Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2014

14:46 Uhr

Family Offices boomen in Amerika

„Die USA sind ein gutes Jagdrevier"

Immer mehr reiche Familien setzen auf Büros in Amerika, um ihr Vermögen zu mehren. Sie haben viel Geld, das bereit steht, um arbeiten zu können – von Familien, die es während der Finanzkrise geparkt haben.

Family Offices eröffnen vermehrt Außenstellen in den USA, zum Beispiel in New York. Reuters

Family Offices eröffnen vermehrt Außenstellen in den USA, zum Beispiel in New York.

DüsseldorfSchon seit fast fünf Jahren wird das Weltwirtschaftswachstum vor allem von den USA angetrieben. Um ihre Vermögen weiter zu mehren, setzen die Reichen der Welt zunehmend auf amerikanische Firmen. Mindestens ein Dutzend Family Offices, deren Vermögen aus Europa, Asien und Südamerika stammen, haben in den vergangenen zwei Jahren Außenstellen in den USA eröffnet oder investieren direkt in Firmen zwischen Silicon Valley und Ostküste. Sie sehen das Land gegenüber anderen Regionen im Vorteil – wegen der aggressiven geldpolitischen Lockerungen der Fed, des Schieferöl-Booms, der die Energiekosten drückt, und wegen verbesserter Unternehmensbilanzen.

Peca aus London wurde in den 90er-Jahren von einer Familie gegründet, deren Vermögen hauptsächlich aus der Finanzbranche stammt. Rund zwei Drittel ihrer Private-Equity-und Wagniskapital-Investitionen hat die Firma in den USA gemacht und zugleich ihr Engagement in Europa reduziert, sagt Anselm Adams, der bei Peca für alternative Anlagen verantwortlich ist.

Eine deutsche Familie, die ein Unternehmen im Bereich Automobile gegründet hat, hat in diesem Jahr ein Büro in New York eröffnet, um Transaktionen in den Branchen Automobile, Textil oder Luxusgüter anzubahnen, berichtet eine informierte Person.

So legen Vermögende ihr Geld an

Ab wann ist man „vermögend“?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gehört man bereits mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Das bedeutet, dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland vermögend sind. Durchschnittlich kommen sie auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsener.

Wie viel Vermögen hat der deutsche Durchschnittsbürger?

Das durchschnittliche Nettovermögen beträgt 115.000 Euro.

Wie viele Millionäre gibt es in Deutschland?

Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur ein Prozent der Erwachsenen, das sind rund 670.000 Menschen.

Wie wird man reich?

Ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden zeigt: Reichsein ist häufig das Ergebnis eines Lebenswerkes. Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sogar bereits in Rente. Und: Neben dem Alter ist vor allem der berufliche Status wichtig. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung.

Wie legen Vermögende ihr Geld an?

Durchschnittlich hat ein Vermögender in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro Fondsanteile sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien. Außerdem sind 199.000 Euro im Eigenheim angelegt und 202.000 Euro in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien.

Wie legt der Durchschnittsdeutsche sein Geld an?

Der durchschnittliche Erwachsene hat 12.000 Euro auf dem Sparkonto, 3.000 Euro Fondsanteile, 1.500 Euro Anleihen und 2.000 Euro Aktien sowie 54.000 Euro im Eigenheim und 27.000 in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien angelegt.

„Es geht ihnen um Diversifizierung und ein stärkeres Engagement in den USA“, sagt Patrick McCloskey, Managing Partner bei Aeterna Capital Partners. „Viele Familienfirmen wollen auch im Umfeld sehr niedriger Zinsen Rendite erzeugen und suchen nach einzigartigen und maßgeschneiderten Wegen, um das zu schaffen.“

McCloskeys Firma hat im vergangenen Jahr in New York ein Büro für reiche europäische Familien aufgemacht, die nach Anlagechancen in den USA Ausschau halten. Im September half er einem Kunden, eine Videodistributionsfirma zu finanzieren; der Kredit bringt Zinsen, die bis zu elf Prozent über der London Interbank Offered Rate (Libor) liegen.

Family Offices verwalten weltweit vier Billionen Dollar (3,2 Billionen Euro) an Vermögen, rund 55 Prozent davon außerhalb der USA, zeigt eine Studie des Londoner Marktforschers Campden Wealth von vergangenen Jahr. Eine Studie der Credit Suisse von diesem Monat stellt fest, dass der Reichtum 2013 vor allem in Großbritannien, Korea und Dänemark zugenommen hat.

Die USA, wo sich das Wachstum im dritten Quartal weiter beschleunigt hat, sind „ein Lichtblick in der Welt“, sagt Stephen Cecchetti, Professor für internationale Wirtschaft an der Brandeis International Business School in Waltham, Massachusetts. Während die Fed ihre monetären Stimuli zurückfährt, erwägt die EZB ein eigenes Programm der quantitativen Lockerung, um mit der schwächsten Inflation seit fünf Jahren fertig zu werden, und Japan setzt seine Stimuli fort.

Peca findet vor allem Wagniskapital-Transaktionen in den USA interessant, sagt Adams, der den Namen der Familie, für die er arbeitet, nicht nennen will. Das Unternehmen hat sich in diesem Jahr an dem Blumenlieferdienst The Bouqs und an dem Nachrichtenapp-Anbieter Circa beteiligt, beides Firmen in Privatbesitz und mit Sitz in Kalifornien. Das Family Office investiert normalerweise eine bis drei Millionen Dollar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×