteiligungen an Continental und der Schaeffler Gruppe.

Vorstandschef Jürgen Geißinger hatte im Herbst die Chefposition vorzeitig räumen müssen, nachdem es zu Unstimmigkeiten mit den Eigentümern Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler gekommen war. Im Umfeld des Unternehmens hatte es geheißen, Geißinger habe zuletzt nicht mehr das Vertrauen von Maria-Elisabeth Schaeffler gehabt. Die Zusammenarbeit zwischen dem Manager und Frau Schaeffler habe sich deshalb schwierig gestaltet. Nun hat der neue Mann offenbar schon vor dem Amtsantritt das Vertrauen verloren.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.06.2014, 20:07 Uhr

"Zu Knorr kann Deller nicht mehr zurück, dort hat sein Nachfolger Hinrich Woebcken bereits das Sagen."

Vielleicht ist das sogar eine ganz böse Intrige, wie man sie selten sieht und nicht nur unglaublich bräsig. Das kann eigentlich nur richtig teuer und nicht mehr richtig gut werden.

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