Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2011

09:31 Uhr

Firmenverkauf

Familienunternehmer vor der Wahl

VonWolfgang Gillmann

Wenn der eigene Nachwuchs von der Firma nichts wissen will, stehen Familienunternehmer vor der Wahl. Meist ist die Trennung keine schlechte Entscheidung – aber an wen verkaufen, wenn die Mitarbeiter ihre Stellen behalten sollen?

Produktion bei Nordenia: Firmengründer Peter Mager verkaufte das Unternehmen 2006 an einen Finanzinvestor. Quelle: Nordenia

Produktion bei Nordenia: Firmengründer Peter Mager verkaufte das Unternehmen 2006 an einen Finanzinvestor.

DüsseldorfRobert Prager hat nichts dem Zufall überlassen. Schon früh war ihm klar: Um den Bestand seines Unternehmens zu sichern, muss er sich von ihm trennen. „Als ich mich zum Verkauf entschloss, war ich 55 Jahre alt und meine beiden Kinder zwölf und 14. Das zeigte eine strategische Lücke.“ Aus Verantwortung für das Unternehmen und die Familie entschloss sich der Eigentümer der Setter-Gruppe – ein Hersteller von Papierstäbchen, zum Beispiel für Lutscher – zum Verkauf.

Das 1964 gegründete Unternehmen mit 80 Beschäftigten und rund zehn Millionen Euro Umsatz exportiert 90 Prozent seiner Waren. Für den Geschäftsführer bedeutet das viele anstrengende Reisen. Bei einem Ausfall des Hauptverantwortlichen stünde viel auf dem Spiel. Deshalb verkaufte Prager schon früh sein Unternehmen an den Finanzinvestor Gesco. So konnte er als Geschäftsführer weiterarbeiten und die Kontinuität sichern.

So entschlussfreudig wie Robert Prager sind Familienunternehmer selten. Viele zögern den Entschluss zum Verkauf lange hinaus, wenn aus der Familie niemand zur Nachfolge bereitsteht. Obwohl die Banken dies inzwischen mit einer schlechteren Beurteilung der Kreditwürdigkeit bestrafen.

Dabei bieten sich den Unternehmern viele Alternativen. Prinzipiell haben sie die Wahl zwischen drei Lösungen: dem Verkauf an einen strategischen Investor, dem Verkauf an einen Finanzinvestor oder der Gründung einer Stiftung.

Strategische Investoren können Konkurrenten, Abnehmer oder auch Zulieferer des bisherigen Familienunternehmens sein. „Der strategische Investor zahlt generell einen höheren Preis als der Finanzinvestor“, sagt Helmut Ruwisch, Vorstandsvorsitzender der Beteiligungsholding Indus. Denn solche Käufer rechnen damit, durch die Ausnutzung von Synergien die Kosten senken zu können und so über einen höheren Gewinn den Kaufpreis wieder rauszuholen.

Synergien nutzen, das heißt im Klartext oft, dass der Investor Mitarbeiter entlässt und Standorte schließt. Das kann für den bisherigen Eigentümer ein großes Problem sein. Viele Familienunternehmer sind sehr mit dem regionalen Standort verwachsen und wohnen auch dort. Wenn nach dem Verkauf Stellen gestrichen werden, fällt dies letztlich auf sie zurück. Dann können die Zeiten schnell vorbei sei, in denen der Firmengründer friedlich im Ort Brötchen holen konnte.

Feste Garantien zum Erhalt des Unternehmens sind aber keine gute Lösung: Selbst wenn sie – was selten ist – gegeben werden, kann der Investor sie später wieder aushebeln. „Der Verkäufer verliert in der Regel sofort seinen Einfluss auf das Unternehmen“, sagt Clemens Busch, Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Steadfast Capital.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×