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25.11.2016

07:41 Uhr

Feel-Good-Management

Wer braucht schon einen Wohlfühl-Beauftragten?

VonLisa Oenning

Feel-Good-Manager stellen Mitarbeiter zufrieden – und tragen so zum Unternehmenserfolg bei. Doch laut einer Studie suchen nur wenige Betriebe einen Wohlfühl-Beauftragten. Und wenn doch, soll der am besten Sekretär sein.

Das Wohlbefinden der Angestellten beeinflusst den Unternehmenserfolg. Getty Images

Feel-Good-Management

Das Wohlbefinden der Angestellten beeinflusst den Unternehmenserfolg.

DüsseldorfEine angenehme Arbeitsatmosphäre ist sein Auftrag, Empathie sein Werkzeug: Der Feel-Good-Manager hat jeden Mitarbeiter im Blick. Er sucht das Gespräch mit den Angestellten – will herausfinden, was sie bewegt. Er vermittelt zwischen Kollegen und schafft auf diese Weise eine Unternehmenskultur, in der sich Mitarbeiter voll und ganz auf ihren Job konzentrieren können. Sei es, indem der Wohlfühl-Beauftragte Workshops zur Selbstfindung organisiert, einen Obstkorb für die Belegschaft bestellt oder eine Mitarbeiterparty organisiert.

So weit das Idealbild. Doch obwohl das Feel-Good-Management seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit diskutiert wird, legen offenbar nur wenige Unternehmen Wert darauf: Analysten der Metajobsuchmaschine Joblift untersuchten im vergangenen Jahr fast acht Millionen Stellenanzeigen von über 1.000 Partnerbörsen und -webseiten.

Das ernüchternde Ergebnis: Nur 33 Betriebe schrieben Jobangebote für Feel-Good-Manager aus – darunter ein Großunternehmen. Die Hälfte waren Start-ups, zehn stammten aus der IT- und Digitalbranche.

Neue Studien zum Thema – Dem Stress auf der Spur

Aktiv sein statt rumhängen

Ein Arbeitsalltag wie im Hamsterrad: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung und der Krankenkasse Barmer GEK von 2015 stoßen 18 Prozent aller Arbeitnehmer häufig an ihre Leistungsgrenzen, 23 Prozent machen keine Pause, schaffen es nicht mehr, dem steten Druck zu entrinnen. Kein Wunder, dass der Wunsch, einfach einmal auf die Stopptaste zu drücken, groß wird. Doch von hundert auf null – das gelingt kaum, was am Stresshormon Kortisol liegt. Es macht unruhig, aggressiv und lässt sich nicht einfach wegmeditieren. Experten empfehlen daher, nicht auf der heimischen Coach, sondern lieber im Wald bei einer Joggingrunde oder einem Spaziergang zu entspannen. Laut einer Studie der Universität Essex in Colchester wirken sich bereits fünf Minuten in freier Natur nachweislich positiv auf die Psyche aus.

Kalorien verbrennen langsamer

Einige Gestresste mögen bei hektischem Alltag sogar das Essen vergessen – es sind aber die allerwenigsten. Die anderen dürfen hingegen schnell den Gürtel weiter schnallen: Verursacher des unerwünschten Effekts ist das Stresshormon Kortisol, das den Stoffwechsel verändert und zur vermehrten Fetteinlagerung führt – vor allem im Bauch- und Taillenbereich. Studien der Ohio State University von 2014 belegen, dass unter hoher Belastung weniger Kalorien verbrannt werden und der Insulinpegel ansteigt. Zudem wird das Verlangen nach kohlenhydrat- und fettreichen Speisen höher.

Typisch männlich, typisch weiblich

Zunehmend fühlen sich Frauen wie Männer den Belastungen in der Arbeitswelt nicht mehr gewachsen. Was die Geschlechter allerdings voneinander unterscheidet, ist die Art und Weise, auf die Belastung zu reagieren. Sorgt bei männlichen Managern ein hoher Stressfaktor eher für Herz-Kreislauf-Probleme, macht er Frauen anfällig für psychische Erkrankungen. Eine Studie der Techniker Krankenkasse belegt, dass Frauen im Beruf erheblich mehr unter Druck geraten, weil sie höhere Ansprüche an sich selbst stellen als ihre männlichen Artgenossen. Sie fühlen sich zudem unter wesentlich höherem „Performance-Druck“. In einer Untersuchung der Psychologen Marilyn Davidson und Cary Cooper räumten weibliche Führungskräfte ein, häufiger das Gefühl zu haben, besser als ihre männlichen Kollegen sein zu müssen. Hinzu kommt bei den meisten Frauen eine hohe Zusatzbelastung durch Haushalt und Kinderbetreuung. Ganz so gleichberechtigt werden diese Arbeiten nämlich nach wie vor nicht aufgeteilt. Typisch männliche Stressfolgen sind neben Herzinfarkt und Schlaganfall auch Übergewicht, hoher Blutdruck sowie erhöhte Cholesterinwerte. Die Risiken dafür steigen vor allem bei Managern, die wöchentlich mehr als 60 Stunden arbeiten.

Zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol

Die Gesellschaft wird schnelllebiger, die permanente Erreichbarkeit ist für viele selbstverständlich, selbst die Nachtruhe bringt längst nicht mehr die ersehnte Auszeit. Eine aktuelle Studie der Max-Grundig-Klinik in Bühl belegt, dass 27 Prozent aller Manager bis kurz vor dem Schlafen online sind, mehr als die Hälfte ein bis zwei Stunden vor der Nachtruhe. Auch das ist ein Grund dafür, dass mehr als jede zweite Führungskraft über Schlafprobleme klagt, der dauerhafte Stresspegel weiter ansteigt. „Es ist offensichtlich, dass der moderne Arbeitsstil, rund um die Uhr online zu sein, vielen Führungskräften die innere Ruhe raubt“, sagt Internist Curt Diehm. Beeinträchtigt wird der Schlaf in vielen Fällen allerdings auch vom Alkohol. Vier von zehn Chefs trinken abends in der Regel mehr als ein Glas Wein oder Bier.

Frust und mangelnde Anerkennung

Häufig entsteht Stress zwar im Arbeitsumfeld, aber nicht durch die schlichte Belastung. Wissenschaftler der Universität Helsinki gelang der Nachweis, dass die eigentlichen Auslöser des Alarmzustands negative Beziehungen und Emotionen sind. So setzt zum Beispiel eine dauerhafte Frustrationsspirale in Gang, wer sich ständig mit anderen vergleicht, beschreibt Michael Cohn von der Universität Michigan. Wer außerdem viel leistet, ohne dafür angemessen belohnt zu werden, hat ein doppelt so hohes Risiko, an Depression oder Herzinfarkt zu erkranken. Verursacher für Stress sind zudem mangelnde Anerkennung, zu wenig Kontrolle über das eigene Handeln und zu geringe Aufstiegschancen. Simone Wermelskirchen

Für Feel-Good-Managerin Gina Schöler sind diese Zahlen ein Beweis dafür, dass die Dringlichkeit eines Feel-Good-Managements noch nicht in das Bewusstsein der Unternehmer gedrungen ist. „Es ist nicht nur wichtig, dass es den Menschen am Arbeitsplatz gut geht. Feel-Good-Management ist auch wirtschaftlich nachhaltig und sinnvoll“, sagt Schöler. Sie hat die Kampagne „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ initiiert und gibt Workshops für Mitarbeiter und Führungskräfte zu den Themen Glück und Zufriedenheit. „Die geringe Zahl an vakanten Stellen ist ein Indiz dafür, dass mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden muss.“

Aber auch in den Unternehmen, die bereits Stellen ausschreiben, wie die Untersuchung zeigt. Nur ein Drittel der Jobs verfolgen den Zweck, das Betriebsklima zu verbessern. „Der Begriff Feel-Good-Manager scheint häufig eine beschönigende Beschreibung für assistierende und administrative Tätigkeiten zu sein“, heißt es seitens der Metajobsuchmaschine.

Ein Großteil dieser Konzerne ist offenbar auf der Suche nach einer besseren Sekretärin: 40 Prozent der Stellen sind dem Office-Management zuzuordnen. Die potenziellen neuen Mitarbeiter sollen den Empfang betreuen, Reisen buchen oder Termine planen – und in vielen Fällen auch eine kaufmännische Ausbildung oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium vorweisen können.

Bei anderen Stellenausschreibungen sollen die Wohlfühl-Beauftragten wiederum selber neues Personal rekrutieren. Und bei einigen wenigen Ausschreibungen gehören laut Studie Service- und Reinigungsarbeiten zum Aufgabenspektrum. „Putzen gehört definitiv nicht zu den Aufgaben“, sagt Schöler. „Aber natürlich kann man nicht ausschließen, dass ein Feel-Good-Manager auch mal die Umstrukturierung von Räumlichkeiten ins Auge fassen muss, damit sich die Mitarbeiter wohler fühlen.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.11.2016, 12:41 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

Frau Julia Feelgoodmanagement.com.de

29.11.2016, 16:21 Uhr

Meiner Meinung nach fehlt es hier bei vielen Unternehmen noch an Aufklärung über Feelgood Managamenent. Den Begriff gibt es erst seit einigen Jahren und dieser ist noch nicht in das Bewusstsein der Unternehmer gedrungen. Unternehmen die Feelgood Manager als Office Manager "missbrauchen" können sich vielleicht auch beide Stellen nicht gleichzeitig leisten und versuchen so zumindest Teilzeit einen Feelgood Manager zu beschäftigen. Ich würde das nicht so negativ deuten.

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