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01.02.2016

08:30 Uhr

Firmenkultur

In deutschen Unternehmen herrscht Kasernenton

VonKerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

„Jawohl, Chef!“ Was der Boss sagt, ist Gesetz – Kritik unerwünscht. In jeder vierten Firma herrschen immer noch Befehl und Gehorsam. Doch mit „nicht denken, gehorchen!“ kommt kein Unternehmen auf Dauer weiter.

In jedem vierten Unternehmen herrscht der Kasernenton. Fotolia.com

„Tun Sie einfach, was ich Ihnen sage!“

In jedem vierten Unternehmen herrscht der Kasernenton.

Stellen Sie sich bitte einmal folgende Szene vor: Der Vorgesetzte stürmt mit vor Zorn rotem Kopf und wehender Krawatte in das Büro seines Angestellten und brüllt den armen Tropf am Schreibtisch an.

„Warum haben Sie gegen meine ausdrücklichen Anweisungen gehandelt?!“

Der Mitarbeiter rechtfertigt sich: „Weil wir dadurch eine Million Euro gespart haben...“

„Wollen Sie damit sagen, dass meine Entscheidung falsch war?!“

„Ich dachte...“

„Sie sollen nicht denken, Sie sollen gehorchen!“

Zu hoch gegriffen? Unrealistisch? So geht man doch nicht mit seinen Angestellten um? Doch. Für 24 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland ist ein solches Szenario tägliche Realität: Anweisungen der Führungskräfte dürfen nicht hinterfragt werden. Außerdem kritisieren die Chefs kritisieren viel und loben selten.

Die Chef-Checkliste zur sozialen Kompetenz

Präsenz

Können Sie sich im "Hier und Jetzt" spürbar auf Ihre Führungsaufgabe einlassen? Sind Sie offen und ansprechbar? Hören Sie aktiv dazu?

Offenheit

Hören Sie sich alle Meinungen an und würdigen Sie die verschiedenen Sichtweisen, bevor Sie sich (vorschnell) ein Urteil bilden?

Integrität

Stehen Sie hinter dem, was Sie sagen? Können Sie diese Haltung gegenüber dem Team ebenso wie nach außen vertreten?

Konfliktbereitschaft

Bleiben Sie auch in schwierigen Situationen standfest, um Ihr Gegenüber von Ihrem Standpunkt zu überzeugen?

Konfliktfähigkeit

Unterschiedliche Ziel- und Wertvorstellungen führen zwangsläufig zu Konflikten. Erkennen und bewältigen Sie diese Konflikte? Erreichen Sie in Mitarbeitergesprächen konstruktive Lösungen?

Menschenkenntnis

Sind Sie in der Lage, Mitarbeiter und Kollegen schnell einzuschätzen und ihre jeweiligen Stärken und Schwächen zu erkennen?

Einfühlungsvermögen

Besitzen Sie das notwendige Einfühlungsvermögen, um Ihre Mitarbeiter zu verstehen und in der Folge leichter von einer Sache zu überzeugen?

Fehlertoleranz

Wenn es nicht "rund" läuft: Sprechen Sie das Problem offen an? Stehen Sie hinter ihren Leuten, auch wenn sie Fehler machen?

Loyalität

Verhalten Sie sich integer und folgen Sie im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen den Regeln des Fair Play?

Teamkompetenz

Sind Sie in der Lage, Interaktionen und gruppendynamische Prozesse in Teams aktiv zu gestalten und effizient in und mit Teams zu kooperieren?

Quelle

Das sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Emotionale Führung am Arbeitsplatz“ der Personalberatung Rochus Mummert. Demnach verstehen viele Unternehmer unter Führungsstil Befehlston - der Chef hat Recht und der Mitarbeiter zu gehorchen – und zwar unabhängig von Alter oder Geschlecht der Vorgesetzten.

Prominentestes Beispiel war Volkswagen, wo laut Insidern unter Winterkorn immer ein Klima der Angst geherrscht habe. Der Chef gab die Marschrichtung vor, wie seine Ingenieure die Ziele umsetzten, interessierte dagegen nicht. Hauptsache, sie tun es. Die Folgen dieses Führungsstils sind bekannt, weshalb man sich in Wolfsburg mittlerweile um eine andere Unternehmenskultur bemüht. Denn Kommandos wie „Tun Sie einfach, was ich Ihnen sage!“ mögen in Krisensituationen mit einer verunsicherten Belegschaft noch hilfreich sein. Aber sie motivieren die Mitarbeiter nicht. Das schafft nur ein coachender Führungsstil, der die Arbeitnehmer unterstützt, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Oder, wie Carsten Vollrath, Partner der Denkwerkstatt Innovative Management Partner, sagt: „Unter Befehls- sowie Ergebnisdruck gestaltete Strukturen, Prozesse und Systeme verpuffen nach einiger Zeit meist wirkungslos, da die Veränderungen nicht in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter ankommen.“

Wenn ein Unternehmen seine strategische Positionierung und die operative Leistungsfähigkeit nachhaltig verbessern soll, müssen Mitarbeiter und Führungskräfte an einem Strang ziehen und sich freiwillig dafür engagieren. Dafür braucht es eine offene Führungs- und Leistungskultur. Und der erste Schritt dahin ist - auch wenn es schwer fällt - die Mitarbeiter nicht anbrüllen und sich ihre Kritik zumindest anhören.

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