Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2006

09:00 Uhr

HB WITTEN. Familienunternehmen bestimmen die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland. Gut drei Viertel aller Unternehmen sind diesem Typ zuzuordnen. Das Institut für Familienunternehmen an der Privaten Universität Witten/Herdecke hat ihre Besonderheiten in zehn Thesen herausgearbeitet:

1. Familienunternehmen definieren sich über den bestimmenden Einfluss einer Familie auf ihre Entwicklung. Aus diesem Einfluss (und nicht aus der Größe) erwachsen die Eigenarten dieses Unternehmenstyps.

2. Familienunternehmen sind erfolgreicher. Denn sie haben eine Familie an ihrer Seite. Vertrauen, Bindung und Loyalität bieten dem Familienunternehmen enorme Wettbewerbsvorteile - wenn es gelingt, die Familie als Ressource im Dienste des Unternehmens zu nutzen. Im Zweifelsfall gilt in Familienunternehmen: "Das Unternehmen geht vor!"

3. Sie sind gefährdeter. Denn sie haben eine Familie an ihrer Seite! Familienstreitigkeiten, Vertrauensverlust, enttäuschte Bindungen und Gefühle verratener Loyalität können dramatisch durchschlagen, das Unternehmen kann zum Opfer von Stammeskriegen werden. Die Gleichzeitigkeit der Mitgliedschaft in der Familie und im Unternehmen setzt die Beteiligten einem Spannungsfeld aus, das von Widersprüchen gekennzeichnet ist und sie verletzlich macht.

4. Familienunternehmen sind (potenziell) intelligenter. Leichter als börsennotierte Konzerne können sie sich frei machen von einer unternehmerisch oft schädlichen Logik kurzfristiger Gewinnorientierung. Auch können sie sich breit diversifiziert positionieren - dafür werden börsennotierte Unternehmungen mit Kursabschlägen bestraft, obgleich es die langfristige Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht.

5. Familienunternehmen sind vorsichtiger in der Inanspruchnahme von Fremdkapital und stärker an finanzieller Eigenständigkeit interessiert. Im Bedarfsfall haben sie es jedoch schwerer als Großkonzerne, Fremdkapital zu generieren. Darüber hinaus sind sie von Erbschaftssteuern betroffen.

6. Sie sind langfristiger orientiert, halten (länger) fest an ihren Gründungsmythen, bewährten Geschäftsprinzipien, gewachsenen Kunden- und Lieferantenbeziehungen und vor allen an ihren Mitarbeitern. Das begünstigt die Entwicklung von Kernkompetenzen und Vertrauensressourcen. Dieses Festhalten kann es aber auch erschweren, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren.

7. Familienunternehmen sind beratungsresistenter. Familien gehen auch in Unternehmensfragen oft davon aus, dass Probleme innerhalb der Familie gelöst werden sollten. Dies erklärt einerseits durchaus ihren Erfolg, doch die Kehrseite sind "Risiken und Nebenwirkungen", wenn externe Beratung neue Möglichkeiten eröffnen könnte.

8. Familienunternehmen übertragen familiäre Beziehungsmuster auf Führungskräfte und Mitarbeiter. So erfährt deren Tätigkeit eine höhere Sinnstiftung, auch die Identifikation mit dem Unternehmen wird gesteigert. Von diesen "emotionalen Zusatzausschüttungen" profitieren Unternehmen wie Mitarbeiter.

9. Familienunternehmen sind unternehmerischer. Sie sind geprägt von einem besonderen Gestaltungswillen, vom Streben, etwas Dauerhaftes zu schaffen, von der Orientierung am Kunden und der Bereitschaft, Risiken einzugehen. Je kleiner das Familienunternehmen, desto eher hängt es von der Führungsstärke, Innovationskraft und unternehmerischen Weitsicht einer Person ab - mit allen Vor- und Nachteilen.

10. Familienunternehmen sind wettbewerbsfähiger und langlebiger. Sie sind ein Erfolgsmodell, solange sie in der Lage sein, die Paradoxien zu meistern, die sich aus der Kopplung von Familie und Unternehmen ergeben. Immer wieder gilt es, die Balance zwischen Familien- und Unternehmensinteressen zu finden. Gelingt das, kommen die einzigartigen Ressourcen dieser Unternehmensform voll zum Tragen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×