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04.04.2013

06:19 Uhr

Firmen-Übernahmen

Nur ein zartes Pflänzchen Hoffnung

VonMartin Dowideit, Christof Kerkmann

Warren Buffett kauft Heinz Ketchup, Gerüchte über eine Übernahme Vodafones machen die Runde: Das Geschäft mit Mega-Übernahmen scheint Konjunktur zu haben. Doch gegen die Fusionsdürre kommen nur wenige Pflänzchen an.

Ein zartes Pflänzchen Hoffnung. dpa

Ein zartes Pflänzchen Hoffnung.

DüsseldorfEs war ein heftiges Dementi, mit dem der US-Telekomkonzern Verizon am Dienstagabend auf Gerüchte reagierte, Interesse an einer Übernahme des britischen Mobilfunkers Vodafone zu haben. Es gebe keine Absichten, ein Kaufangebot vorzulegen, hieß es. Zuvor hatte die britische Financial Times in einem Blog berichtet, dass die Amerikaner eine Vodafone-Übernahme gemeinsam mit dem Rivalen AT&T planten.

Das Hin und Her schickte die Aktien auf eine Berg- und Talfahrt. Doch selbst wenn es nur ein Gerücht war: Die Tatsache, dass einer solchen möglichen Mega-Fusion Glauben geschenkt wird, hängt mit einigen großen angekündigten Firmenübernahmen in den vergangenen Wochen zusammen. Doch das Bild trügt: Die Trockenzeit der Firmenübernahmen ist nach Jahren der Finanzkrise immer noch nicht wirklich beendet. „Es wird in diesem Jahr weltweit einen Rückgang bei den Übernahmeaktivitäten geben“, prognostiziert Prof. Christopher Kummer vom Institute of Mergers, Acquisitions and Alliances (IMAA) in Wien.

Größte Investmentbanken im globalen Fusionsgeschäft

Rang 10

Deutsche Bank

41 Milliarden Dollar*

(-61 Prozent gg. Vorjahr)

*alle Zahlen: Betreutes Übernahmevolumen weltweit im 1. Quartal 2013 / Quelle: Merger Market

Rang 9

Centerview Partners

48 Milliarden Dollar

(+631 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 8

Citi

52 Milliarden Dollar

(-49 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 7

Barclays

55 Milliarden Dollar

(-51 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 6

Morgan Stanley

57 Milliarden Dollar

(-41 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 5

Credit Suisse

69 Milliarden Dollar

(-27 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 4

Lazard

70 Milliarden Dollar

(+132 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 3

Bank of America Merrill Lynch

90 Milliarden Dollar*

(+43 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 2

Goldman Sachs

104 Milliarden Dollar

(-14,5 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 1

JPMorgan

124 Milliarden Dollar*

(+6,5 Prozent gg. Vorjahr)

*alle Zahlen: Betreutes Übernahmevolumen weltweit im 1. Quartal 2013 / Quelle: Merger Market

Auf Kauftour waren zwar zuletzt Warren Buffett, der gemeinsam mit dem Investor 3G Capital den Lebensmittelhersteller Heinz für 27 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro) schluckt. Der Gründer des PC-Herstellers Dell, Michael Dell, will die Firma gemeinsam mit einem Partner von der Börse nehmen und der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global kauft die britische Virgin Media für 21,8 Milliarden Dollar.

Am Mittwoch hieß es, dass der brasilianische Pharmakonzern Ache für mehr als fünf Milliarden Dollar den Besitzer wechseln könnte – Konkurrenten wie Novartis, Pfizer und Abbott stünden Schlange. Und der US-Gentechnikspezialisit Life Technologies könnte gar elf Milliarden Dollar einbringen, derzeit hat wohl der Laborausrüster Thermo Fischer die Nase vorn.

Stellenabbau im Investment-Banking

Royal Bank of Canada

Die Royal Bank of Canada ist eines der wenigen Geldhäuser, welches das Investment-Banking ausbaut. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von Ende 2011 bis Jahresende 2012 um 0,7 Prozent.

Goldman Sachs

Die US-Großbank Goldman Sachs reduzierte 2012 die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 2,7 Prozent.

JP Morgan

Die Wall-Street-Bank reduziert ihr Investment-Banking um 3,1 Prozent.

Credit Suisse

Die Schweizer Credit Suisse kappt die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 4,3 Prozent.

Morgan Stanley

Die US-Bank Morgan Stanley streicht die Mitarbeiterzahl um 8,5 Prozent zusammen.

Deutsche Bank

Der deutsche Primus streicht das Investment-Banking radikal zusammen: Die Deutsche Bank kappt die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich um 13,3 Prozent.

Quelle: Bloomberg, Ende 2012 im Vergleich zu Ende 2011

Doch bei diesen Deals ist nichts in trockenen Tüchern und die wirklich großen Geschäfte waren alle im Februar angekündigt worden – der März hingegen gilt als der schwächste Übernahmemonat seit 2009, als die globale Konjunktur auf Talfahrt ging. Dabei scheint das Umfeld derzeit eigentlich günstig. Die lockere Geldpolitik hält die Zinsen niedrig und machen die Unternehmensfinanzierung günstig, was den Übernahmehunger treiben könnte. Auch die gestiegenen Aktienkurse – die wichtigen US-Indizes haben ihre Allzeithochs zuletzt hinter sich gelassen – lassen Anteilsscheine als Akquisitionswährung wieder an Gewicht zulegen.

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