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13.10.2014

09:35 Uhr

Feedback für die Führungskraft

Wie kritisiere ich meinen Chef?

VonLisa Hegemann

Kritik am Chef kommt nicht immer gut an. Der Managementberater Bernd Geropp erklärt im Interview, welche Fallstricke der Mitarbeiter beachten sollte – und wie der Vorgesetzte selbst reagieren muss.

Anschreien ist nie eine gute Methode der Kritik. Besonders dann nicht, wenn man Kritik am Chef üben will. Getty Images

Ein No-Go

Anschreien ist nie eine gute Methode der Kritik. Besonders dann nicht, wenn man Kritik am Chef üben will.

Wenn der Chef einen Fehler macht, fällt Kritik als Untergebener nicht immer leicht. Doch auch der Vorgesetzte braucht Feedback. Der Managementberater und Geschäftsführercoach Bernd Geropp beschäftigt sich seit Jahren mit solchen Themen. Im Interview gibt er Tipps, wie ich als Mitarbeiter den Chef angemessen kritisiere, warum manche Vorgesetzten kein Feedback erhalten und wann alle Kritik nichts mehr bringt.

Herr Geropp, wenn es in Unternehmen um Kritik geht, dann kommt sie oft aus einer Richtung: von oben nach unten. Darf ich meinen Chef denn umgekehrt auch kritisieren?
Prinzipiell ja. Es kommt allerdings darauf an, wie ich es mache und ich muss mir überlegen, ob es geschickt ist.

Wann wäre es denn nicht geschickt?
Wenn ich mich nur auskotzen will, sollte ich mir das gut überlegen.

Bernd Geropp berät Chefs und Manager. Bernd Geropp

Bernd Geropp berät Chefs und Manager.

Warum?
Weil ich mir selbst die Frage stellen muss: Wann nehme ich selbst Kritik an? Ich nehme dann Kritik an, wenn ich weiß, dass der andere mein Bestes will. Wenn ich meinen Chef ständig kritisiere und sage: „Chef, da haben Sie schon wieder das und das gemacht“, wird er mir nicht zuhören. Das will er nicht hören, das will ich umgekehrt ja auch nicht hören.

Was muss ich machen, damit er mir zuhört?
Ich muss mich selbst fragen, warum ich ihn kritisieren will und was ich damit erreichen will. Und ich muss ihm klar machen, dass ich ihm helfen will. Das geht nur über Vertrauen.

Ein großes Wort. Können Sie das konkretisieren?
Ich muss mir die Frage stellen: Akzeptiert mich mein Chef? Das beruht meistens auf Gegenseitigkeit. Wenn ich will, dass mein Chef meine Meinung akzeptiert, sollte ich meinen Chef selbst akzeptieren – mit allen seinen Schwächen und Macken. Ich muss nicht alles gutheißen, was er tut, aber ich muss es hinnehmen können. Ich muss ihn als Vorgesetzen akzeptieren. Das ist manchmal nicht einfach, das weiß ich aus eigener Erfahrung (lacht).

So geht Kritik am Chef

Vertrauen aufbauen

Nur, wenn der Vorgesetzte weiß, dass er Ihnen vertrauen kann, wird er Ihnen auch bei Ihrer Kritik vertrauen.

Unter vier Augen

Wenn Sie Kritik äußern möchten, machen Sie es in einem Zweiergespräch.

Erst loben, dann kritisieren

Wer seinen Chef immer nur kritisiert, wird ihn irgendwann nicht mehr dazu bringen können, sich zu ändern. Deshalb sollten Sie ihn auch auf Dinge ansprechen, die Ihnen positiv aufgefallen sind. Achtung: Positiv ist nicht gleich schleimen.

Subjektiv ist besser als objektiv

Machen Sie Ihrem Chef klar, wie die Situation bei Ihnen persönlich angekommen ist. Gegen einen Eindruck, den er erweckt hat, kann auch Ihr Vorgesetzter nichts einwenden.

Konkret werden

Eine pauschale Kritik bringt nichts. Sprechen Sie die konkrete Situation an, in der Ihr Chef einen Fehler gemacht hat oder über das Ziel hinausgeschossen ist.

Nur wenige Punkte ansprechen

Wenn Sie kritisieren, arbeiten Sie nicht gleich eine Liste mit zehn Punkten ab. Sprechen Sie nur ein oder zwei Punkte an, die Sie in der letzten Zeit gestört haben.

Warum ist das so wichtig?
Wenn ich ihm nicht vertraue, bringt es wenig, ihn zu kritisieren. Denn dann vertraut er mir höchstwahrscheinlich auch nicht und wird sich nicht ändern.

Was macht denn ein gutes Feedback aus?
Dass es konstruktiv und konkret ist. Ein Beispiel: Wenn ich meinem Chef sagen: „Sie schreien immer rum“, findet er mit Sicherheit eine Situation, in der er nicht geschrien hat. Und schon funktioniert meine Kritik nicht mehr. Wenn ich aber sage: „Lieber Chef, im letzten Meeting sind Sie aber laut geworden, das ist bei mir so und so angekommen.“ Dann kann er damit eher etwas anfangen.

Kommentare (1)

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Sergio Puntila

15.10.2014, 11:40 Uhr

Mit diesem Interview vermittelt sich fast 1:1 ein Führungsfiasko, das nur noch auf Stichworte wie "Verrat" und "Illoyalität" zu warten scheint.
Antiquierte Chefs mag es geben - mehr als man glauben mag: wer es aber mit solchen Leuten zu tun bekommen sollte kann getrost davon ausgehen, dass sein Chef von Führung lediglich das Zuckerbrot und die Peitsche zu kennen scheint.

Schlimm ist es nun wirklich nicht, sich mit empfehlig wirkenden, um nicht zu sagen, "geschickt" wirkenden Grußadressen an Chefs wenden zu wollen - es ist leider nur zu häufige Praxis in Unternehmen und vermag ohnehin vergiftet wirkende Hierarchien zusätzlich zu vergiften.

Dass so etwas auf Kennzahlen durchschlagen kann - geschenkt.

Dass hier allerdings Mitarbeiter- wie Chefimages als Regredienz fast anempfohlen werden, könnte einerseits zeigen, wie es auch zugehen könnte im Führungsgeschäft - es zeigt allerdings auch einen erschreckenden Grad von Entwicklungsbedürftigkeit in vielen Unternehmen.

Eine Firma, die sich von Ratgebern, wie dem Intrerviewten beraten ließe, dürfte allerdings vom Regen in die Traufe geraten - sollte das alles gewesen sein, was der Interviewte zum Thema zu sagen hatte.


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