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15.03.2012

09:52 Uhr

Finanzdienstleister

Maschmeyers Rolle als Sündenbock

VonThomas Schmitt

Der Gründer ist innerhalb des Finanzvertriebs zur unerwünschten Person geworden. Der AWD hat sich zwar von Carsten Maschmeyer offiziell abgenabelt. Doch viele seiner Anhänger wollen das immer noch nicht wahrhaben.  

Ein Bild aus früheren Zeiten: Carsten Maschmeyer vor dem AWD-Logo. ap

Ein Bild aus früheren Zeiten: Carsten Maschmeyer vor dem AWD-Logo.

Düsseldorf„Maschmeyer“? Wer im Internet auf awd.de den Namen des Firmengründers in die Suchmaske eintippt, erhält diese Antwort: „Zu Ihrer Suchanfrage wurden keine übereinstimmenden Dokumente gefunden.“ Angefügt ist nur ein freundlicher Hinweis: „Einen Berater in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Beratersuche.“ 

Das Ergebnis ist kein Zufall. Wenn man in den Pressemitteilungen des Strukturvertriebs wühlt, finden sich nur Ergebnisse bis 2008. Die Informationen aus den 20 Jahren, in denen Maschmeyer den AWD führte, sind nicht mehr auffindbar. Genauso wenig wie eine AWD-Historie. 

Und selbst aus dem Jahr 2008 gibt es nur vier relativ nichts sagende Pressemitteilungen: über Professor Bert Rürup, einen Sieg im Pressestellentest, eine stärkere Marktposition und eine dürftige Information über die Hauptversammlung.

Maschmeyer und die Fußball-Connection

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist 2012 unter die Buchautoren gegangen. „Selfmade - erfolg reich leben“ (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Hier Teil 2 der wichtigsten Ausschnitte.

Über den ersten Sportsfreund

Durch den Sport habe ich viele Menschen kennengelernt. Frank Pagelsdorf, ehemals Libero von Borussia Dortmund und dann erfolgreicher HSV-Trainer, war schon vor über 25 Jahren mein Kunde.

Über Mirko Slomka

Durch Pagelsdorf und natürlich durch meine Nähe zu Hannover 96 lernte ich etliche Spieler kennen. So entstand auch eine Freundschaft mit Mirko Slomka, der damals noch Co-Trainer von Hannover 96 war; gemeinsam haben wir schon mehrmals Familienurlaub gemacht.

Über Jogi Löw

Auf einer Sportgala lernte ich durch ihn Jogi Löw kennen, mit dem jede Begegnung eine Bereicherung ist.

Über Borussia Dortmund

Mit meiner damaligen Firma stiegen wir 2008 als Champions-League-Sponsor bei Borussia Dortmund ein. Von Anfang an hielten Borussen-Chef Hans-Joachim Watzke und ich Kontakt. Zuerst lud er mich ein, dann ich ihn. Daraus ist eine enge Beziehung entstanden – auch wenn die Sponsorschaft längst wieder beendet ist und ich meine Firmenanteile verkauft habe. Mittlerweile treffen wir uns auch ganz privat zu Hause.

Über das Wiedersehen

Geht es Ihnen nicht auch so: Wenn ich jemanden kennenlerne, den ich sympathisch finde, überlege ich fast automatisch, wann und wo ich diesen Menschen wiedersehen könnte. Um solche Wiederbegegnungen nicht dem Zufall zu überlassen, habe ich mir ein einfaches und effektvolles Verfahren abgeschaut: Ich nehme alle Menschen, die mich besonders interessieren, in meine Geburtstags- und Kontaktdatei auf.

Über das Pflegen von Freunden

Sobald ich jemanden kennengelernt habe, den ich besonders nett oder spannend finde und bei dem ich das Gefühl habe, dass das auf Gegenseitigkeit beruht, bekommt er oder sie von mir einen Brief, eine E-Mail, eine SMS oder einen Anruf. SMS oder Anruf innerhalb von 24 Stunden, E-Mail oder Brief innerhalb einer Woche.

