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21.01.2010

09:07 Uhr

Ferdinand Piëch

Lehrreiche Stippvisite in der alten Heimatstadt

VonStefan Menzel

Der große Mann der deutschen Autoindustrie sucht den Kontakt zum Nachwuchs: In seinen Gastvorlesungen an der Technischen Universität Wien verrät VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, wie er Volkswagen groß und erfolgreich gemacht hat. Unter den Studenten überwiegt der Respekt vor dem prominenten Gast.

Ferdinand Piëch gibt seine Erfahrungen an Studenten der Technischen Universität Wien weiter. dpa

Ferdinand Piëch gibt seine Erfahrungen an Studenten der Technischen Universität Wien weiter.

WIEN. Irgendetwas ist anders im Hauptgebäude der Wiener Technischen Universität. Im Treppenhaus gleich am Eingang steht der L 1, das Ein-Liter-Auto von Volkswagen. Im Innenhof reiht sich ein Modell aus dem VW-Konzern an das andere. Audi, Skoda, Bentley – fast alle Marken sind vertreten.

Ferdinand Piëch hat gleich ein paar Ausstellungsstücke mitgebracht. „Guten Morgen, meine Damen und Herren“, begrüßt der VW-Aufsichtsratschef seine Zuhörer. Piëch ist auf Heimatbesuch in seiner Geburtsstadt. Allerdings nicht, um irgendwelche Geschäfte für VW zu regeln. Der mächtige Volkswagen-Mann, selbst gelernter Techniker, will seine Erfahrungen an herangehende Ingenieure weitergeben, der 72-Jährige ist als Gastdozent an die TU Wien gekommen.

„Innovationsmanagement“, so lautet das Thema von Piëchs Vorlesung. Der Inhalt ist gut zu verstehen. Der VW-Aufsichtsratschef gibt sich nicht als großer Theoretiker, sondern als Mann der Praxis. Er erzählt davon, was Volkswagen in den vergangenen Jahren groß und ziemlich erfolgreich gemacht hat.

Besseres Design, mehr Elektronik und auch die Markenpflege über den Rennsport: Das sind für Piëch wichtige Faktoren, um im Wettbewerb zu bestehen.

Kaum einer der Studenten schreibt mit, aber sie hören aufmerksam zu. Einige von ihnen machen sogar Fotos von dem berühmten Manager, der vorn am Pult steht und ihnen etwas über den Volkswagen-Konzern erzählt. Danuta aus Polen, eine der wenigen Frauen im Raum, kann sich für den Vortrag begeistern. „Das lohnt sich unbedingt“, sagt sie.

Ferdinand Piëch ist ein bedächtiger und behutsamer Dozent. Er schaut regelmäßig auf sein Manuskript, alles soll stimmen und korrekt sein. Nur einmal hat er nicht aufgepasst: Sein Handy klingelt. „Das habe ich vergessen auszuschalten“, entschuldigt er sich bei seinen Zuhörern.

Piëch nimmt Rücksicht auf seine Studenten und legt regelmäßige Pausen an diesem langen Vormittag ein. Jede halbe Stunde macht er eine Unterbrechung und gönnt sich und seinen Zuhörern eine Erholung.

In den Pausen ist dann noch etwas anders an diesem Tag in der Wiener TU. Die Studenten suchen keinen Kontakt zu Piëch, wie sie es bei jedem anderen Professor normalerweise tun. Wahrscheinlich ist der Respekt vor dem großen Mann der Autowelt einfach zu groß.

Kommentare (2)

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Bernd Reisinger

21.01.2010, 15:28 Uhr

ich verstehe die Studenten sehr gut. Piech bin ich zweimal persönlich begegnet in meinem Leben und jedesmal war es mir nicht wohl dabei ihm gegenüber zu stehen.
Er hat eine merkwürdige Ausstrahlung, manchmal wie in Trance - in einer anderen Welt schwebend - wirkt Piech, spricht langsam und bedächtig, die Augen funkeln listig und vermeiden den Kontakt mit seinem Gesprächspartner. Genie und Wahnsinn schießt einem durch den Kopf, das strahlt Piech aus. Unheimlich, ja, das Wort trifft es gut.
bei Piech fühlt man sich auf Distanz wohler.

Mario Rossetti

25.01.2010, 22:21 Uhr

Herr Prof.Piech ist und bleibt höchstwahrscheinlich eine Ausnahme in unserer Wirtschaft.
Er ist einer der ganz wenigen, der die außergewöhnliche Fähigkeit besitzt, die ganz großen Zusammenhänge zu sehen und auch noch eine Vision daraus zu schaffen.Nur ein Visionär ist und bleibt der wahre Realist. Er befindet sich jetzt schon in der automobilen Zukunft daheim.

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