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07.04.2006

14:00 Uhr

Familienbetriebe

Söhne und Neffen werden Nachfolger

VonPatrick Bernau

Rainer Zimmermann hat gerade seinen Masterabschluss in Gebäudetechnik an der Fachhochschule München gemacht, und müsste sich nun eigentlich mit den Folgen der lahmenden Baukonjunktur herum schlagen. Doch der junge Absolvent hat wie meisten Gebäudetechnik-Absolventen seinen Job im Familienbetrieb sicher.

KÖLN. Rainer Zimmermann hat gerade seinen Masterabschluss in Gebäudetechnik an der Fachhochschule München gemacht, und müsste sich nun eigentlich mit den Folgen der lahmenden Baukonjunktur herum schlagen. Doch der junge Absolvent hat seinen Job sicher: In der Installateurfirma Zimmermann und Sohn in Obing, dem Betrieb seines Vaters. "Jetzt kann ich den Kunden detailliert ihren Wärmebedarf berechnen", sagt Zimmermann. "Als Meister könnte ich das wahrscheinlich nicht. Und der FH-Abschluss klingt einfach besser." Es ist in Erfurt oder Berlin nicht anders als in München: Wer sich im Studium mit Heizungen und Lüftungssystemen beschäftigt, dessen Vater oder wenigstens der Onkel arbeiten mit großer Wahrscheinlichkeit in der Branche. Mit dem sicheren Einstieg in den Familienbetrieb sind viele Absolventen auch in Zeiten der Rezession versorgt. Den offenen Arbeitsmarkt erreichen sie erst gar nicht.

Das macht einigen Unternehmern Sorgen. Zum Beispiel Frank Hager, dem Juniorchef beim Münchener Ingenieurbüro Climaplan: "Es gibt zu wenige Absolventen. Wenn es mit der Bauwirtschaft wieder aufwärts geht, fehlen uns in ein bis zwei Jahren qualifizierte Kräfte", prophezeit er. Qualifiziert sind für ihn nur Absolventen mit einem Gebäudetechnik- oder Versorgungstechnik-Abschluss. Darum sind die Unternehmen froh über jeden spezialisierten Studiengang für die Gebäudetechnik. Als die Fachhochschulen in München und Nürnberg vor fünf Jahren Geld für ein neues Master-Angebot brauchten, fanden sich gleich 16 Firmen für einen Förderverein. Die Firmen hofften auf neuen Nachwuchs und mehr Mitsprache beim Stundenplan. "Wir können konstruktiv Einfluss auf die Inhalte nehmen und die Studenten schon bei Studien- und Diplomarbeiten betreuen", sagt Ludwig Geißinger, Vereinsvorstand und Geschäftsführer beim Versorgungstechniker "Kraftanlagen München".

Gebäudetechnik-Absolventen sind für die Firmen deshalb so wertvoll, weil sie Generalisten sind. Gerade in dieser Branche brauchten die Projektleiter Wissen aus vielen Disziplinen, sagt Prodekan Roland Kraus von der FH München. "In einem Gebäude sind viele Anlagen zusammenzuführen, zum Beispiel Kühlung, Frischwasser und Regenwasser. Man braucht jemanden, der den Überblick hat."

Damit die Absolventen praxistauglich sind, gehört zum Studium manchmal auch eine Berufsausbildung im Betrieb: Die Fachhochschulen in Erfurt, Trier und Wolfenbüttel bieten solche dualen Studiengänge an. An rund 25 Fachhochschulen gibt es Gebäudetechnik-Angebote ohne Ausbildung, oft auch unter Namen wie "Versorgungstechnik", "technisches Gebäudemanagement" oder "Gebäude- und Energietechnik".

An Universitäten dagegen ist das Angebot dünn. Die Technische Universität (TU) Berlin ist die einzige, bei der Gebäudetechnik mehr ist als eine Vertiefung des Maschinenbau-Studiums. "Nach dem Abitur hätte ich auch nicht gedacht, dass man tatsächlich Gebäudetechnik studieren kann", sagt Heiz- und Raumlufttechnik-Professor Dirk Müller. Die TU will ihren Studiengang in Zukunft Energietechnik nennen - in der Hoffnung, dass das für Abiturienten interessanter klingt.

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