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11.04.2006

07:00 Uhr

Fitnessgerätehersteller

Das Muskelspiel des Herrn Alessandri

VonKatharina Kort

Nein, wie ein Fitnesstrainer oder Sportfanatiker sieht Nerio Alessandri wirklich nicht aus. Kein hautenges T-Shirt, keine mit Amphetaminen aufgeblasenen Muskeln unter dem Nadelstreifenanzug.

GAMBETTOLA. Doch trotzdem ist der schmal gebaute 45-jährige Tüftler Herr eines Fitness-Imperiums: Technogym heißt sein Unternehmen, in Europa ist er Marktführer in Sachen Fitnessgeräte, weltweit liegt er auf Platz zwei. Seine Muskelquäler stehen in den Trainingsräumen von Real Madrid, im Luxushotel Burj Al Arab in Dubai und im legendären Equinox-Club im kalifornischen Santa Monica – der Wiege der Fitness.

Der Aufstieg des Technischen Zeichners aus der Provinz gleicht einer amerikanischen Tellerwäscher-Millionär-Erfolgsstory. Sie beginnt in der Garage von Alessandris Eltern in Gambettola bei Cesena, 25 Kilometer von der Adriastadt Rimini entfernt. Anfang 20 ist der Sohn der Familie. Natürlich geht er in ein Fitnessstudio, in das eines Freundes. Der klagt ihm sein Leid, erzählt, was die Maschinen mit den schweren Gewichten besser können sollten. Und Alessandri zeichnet.

„So sah meine erste Trainingsmaschine aus“, zeigt er mit seinen schlanken Fingern stolz das Foto von der Garage seiner Eltern, wo sich der Motorradfahrer eine kleine Werkstatt eingerichtet hatte.

Es ist ein einfaches Gerät mit Metallrahmen, um in der Schräglage aus den Beinen heraus Gewichte zu stemmen. Der Besitzer des Studios kauft die Maschine und bestellt drei weitere. In wenigen Monaten kommen zwei neue Modelle für die Brust- und die Beinmuskulatur hinzu. Zunächst betreibt Alessandri das Geschäft in seiner Freizeit. Wochentags arbeitet er bei einer Verpackungsfirma. Doch als die Aufträge sich häufen und die Abende und Wochenenden nicht mehr genügen, reicht er ein Jahr später, im Mai 1984, die Kündigung ein: „Meine Eltern haben einen Monat nicht mit mir geredet, weil ich einen sicheren Job aufgegeben habe.“

Erste Heimstatt von Technogym sind 100 gemietete Quadratmeter im Industriegebiet von Gambettola. Heute belegt das Unternehmen das gesamte Gebäude – und hat sich auf vier weitere ausgeweitet. Die meisten Angestellten, die hier arbeiten, sind jung, der Altersdurchschnitt liegt um die 30, sie tragen Jeans oder Kordhosen. Der in hellem Holz und Glas gehaltene Eingang – einst die Werkstatt des Unternehmens – gibt den Blick auf das hauseigene Fitnessstudio frei. Im Fahrrad-Outfit oder in Jogginghosen laufen, steppen, dehnen sich 20 junge und weniger junge Aktive.

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