Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2011

09:48 Uhr

Firmengründer schwerkrank

Stiller Machtwechsel bei Dussmann

VonChristoph Schlautmann

Der schwerkranke Firmengründer übergibt die Führung der Berliner Servicegruppe an seine Ehefrau Catherine - und zwar durch eine Umfirmierung. Tochter Angela Dussmann wird auf diese Weise künftig keinen Einfluss mehr auf das Unternehmen haben.

Peter Dussmann und seine Frau Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Die 59-Jährige hat durch eine Umfirmierung des Unternehmens künftig das Sagen. SCHROEWIG/CS

Peter Dussmann und seine Frau Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Die 59-Jährige hat durch eine Umfirmierung des Unternehmens künftig das Sagen.

DÜSSELDORF. In Denver und London hat die 59-Jährige einst Literatur und Schauspiel studiert, seit Anfang Januar spielt sie die Hauptrolle bei Dussmann in Berlin, dem mit 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz größten Gebäudedienstleister der Republik: Catherine von Fürstenberg-Dussmann, seit 1982 Gattin des schwerkranken Firmengründers Peter Dussmann, 72.

Der hat zum Jahreswechsel mit einer undurchsichtigen Umfirmierung dafür gesorgt, dass die gebürtige Amerikanerin im Dussmann-Haus an Berlins Friedrichstraße faktisch die Macht übernimmt. Ähnlich wie Liz Mohn bei Bertelsmann oder Cäcilie Albrecht bei Aldi Nord leitet die begeisterte Pferdesportlerin ab sofort den Stiftungsrat der Holdinggesellschaft "Dussmann Stiftung & Co. KGaA". Dussmanns Ehefrau ist Spross eines 1847 nach St. Louis, Missouri, ausgewanderten Familienzweigs der deutschen Fürstenberg-Dynastie.

Noch bis Ende Dezember hatte das Familienunternehmen als "Dussmann AG & Co. KGaA" firmiert. Komplementär und damit Herr im Haus war Firmengründer Peter Dussmann selbst, der als Großaktionär die AG beherrschte. Auch nachdem sich der ruppige Unternehmer Anfang 2003 aus dem operativen Geschäft zurückzog, hat er weiter Aufsichtsräte wie Vorstände berufen. Den späteren Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter ließ er Mitte 2003 nach nur vier Monaten gehen, Nachfolger Frank Wössner, zuvor Vorstandschef der Bertelsmann Buch AG, gab unter Dussmanns Oberherrschaft nach nur zwei Jahren auf.

Diesen direkten Einfluss hat Dussmann mit der erst jetzt bekannt gewordenen Umfirmierung aus der Hand gegeben. Zwar liegt das dividendenfähige Aktienkapital weiterhin zu 100 Prozent bei Peter Dussmann, der zugleich Kommanditist der Firma ist. Seit Jahresbeginn bestimmt aber die Komplementärin "Peter Dussmann-Stiftung" die Geschicke des Unternehmens, geleitet von Dussmanns Gattin Catherine. "Damit wird das Unternehmen künftig frei von der Einflussnahme der Erben gehalten", erläutert Harald Gesell, Gesellschaftsrechtler bei der Kölner Kanzlei Oppenhoff & Partner.

Um ihren künftigen Einfluss wird dadurch Angela Dussmann gebracht, die einzige Tochter des Firmengründers. Sie hätte der Vater gerne an der Unternehmensspitze gesehen. Die vorwiegend in den USA lebende 28-Jährige aber zeigte bislang kein Interesse am Geschäft. Zu den Hintergründen schweigt das Unternehmen.

Der in Rottweil geborene Buchhändlersohn Peter Dussmann, der nach einem zweiten Schlaganfall im Oktober 2008 halbseitig gelähmt ist und kaum noch sprechen kann, hatte das Unternehmen 1963 mit einem Sparkassenkredit von 2 000 Mark gegründet. Mit zehn Mitarbeitern stopfte er Strümpfe für Münchener Junggesellen, reinigte ihre Teppichböden und goss die Blumen. Schon sechs Jahre später zählte er 1 000 Mitarbeiter, expandierte ins Cateringgeschäft und Gebäudemanagement und eröffnete 1997 das Kulturkaufhaus in Berlin Mitte. Bei den Gewerkschaften fand der FDP-nahe "Putzfrauenkönig", der heute 54 000 Arbeitskräfte in 24 Ländern beschäftigt, nur wenig Gegenliebe. Dussmann sei ein "Sklaventreiber mit Telefon", maulte einmal der inzwischen verstorbene ÖTV-Chef Heinz Kluncker.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

J Werner

06.01.2011, 12:35 Uhr

Ein schwacher beitrag. Dussmann hat also die Macht durch eine "Umfirmierung" aus der Hand gegeben? Wenn das das wirtschaftsrechtliche Know-how des Handelsblatt widerspiegelt wäre das ein ziemliches Armutszeugnis.

bisher war Komplementärin offenbar die Dussmann AG, jetzt die Dussmann Stiftung. Hier wird es doch spannend: ist die Dussmann AG in eine Stiftung umgewandelt worden? Hat Dussmann seine Stimmrechte in der AG an die Stiftung abgetreten? Was ist da wirklich durchgeführt worden? Eine schlichte "Umfirmierung", d.h. Wechsel des Unternehmensnamens von Dussmann AG in Dussmann Stiftung macht doch keinen Sinn - mindestens wäre das ein Formwandel, jedoch keine Umfirmierung.

Schwach recherchiert bleibt der Artikel insoweit ohne wirkliche Erläuterung dessen, was Dussmann da jetzt gemacht hat.

harryvongebhardt

31.03.2011, 17:15 Uhr

Na ja, stimmt im Großen und Ganzen. Aber immerhin hat er
ein florierendes Unternehmen geschaffen. Ich hoffe, es wird in seinem Sinn weitergeführt.
Harry von Gebhardt

Wartenburg

26.12.2011, 18:38 Uhr

Tatsache bleibt aber, daß sie weiter nach dem Prinzip "Hire and ire" handelt, wie es oft in der Vergangenheit praktiziert wurde. Um diesem Prinzip gerecht zu werden, wurde mal wieder die Führungsspitze ausgetauscht. Mit Greiner sollte schon alles besser werden, aber nun ist das auch schon Geschichte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×