Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2012

13:16 Uhr

Firmenmuseen

Wenn Unternehmen mit der eigenen Geschichte werben

VonChristoph Kapalschinski

Viele Unternehmen präsentieren ihre Geschichte heute in einem eigenen Museum und hoffen damit gleichzeitig auf einen PR-Effekt. Mit Erfolg, denn manche der Ausstellungen laufen sogar örtlichen Kunstmuseen den Rang ab.

Die BMW-Welt ist inzwischen das am zweitbesten besuchte Museum Münchens. obs

Die BMW-Welt ist inzwischen das am zweitbesten besuchte Museum Münchens.

DüsseldorfMünchen gilt als Stadt der Kunst und der Kultur. Doch lieber als ins Haus der Kunst, die drei Pinakotheken, ins Lehnbachhaus oder auch in die Staatsoper und ins Prinzregententheater gehen die Leute in ein ganz anderes Museum. Statt alte Ölgemälde bekommen sie dort schnöde Autos zu sehen. Es sind allerdings einige von Künstlern bemalte Rennwagen dabei.

Die Rede ist vom BMW-Museum, dessen Erfolg sogar den Kurator Andreas Braun überrascht: 2011 kamen 550.000 Besucher in das Münchener Firmenmuseum - 50.000 mehr als im Vorjahr. „In der Regel verliert jedes Museum nach seiner Eröffnung an Publikum“, sagt Braun.
Mittlerweile ist die Autoschau das zweitmeistbesuchte Museum Münchens - nach dem Deutschen Museum. Die 80 Millionen Euro, die sich der Autobauer das Museum und die Restaurierung der gezeigten Autos kosten ließ, scheinen gut angelegt zu sein. Das Daimler-Museum in Stuttgart besuchen Jahr für Jahr mehr als 700.000 Menschen - in die Werksschau von Porsche zog es seit der Eröffnung im Februar 2009 weit über eine Million Besucher. Auch im Ländle kann die Kunst da nicht mithalten.

So wie die Autoschmieden präsentieren immer mehr Unternehmen in Deutschland ihre Geschichte und ihre Produkte in Museen - darunter Miele, Steiff, Reemtsma, 4711, Märklin, Adidas und viele andere. Von den Industriemuseen im Ruhrgebiet ganz zu schweigen.

Eine Reise durch die Hallen, in denen sich die Unternehmen präsentieren, ist auch ein Streifzug durch die Sozialgeschichte der Republik - und für die Firmen ein Stück PR nach innen und außen.

„Seine Geschichte ist ein wesentlicher Baustein für das Ansehen eines Unternehmens“, sagt Dieter Leuthold, Professor für Corporate History an der Universität Bremen. „Wenn sich jemand 100 Jahre am Markt behauptet, ist das ein echtes Asset“, sagt er.
Sowohl für die Kommunikation an Mitarbeiter und Kunden als auch an die Öffentlichkeit, etwa die Lokalpolitik, sei das Erbe wertvoll. Wichtig ist jedoch, die Geschichte auch für Ausstellungen von Experten aufarbeiten zu lassen, um auch die kritischen Punkte glaubwürdig darstellen zu können. „Die Arbeit eine Werbeagentur wäre dagegen wertloses Hochglanzpapier“, meint der Wissenschaftler. „Je weiter wir uns vom Jahr 1945 entfernt haben, desto weniger Vorbehalte gibt es, auch die Geschichte des Nationalsozialismus aufzuarbeiten.“

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mary

07.01.2012, 13:53 Uhr

"Keine Freude am Fahren"?

Vielleicht mit einem Museum in Delhi.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×