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04.10.2011

08:35 Uhr

Fehlentscheidungen

Manager fürchten Klagen wegen Missmanagement

VonMarcus Creutz

ExklusivImmer öfter sollen Ex-Manager für ihre Entscheidungen persönlich haften - und dreistellige Millionenbeträge zahlen. Das zeigen die aktuellen Fälle bei Siemens, Conergy und der WestLB.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wurde auf 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. dpa

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wurde auf 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt.

GarmischDeutsche Manager sollten riskante Entscheidungen künftig lieber noch einmal überdenken. Das Risiko steigt, auch noch Jahre nach dem Ausscheiden aus einem Unternehmen existenzgefährdende Schadensersatzforderungen zu erhalten. Das zeigen zahlreiche aktuelle Fälle. So hat der Solarhersteller Conergy gerade vier Ex-Vorstände auf 280 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Zum Vergleich: Siemens erhielt von einem Versicherungskonsortium für den auf Missmanagement seiner Führungskräfte beruhenden Milliardenschaden aus dem weltweiten Korruptionsskandal bislang 100 Millionen Euro.

Unternehmenseigner, Aufsichtsräte und Insolvenzverwalter verlieren die Scheu vor großen Schadensersatzsummen. Der Lkw-Hersteller MAN verlangt von Ex-Vorstandschef Hakan Samuelsson und seinen Kollegen 237 Millionen Euro Schadensersatz wegen Schmiergeldzahlungen in Kasachstan. 200 Millionen fordert die BayernLB vom Ex-Vorstand um Werner Schmidt wegen des Kaufs der maroden Hypo Alpe Adria. Und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg verklagte Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen des Verkaufs von Karstadt-Immobilien an die Oppenheim-Esch-Fonds auf 175 Millionen Euro Schadensersatz.

Auch die gestiegenen Schadensmeldungen bei den D&O-Versicherungen verdeutlichen, dass Verfehlungen von Ex-Vorständen nicht mehr hingenommen werden. Mit einer Ausnahme: Unternehmen aus der Finanzbranche tun sich schwer damit, die Sünden der Finanzkrise juristisch aufzuarbeiten.

Den Grund dafür nennt Michael Hendricks, Rechtsanwalt und Experte für Managerhaftung: „Die Schäden sind so gewaltig, dass die Versicherungssummen, die ihnen gegenüberstehen, geradezu zwergenhaft anmuten.“ Aufsichtsräte fragten sich, warum sie bei einem Milliardenschaden 30 Millionen Euro einklagen sollten. „Das bringt die Bank nicht weiter, weil die Vollstreckung bei den Vorständen ergebnislos bliebe. Deshalb verabschiedet sie sich lieber von den Managern und wartet auf bessere Zeiten – soweit das rechtlich vertretbar ist“, sagt Hendricks. Außerdem steckten Aufsichtsräte von Banken mit in der Haftung. „Sie haben die komplizierten Verbriefungen mitabgezeichnet. Einige haben blind auf die Aussagen ihrer Vorstände vertraut und pflichtwidrig ihre Unterschrift geleistet.“

Kommentare (4)

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SCHROEDERVASALLEN

04.10.2011, 13:11 Uhr

Endlich werden nicht nur Supermarkt-Verkäuferinnen wegen eines aufgehobenen Flaschenbons verklagt und gekündigt, sondern die Millionen- und Milliarden-Veruntreuer in Nadelstreifen zu ihrer verdienten Verantwortung gezogen.

Der Schaden, den diese hochdotierten Herren für unsere Deutsche Volkswirtschaft und unsere Soziale Marktwirtschaft angerichtet haben, ist immens.

Auch hier hat wieder die SPD als ganzes, aber in diesem Fall die Schröder-Vertraute aus Hannover, die Justizministerin Zypries total versagt. Brioni-Anzüge waren wichtiger als die Soziale Marktwirtschaft. Schröder-Vasallen
hocken immer noch an den Schalthebeln der SPD, Steinmeier und Steinbrück.

PolitischInkorrekt

04.10.2011, 14:53 Uhr

Versicherungen gegen Manager-Versagen sind der falsche Ansatz, weil sie verhindern, daß sich die Management-Ebene - endlich - mit dem befasst, was wichtig ist: die langfristige (!), auf den Erhalt und die Entwicklung des Unternehmens gerichtete Strategie - und nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung, bei der die Verantwortung für das Unternehmen und dessen Belegschaft nicht einmal ansatzweise zur Kenntnis genommen wird. Nur wenn diese "Manager" persönlich in die Verantwortung/Haftung genommen werden und ihr Versagen nicht auf eine Versicherung abgewälzt werden kann, werden wir in unserer Gesellschaft wieder vorankommen. Verantwortung übernehmen und nicht die Schuld auf andere abwälzen, das muß die Devise sein!

TRICKSinNADELSTREIFENverpackt

04.10.2011, 19:00 Uhr


@ PolitischInkorrekt:
" Versicherungen gegen Manager-Versagen sind der falsche Ansatz, weil sie verhindern, daß sich die Management-Ebene - endlich - mit dem befasst, was wichtig ist:...."

Danke für den Hinweis! Sie haben leider Recht, jetzt tricksen uns die Herren in Nadelstreifen schon wieder aus.
Jetzt können wir Verbraucher auch noch die Versicherung mitbezahlen.

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