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28.01.2009

15:07 Uhr

Finanzkrise

Kenneth Lewis – der gefallene Held

VonNicole Bastian

Kenneth Lewis ist das Paradebeispiel dafür, wie schnell sich die Zeiten in der Finanzkrise ändern. Der Chef der Bank of America wurde unlängst noch als „Banker des Jahres 2008“ von der Zeitschrift American Banker gekürt, nun muss der 61-Jährige plötzlich um seinen Job zittern.

Kenneth D. Lewis, Chef der Bank of America. Foto: dpa dpa

Kenneth D. Lewis, Chef der Bank of America. Foto: dpa

NEW YORK. Auf einmal läuft für den einst noch gefeierten Krisen-Helden Kenneth Lewis alles schief: Seine zunächst gefeierten Übernahmen aus dem vergangenen Jahr – der Hypothekenfinanzierer Countrywide und vor allem die Investmentbank Merrill Lynch – haben sich zum potenziellen Karrierekiller entwickelt. Nach der Entlassung von Ex-Merrill-Chef John Thain läuft jetzt auch Lewis Gefahr, seine Karriere in einer Schlammschacht enden zu sehen.

Die Frage, die sich derzeit Wertpapieraufsicht und Aktionäre der Bank of America stellen, lautet: Wie viel wusste Lewis wann von den mehr als 15 Mrd. Dollar hohen Verlusten von Merrill Lynch im vierten Quartal? Verkündet wurden sie erst Mitte Januar, aber schon im Dezember bat Lewis mit eben dieser Begründung um zusätzliche Kapitalhilfen des Staats. Doch hätte er nicht schon bei der entscheidenden Hauptversammlung Anfang Dezember, bei der die Aktionäre der Bank of America der Übernahme zustimmten, die Entwicklung absehen müssen?

Hätte er, legte gestern ein enttäuschter Ex-Merrill-Chef Thain in einem Interview nahe. Das Management der Bank of America habe genau zu dem Zeitpunkt über die Verluste Bescheid gewusst wie er. Grund der Verluste seien zudem Anlagen gewesen, die schon lange auf der Merrill-Bilanz gewesen seien – mit anderen Worten, die Lewis und sein Team bei der 50 Mrd. Dollar schweren Übernahme hätten sehen müssen.

Mehr und mehr scheint es, dass sich Lewis, der Meister der Integration, mit dem Kauf von Merrill verhoben hat. In seinen 40 Jahren bei der Bank of America beziehungsweise deren weitaus kleineren Vorgängerinstituten hat Lewis eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen, hat mitgebaut an dem Aufstieg der Bank zum nationalen Finanzanbieter. Doch dabei ging es um die Integration von Privat- und Firmenkundenbanken. Das Geschäft mit dem kleinen Kunden ist die Welt des Mannes, dessen Ehrgeiz ihn vom Wirtschaftsabsolventen einer Provinzuni zu einem der mächtigsten US-Banker aufstiegen ließ. Die New Yorker Investmentbanker hingegen waren dem kantigen Lewis schon immer suspekt. Nur weil er den Kauf von Merrill als einmalige Chance wertete, schlug er im September zu.

Doch noch sollte niemand Lewis abschreiben: Er ist ein Kämpfer und erzählt gerne die Anekdote, als er fünf Jahre alt war und ihn zwei Brüder verprügeln wollten. Seine Mutter nahm die beiden zur Seite und stellte klar, dass ihr Sohn sich gerne mit ihnen prügele – aber bitte nacheinander, Mann gegen Mann. Als Lewis sieben wurde, ließen sich seine Eltern scheiden. Mit Gelegenheitsjobs unterstützte er während der Schulzeit seine allein erziehende Mutter, charakterisiert sich selbst als „rauflustigen Under-dog“. Einer wie Lewis kann und will seinen Konzern, in dem er vier Jahrzehnte gearbeitet hat, jetzt in einer so zentralen Zeit nicht verlassen. Er wird darum kämpfen, dass er dies nicht muss.

Zudem scheint ähnlich wie an der Spitze der Citigroup einfach keine Alternative in Sicht, die die Bank of America, die im vierten Quartal auch ohne Merrill Geld verloren hat, aus dieser schwierigen Situation führt. Dies und der Wunsch nach Stabilität dürfte Lewis zugute kommen. Aus dem Schneider ist er damit nicht: Jeder verlorene Dollar bei Merrill wird Lewis zugeschrieben und die Integration der stolzen Merrill-Broker, dürfte kaum leichter werden durch die Schlammschlacht zwischen Thain und Lewis.

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