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09.06.2016

19:29 Uhr

Finanzchefin Menne hört auf

Schwerer Verlust für die Lufthansa-Spitze

VonJens Koenen

Sie gilt als eine starke Frau im Vorstand der Airline, selbstbewusst und unabhängig. Nun verlässt Simone Menne das Unternehmen. Sie hat um die vorzeitigen Beendigung ihres Vertrags gebeten, um sich weiterzuentwickeln.

Zum 31. August 2016 will die Lufthansa-Finanzchefin aufhören. dpa

Simone Menne

Zum 31. August 2016 will die Lufthansa-Finanzchefin aufhören.

FrankfurtImmer wieder waren die Gerüchte in den vergangenen Monaten hochgekommen. Simone Menne, seit Juli 2012 Finanzchefin von Europas größter Fluggesellschaft, habe Abwanderungsgelüste. Bestätigt wurden solche Spekulationen bislang nicht – bis zum Donnerstagabend. Menne habe den Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG um eine vorzeitige Beendigung ihres Vorstandsvertrages zum 31. August 2016 gebeten, um eine Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung nutzen zu können, teilte der Konzern schriftlich mit.

Das Ausscheiden hatte sich angekündigt, nicht nur durch die monatelangen Gerüchte. Vor allem Menne selbst hat dafür gesorgt, dass jedem klar war: Der Posten als Finanzchefin ist für sie nur eine Zwischenstation. Die 56-Jährige will mehr. Sie will den Chefposten.

„Natürlich traue ich mir die Position als CEO zu, es geht dabei gar nicht um meine Person. Mir geht es um eine hierzulande längst überfällige Veränderung im Denken. In der Politik ist es selbstverständlich, dass Frauen Spitzenpositionen besetzen. In der Wirtschaft ist das leider immer noch anders“, sagte sie im vergangenen Jahr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Umgehend wurde diese Aussage von einigen Lufthanseaten dahingehend interpretiert, sie wolle Lufthansa-Chef Spohr beerben, was Menne aber klar dementierte.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Unternehmenskreise berichten, dass Menne in den zurückliegenden Monaten bereits mehrfach mit Wolfgang Mayrhuber, Aufsichtsratschef der Airline, über ihre Zukunft gesprochen hat. Mayrhuber habe alles versucht, die Managerin zu halten. Vor allem die Kapitalseite im Kontrollgremium schätzt Menne. Sie ist nicht nur eine ausgewiesene Finanzexpertin. Sie ist auch eine starke Persönlichkeit, die ein guter Gegenpol zu Spohr ist. „Das heißt nicht, dass sich beide nicht verstehen. Aber mehrere starke Persönlichkeiten im Vorstand fördern die Diskussion über wichtige Entscheidungen“, beschreibt ein Insider die Situation.

Das Bedauern Mayrhubers über Mennes Entscheidungen ist aus seinem am Abend publizierten Statement auch deutlich abzulesen: „Mit exzellenten Leistungen hat sie in sehr anspruchsvollen Zeiten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Lufthansa Group geleistet. Sie hat Kurs gehalten und ist auch schwierigen Entscheidungen nie ausgewichen“, so der Aufsichtsratschef. Und weiter: „Wir verlieren eine erfahrene Managerin, die sich im Laufe ihrer langen Lufthansa-Karriere in unterschiedlichen Geschäftsfeldern und Funktionen im In- und Ausland um das Unternehmen sehr verdient gemacht hat.“

Zu welchem Unternehmen Menne wechselt, ist bislang nicht bekannt. Über ihre Nachfolge bei Lufthansa will das Kontrollgremium „zeitnah“ entscheiden.

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