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05.01.2007

15:59 Uhr

Finanzfrauen

Die Rakete der Wall Street

VonTorsten Riecke

Ihr Ruf eilt ihr wie Donnerhall voraus. "Cruz Missile" wird die 51-jährige Zoe Cruz an der Wall Street genannt. Was der Co-Präsidentin von Morgan Stanley diesen Spitznamen eingebracht hat, ist allerdings nicht ganz klar.

Die Harvard-Absolventin und jetzige Co-Präsidentin von Morgan Stanley, Zoe Cruz, gibt mittlerweile selbst Studenten Tipps für die Karriere. Foto: AP

Die Harvard-Absolventin und jetzige Co-Präsidentin von Morgan Stanley, Zoe Cruz, gibt mittlerweile selbst Studenten Tipps für die Karriere. Foto: AP

NEW YORK. Für die einen ist es ihre unverblümte Offenheit. Andere führen das Etikett darauf zurück, dass Cruz seit nunmehr 25 Jahren zielstrebig und unbeirrt den Erfolg sucht - für ihre Investmentbank und für sich selbst.

In beiden Fällen hat sie ihre Ziele nahezu erreicht. Für Morgan Stanley erwirtschaftete die Bankerin 2005 mit dem Handelsgeschäft fast 40 Prozent der Konzerneinnahmen. "Zoe hat während ihrer mehr als 24 Jahre bei der Firma erfolgreich Geschäftsbereiche aufgebaut und (gute) Resultate geliefert", sagte Morgan-Chef John Mack, als er Cruz im Februar vergangenen Jahres zusammen mit Robert Scully zu Präsidenten der Investmentbank berief.

Mit einem Bonus von fast 20 Mill. Dollar im vergangenen Jahr gehört die ehrgeizige Managerin zu den am besten bezahlten Frauen an der Wall Street. In der "Forbes"-Hitliste der mächtigsten Damen der Welt liegt die eher unscheinbar wirkende Finanzfrau auf Platz zehn.

Die Laufbahn der "Cruz Missile" ist jedoch nicht immer so gradlinig verlaufen, wie ihre Erfolge es erscheinen lassen. Als sie am Anfang ihrer Karriere bei einer Beförderung übergangen wurde, heulte sie sich zunächst die Augen aus, bevor sie sich bei ihrem Boss mit den Worten beschwerte: Sie wolle nicht als einfache Mitarbeiterin Karriere machen. "Wenn ich emotional auf Dinge reagiert habe, sind mir die meisten Fehler unterlaufen", bekannte die Managerin später freimütig vor 350 Studenten der Harvard Business School.

Dauerhaft geschadet hat ihr der Gefühlsausbruch jedoch nicht. Als Co-Chefin des Devisengeschäfts setzte Cruz ihren Aufstieg zwischen 1993 und 2000 fort und knüpfte enge Kontakte zu Großinvestoren wie George Soros. Ab 2000 leitete sie mit dem Geschäftsbereich "Fixed Income" das eigentliche Kraftzentrum von Morgan Stanley und führte die Bank zurück in das lukrative Geschäft mit der Verbriefung von Hypotheken. Den Nachwuchstalenten in Harvard gab die gelernte Literaturwissenschaftlerin drei Ratschläge mit auf den Karriereweg: selbstbewusst sein, die Spielregeln befolgen und Mehrwert beisteuern.

Wie schwierig es jedoch manchmal ist, die Balance dabei zu behalten, hat die Harvard-Absolventin schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Als sich im Frühjahr 2005 bei Morgan Stanley eine Palastrevolte formierte, schlug sie sich auf die Seite des damaligen Chefs Philip Purcell und soll die Kritiker mit nicht ganz stubenreinen Ausdrücken bedacht haben.

Viele Kollegen reagierten überrascht und verbittert, dass ausgerechnet die risikobewusste Cruz den Bürokraten Purcell unterstützte. Schnell kam der Verdacht auf, dass die forsche Bankerin mehr an ihre Karriere als an das Wohl der Bank gedacht habe. Purcell dankte ihr die Loyalität mit einer Beförderung und machte sie zu seiner möglichen Nachfolgerin.

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