Über In-Vorleistung-Gehen

Langfristige Beziehungen sind wichtiger als kurzfristige Vorteile. Gehen Sie ruhig auch einmal in Vorleistung: „Wen darf ich dir vorstellen, wen möchtest du kennenlernen?“ So baut der andere quasi Kontaktschulden bei Ihnen auf. Später haben Sie einen gut bei ihm – also ein Kontaktguthaben.

Über Kontakt-Zulasser

Zu den Personen, die ich meine Kontakt-Zulasser nenne, etwa Sekretärinnen oder Assistentinnen, bin ich gerne besonders freundlich. Gelegentlich überreiche ich ihnen auch eine kleine Aufmerksamkeit. Diese wichtigen Menschen lassen nämlich zu (oder auch nicht), dass Sie telefonisch durchgestellt werden oder schnell einen Termin bekommen.

Über Sekretärinnen

Sekretärinnen sind Türöffner oder Türschließer. Mit einem besonders freundlichen Wort oder mal Pralinen können Sie einen „Sesam öffne dich“-Dank aussprechen. Unterschätzen Sie nicht die enorme Macht der Kontakt-Zulasser.

Dabei war 2008 sowohl für Maschmeyer als auch den AWD ein überaus bemerkenswertes Jahr. Beide bestimmten zusammen mit dem neuen Eigentümer Swiss Life die Schlagzeilen, weil der Schweizer Versicherer zusammen mit Carsten Maschmeyer den Konkurrenten MLP gegen dessen Willen übernehmen wollte. Doch darüber ist bei awd.de nichts zu finden. 

Der Gründer, der den AWD groß und stark gemacht hat, ist in dem Finanzvertrieb zur unerwünschten Person geworden. „Wir haben uns abgenabelt“, sagt AWD-Deutschland-Chef Götz Wenker: „Wir haben nichts gegeneinander, aber die Ära ist vorbei.“ 

Insider drücken das wesentlich drastischer aus. Schon länger werde intern gegen Maschmeyer „negativ kommuniziert“, heißt es in Branchenkreisen. Manche würden sich das „Maul“ zerreißen über Maschmeyer. 

AWD-Gründer: Maschmeyer packt aus - auch über Wulff

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Maschmeyer packt aus - auch über Wulff

Der Verkauf von Fonds und Versicherungen hat ihn reich gemacht - und manche Kunden arm.

Das Problem des AWD-Managements: Maschmeyer hat sich zum bestmöglichen Zeitpunkt aus dem AWD zurückgezogen. Der Strukturvertrieb dagegen hat selbst jede Menge Probleme. Immer mehr Anleger klagen, vor allem in Österreich, aber auch in Deutschland. Da könnte eine Kostenwelle auf den Finanzvertrieb zurollen. Gleichzeitig sind die Zahlen schlecht. Berater sind demotiviert, die Umsätze mager, die Gewinnmargen ohnehin.

In den letzten vier Jahren haben die neuen AWD-Manager versucht, das Ruder an sich zu reißen. Doch das gelang nicht besonders erfolgreich. Naheliegend scheint es da, dem umstrittenen Gründer alles in die Schuhe zu schieben, was schlecht läuft. 

Kommentare (15)

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Mazi

15.03.2012, 10:29 Uhr

Die Überschrift sollte wohl falsch gewählt sein.

Wer so kaltschnäuzig die Leute um Erspartes bringt, hat an und für sich eine andere Überschrift verdient.

oops

15.03.2012, 11:19 Uhr

Ein Taschentuch bitte (ein Stofftaschentuch!), um die Tränchen abzuwischen: Angst vorm cm, was macht man eigentlich bei einer Parsek?
Und dann noch eins für den "sündenbock".
Das mit dem Bock mag ja noch hingehen...

Frank

15.03.2012, 11:38 Uhr

Der AWD sollte abgewickelt werden. Das Unternehmen ist verbrannt, nachdem der Kunde nach Jahren erfahren hat, wie er systematisch betrogen wurde. Maschmeyer ist der Erfinder des AWD-Systems und größter Nutznießer. Bedauerlich, dass solche Machenschaften in Deutschland kein juristisches Nachspiel haben. Aber dafür ist Maschmeyers Korruptions-Netzwerk wohl zu gut.

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